LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Die Corona-Pandemie hat die Jahreszeiten gehörig durcheinandergewirbelt. Erst regnete es im kulturellen Bereich Absagen, dann wurde das gesellschaftliche Leben lahmgelegt und schließlich fiel der ganze Event-Sektor unfreiwillig in einen tiefen Winterschlaf. Ganze Branchen waren in eine Schockstarre versetzt worden. Ein derartiges Szenario hatte niemand jemals für möglich gehalten: Theater, Kinos, Diskotheken und Museen, die ihre Türen schließen mussten, und Bürger, die sich mit einer Ausgangssperre konfrontiert sahen. Die schrittweise Rückkehr zur Normalität oder vielmehr zu einer neuen Realität kommt in verschiedenen Bereichen nur zögerlich in Gang, da die Auflagen immer noch derart streng sind, dass an die Wiederaufnahme des Normalbetriebs so schnell nicht zu denken ist. Genau diese Erkenntnis ist indes ein erster wichtiger Schritt. Im Schockzustand verharren und in völliger Passivität darauf warten, dass alles wieder so wird, wie es vor dem Ausbruch des neuartigen Virus war, ist keine Option.

Dass Alternativen hermüssen, wurde mittlerweile überall erkannt, auch wenn einiges an Einfallsreichtum gefragt ist. Manche Betriebe mussten sich sogar regelrecht neu erfinden. In Clubs und Bars, wo früher ausgelassen getanzt wurde, stehen jetzt Tische und Bierbänke, werden Speisen gereicht und Partys im Sitzen gefeiert. Freilichtkonzerte werden an ungewöhnlichen Orten organisiert, Autokinos erleben ein Comeback. Not macht erfinderisch, vor allem, wenn es um die Existenz geht.
Auch wenn Spontanität in Corona-Zeiten besonders im Event-Bereich zu einer Utopie geworden ist – die Sitzplätze sind begrenzt und müssen rechtzeitig reserviert werden –, das Gemeinschaftserlebnis nicht ohne „Social Distancing“ funktioniert und die Organisatoren kaum Gewinne einfahren, gibt das langsame Erwachen des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens doch Anlass zu Hoffnung. Erst wenn man eine Situation akzeptiert, kann man nämlich anfangen, das Beste daraus zu machen. Das gilt für beide Seiten: Veranstalter und Besucher.   

Dass im Kultursektor keine Schwarzmaler am Werk sind, wird sich nun sicherlich auch während der anstehenden Saisonvorstellungen der einzelnen Häuser zeigen. Die Spielzeiten mussten wohl an die geltenden Pandemie-Bedingungen angepasst werden, vieles wird anders sein, dennoch darf man sich zweifelsohne auf vollwertige Programme freuen.      

Wie das Publikum auf das Angebot reagiert, ob es tatsächlich in die Kultur, Konzert- und Theaterhäuser zurückkehrt, steht derweil noch auf einem anderen Blatt. Die Kinos beispielsweise kämpfen seit der Wiedereröffnung um Zuschauer, was aber zu einem großen Teil auch daran liegen mag, dass die Filmverleiher den Start von Blockbustern hinauszögern und es deshalb an einem attraktiven Angebot fehlt. Natürlich hält auch die Sorge um die eigene Gesundheit noch viele von solchen Unternehmungen ab, dies obwohl die Sicherheit der Besucher überall Priorität hat. Das obligatorische Tragen der Maske während der Veranstaltungsdauer – voraussichtlich gehen viele Institutionen auf diesen Weg - könnte sich dagegen als Hürde erweisen. Dass aber die Menschen während der Zwangspause ihr Interesse an der Kultur verloren haben, nicht mehr nach Kunst, Theater und Musik dürsten und stattdessen lieber zu Hause bleiben, scheint doch sehr unwahrscheinlich.