LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Kollektive Demission bei den Jungsozialisten aus dem Osten

Die bisherige hohe Beamtin Paulette Lenert ist noch nicht einmal als neue Ministerin für Entwicklungszusammenarbeit und Konsumentenschutz vereidigt (ursprünglich sollte sie ja die ungleich prestigeträchtigeren Ministerien für Gesundheit und Soziale Sicherheit übernehmen), und schon sorgt sie innerhalb ihrer Partei für viel Aufregung, so unter anderem auch bei den Jungsozialisten aus dem Ostbezirk.

Tess Burton hätte in die Regierungkommen müssen

Dessen Komitee trat am Wochenende geschlossen zurück, da man eigentlich davon ausgegangen war, dass, nachdem Nicolas Schmit angekündigt hatte, nach Brüssel wechseln zu wollen, und damit den Weg für die vielzitierte Erneuerung frei macht, die auf der LSAP-Ostliste Zweitgewählte Tess Burton ein Ministeramt bekommen würde, und der Drittgewählte Ben Scheuer in die Abgeordnetenkammer nachrücken würde: „Am Bezierk Osten, huet de Nicolas Schmit de Wee fir dës Erneierung fräi gemaach an et war net nëmme fir eis méi wéi evident, dass et elo um Tess Burton (33) fir an d’Regierung, an um Ben Scheuer (38) fir an d’Chamber wier. Mat dësem jonken Team wollte mir positiv an d’Zukunft goen. Elo ass et awer esou, dass dëst net geschéie soll“.

Dass nun stattdessen die nicht mehr ganz so junge und politisch kaum bekannte Paulette Lenert, die auf keiner LSAP-Liste figurierte, Ministerin werden soll, können die Jungsozialisten aus dem Osten absolut nicht verstehen, wie sie am Wochenende auf Facebook schrieben: „Et ass awer fir eis absolut net ze verstoen, wéi een an Zäiten vun Erneierung, 2 Jonker, déi e gudde Walkampf gemaach hunn, vill fir d’Partei an der läscht (e.a. och an hire Gemenge) geschafft hunn an eben e gutt Resultat erzielt hunn, kann op der Säit loossen“.

Die frühere Abgeordnete Tess Burton selbst, die ja schon - wie übrigens auch Paulette Lenert - vor zwei Jahren als Nachfolgerin von Nicolas Schmit im Gespräch war, als dieser zum Europäischen Rechnungshof wechseln wollte, war bis jetzt Vizepräsidentin der Jusos aus dem Osten, derweil Ben Scheuer, der auch schon einmal von 2009 bis 2013 als seinerzeit jüngster Abgeordneter auf Krautmarkt saß, Kassenwart bei der JS Osten war.

Dass mit der 36-jährigen Taina Bofferding, die aus dem Südbezirk ist, eine frühere Juso-Präsidentin Regierungsverantwortung übernehmen darf, dürfte indes auch den Jungsozialisten aus dem Osten gefallen.

Der außerordentliche Kongress der LSAP am Dienstagabend in Strassen, auf dem sich über das Koalitionsprogramm und über die Postenbesetzung der Sozialisten ausgesprochen wird, verspricht jedenfalls spannend zu werden.

Auch wird jetzt schon darüber spekuliert, dass die Sozialisten einen Wechsel programmiert haben, und Franz Fayot den bei den Wahlen nicht so gut wie erwartet abgeschnittenen Etienne Schneider noch vor 2023 ablösen soll, wobei jedoch auf der LSAP-Zentrumsliste Marc Angel direkt gewählt wurde, und nicht Fayot, der als Drittgewählter nur nachrücken wird. Der bei der Parteibasis äußerst beliebte Angel hatte seinerseits bereits bei den Wahlen von 2013 als Zweitgewählter zugunsten der Fünftgewählten Francine Closener auf ein Regierungsamt verzichtet, so dass er sich diesmal nicht noch einmal gefallen lassen dürfte, bei der Postenvergabe den Kürzeren zu ziehen..