LUXEMBURG
LIZ MIKOS

Kodieren soll als Unterrichtsfach in der Grundschule eingeführt werden

Die Digitalisierung nimmt immer mehr Raum in unserem alltäglichen Leben ein, das nicht nur in der Freizeit, sondern auch im beruflichen und im schulischen Umfeld. Besonders auffallend ist die rasante Schnelligkeit, mit der sich die digitale Welt stetig weiterentwickelt. Ein Prozess, der die Aufmerksamkeit aller fordert, aber allen voran die der Kinder und Jugendlichen, die sich immer neue Kompetenzen aneignen müssen, um die heutige Welt zu verstehen und in ihr zu bestehen. Was kann der heutige Mensch tun, um nicht von Maschinen ersetzt zu werden? Eine Frage, die im 21. Jahrhundert immer öfter aufkommt und immer akuter wird. Daher richtet sich das Bildungsministerium nun mit einer neuen Initiative an Kinder der Grundschule, um sie schon vom Kindesalter an nicht nur mit der digitalen Welt an sich vertraut zu machen, sondern um ihnen die Mitgestaltung sowie einen sicheren Umgang mit den Medien zu ermöglichen. Ziel ist es, dass junge Menschen nicht nur wissen wie sie digitale Objekte benutzen, sondern ihnen von klein auf beizubringen, dass man der Digitalisierung auch durchaus skeptisch und achtsam entgegentreten soll. Daher präsentierte Claude Meisch den neuesten Ansatz des Bildungsministeriums zur Sensibilisierung der Grundschüler: „Einfach digital - Zukunftskompetenze fir staark Kanner“.

Spielerische Förderung der 5 K

Denkt man darüber nach was für den modernen Schüler von besonderer Wichtigkeit ist, so stößt man auf die fünf K: Kritisches Denken, Kreativität, Kommunikation, Kooperation und Kodieren. Wegen der Digitalisierung sind diese Kompetenzen von noch höherer Bedeutung, um die moderne Welt zu gestalten und fassen im Grunde das Gestaltungsbild von „Einfach digital“ gut zusammen. Hier geht es vor allem auch darum, dass junge Menschen digitale Objekte nicht nur benutzen, sondern auch verstehen sollten. „Dieses Verständnis stellt sicher, dass der Mensch immer noch die Kontrolle über die Maschine oder den Computer hat. Es sollte eine klare Hierarchie geben, in der der Mensch immer noch über der Maschine steht“, erklärt Bildungsminister Claude Meisch. Dazu gehört auch, dass Risiken und zurzeit noch Unbekanntes erkannt, erklärt und erlernt werden, um ein noch besseres Verständnis all dieser Neuheiten zu garantieren. Bei „Einfach digital“ werden mehrere Maßnahmen getroffen, um tatsächlich an all den oben genannten Kompetenzen transversal und fächerübergreifend zu arbeiten. Die wohl größte Änderung aber ist das Einführen des Kodierens als Schulfach in der Grundschule im „Cycle 4“. Wie es der Name der Initiative bereits erahnen lässt, werden Schulkinder allerdings nicht mit einer zu komplexen Materie überrollt. Es geht darum, die Stunde, die sich wegen seines Förderns des logischen Denkens in den Mathematikkurs integriert, spielerisch und kreativ zu gestalten. Mit Spiel und Spaß sollen Schüler algorithmisches Denken und Problemlösungskompetenzen nähergebracht bekommen. Dafür müssen sie sich nicht einmal vor einen Bildschirm setzen. Das beweisen auch die Klassen, die das Projekt bereits austesten durften. Voller Freude werkeln Schüler hier an Minirobotern und gestalten die digitale Welt aktiv und kreativ mit. Daher soll sich die Initiative nicht nur auf den „Cycle 4“ beschränken, sondern ab September 2021 auch in allen anderen „Cycles“ eingeführt werden. Kinder werden in allen möglichen Fächern vielfältig und spielerisch auf dieses scheinbar große digitale Chaos vorbereitet, sodass es am Ende nicht mehr chaotisch wirkt, sondern strukturiert, weil sie die einzelnen Prozesse verstehen und mögliche Probleme lösen können. Dazu braucht es weder seitens der Kinder, noch seitens des Lehrpersonals spezielle informatische Kenntnisse.

Neue Interessen wecken

Auf diesem neuen Weg, werden auch Lehrkräfte selbstverständlich nicht alleine gelassen. Es werden Fortbildungen organisiert, die sie bei dieser neuen Aufgabe unterstützen. Außerdem wurde für das Lehrpersonal der „Medienkompass“ erstellt, der alle Kompetenzen, die von Schülern erfordert werden, im Detail erläutert und ihnen als Stütze zur Unterrichtsgestaltung dient, da die Methoden fach- und medienübergreifend angewendet werden sollen, um die bestmögliche Ausbildung zu versichern. Dies wird ab 2021 auch für Teenager im Lyzeum von äußerster Relevanz. Für sie wird es einen neuen Unterricht geben, der Jugendliche weiterführend für das Thema Informatik sensibilisiert. Doch es geht hier um weitaus mehr als bloße Sensibilisierung. Jugendliche bekommen mit einem solchen Unterricht einen genaueren Einblick in die Welt der Informatik und Digitalisierung und erkennen vielleicht Interessen, die sie sonst nicht für sich entdeckt hätten - und neue Interessen führen oft zu neuen beruflichen Zielen und Wünschen. „Es geht auch darum, die Spezialisten von morgen auszubilden“, erklärt der Bildungsminister. Doch auch für die Eltern der Informatiker von morgen wird vom Ministerium und BEESECURE Hilfe geleistet. In einer Broschüre, bekommen Eltern der Teenager Ratschläge, um letzteren einen sinnvollen Umgang mit Technik nahezubringen. Lehrpersonal, Eltern, Kinder und Jugendliche sollen digitale Objekte bewusst benutzen und auch lernen, wann es vielleicht besser wäre ein wenig Abstand zu gewinnen. Lernen, Verständnis, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit gehören für den bewussten Nutzer zur Digitalisierung dazu.