LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

28.000 Kilometer in 18 Monaten: Seit September erradelt Yannis Bastian die Welt

Wer träumt nicht gelegentlich von einer Weltreise? Müsste man alle Kontinente aber im Fahrradsattel sitzend abstrampeln, würden die Meisten wohl doch dankend ablehnen. Genau das ist aber das Ziel von Yannis Bastian. Im September hat er seinen Drahtesel bepackt und dieses schweißtreibende Abenteuer in Angriff genommen. Den Traum träumte der inzwischen 30-Jährige schon länger, wahr werden ließ er ihn aber erst, als er schließlich sein Master-Diplom in Abenteuer- und Erlebnispädagogik in der Tasche hatte. In der Zwischenzeit hatte der Plan aber schon eine etwas konkretere Form angenommen.

„Planen ist immer so eine Sache, eigentlich kann man das gar nicht. Während des Studiums habe ich mir Videos von Radfahrern angeschaut, die eine ähnliche Reise unternommen haben, oder deren Berichte gelesen und mich teils auch schon über das nötige Material informiert. Man braucht ja doch einiges“, erzählt Yannis am Telefon. Ohne das nötige Kapital geht’s natürlich nicht. Im Vorfeld hatte sich der junge Mann deshalb gezielt auf die Suche nach Sponsoren gemacht, was sich jedoch als schwierig erwies. „Ich habe viel Zeit darauf verwendet, Unternehmen anzuschreiben. Leider blieben meine Anfragen meist ohne Antwort oder fielen negativ aus“, bedauert der Luxemburger. Zum Glück hatte er einiges zusammengespart, als er während des Studiums beim „Service national de la Jeunesse“ als Freelance tätig war und außerdem in der Grundschule ersetzte.

Mit 50 Kilogramm Gepäck unterwegs

„Wer glaubt, dass man als Radfahrer auf Weltreise nicht viel Geld braucht, täuscht sich“, gibt Yannis zu bedenken. Zehn Euro pro Tag seien nötig, Flüge nicht miteingerechnet. Auch ein ordentlicher fahrbarer Untersatz musste von den Ersparnissen finanziert werden. „Gegen die eine oder andere Spende hätte ich natürlich nichts einzuwenden“, lacht er. Abgesehen vom Fahrrad musste auch eine komplette Campingausrüstung angeschafft werden. „Natürlich kann ich nicht immer in einem Hotel oder Hostel übernachten, das wird zu teuer. Zelt, Isomatte, Schlafsack, Töpfe, Gaskocher, daneben Kleidung, elektronische Apparate, Flickzeug fürs Rad, ja, da kommt natürlich einiges an Gewicht zusammen. Das Gepäck allein wiegt rund 50 Kilogramm, mit dem Fahrrad sind es dann 75. Spätestens bei steilen Anstiegen spürt man das auch“, witzelt der Einwohner aus Berburg.

Trennung auf Zeit

Ernst genommen wurde er in seinem Umfeld übrigens nicht gleich. „Die meisten meiner Freunde haben daran gezweifelt, dass ich das tatsächlich durchziehen werde, meine Eltern sogar bis kurz vor meiner Abreise“, erzählt Yannis und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Etwas Angst hätte er aber davor gehabt, seine Freundin Audrey in das Vorhaben einzuweihen. „Natürlich wusste sie, dass es diesen Traum gibt. Wir haben immer mal wieder darüber geredet, dass ich aber konkret an der Reise plane, war ihr lange nicht so richtig bewusst. Es fiel mir schwer, schließlich mit der Sprache rauszurücken, weil ich nicht wusste, wie sie reagieren würde. Sorgen hatte ich mir aber umsonst gemacht, Audrey hat mich sofort unterstützt und mir sogar zugeredet, diese Reise jetzt zu machen und nicht noch länger aufzuschieben. Das ist nicht selbstverständlich, für andere wäre es sicherlich ein Trennungsgrund gewesen. Ich habe eine tolle Partnerin“, schwärmt der 30-Jährige. „Wir werden das schaffen“, zeigt er sich zuversichtlich. Im Januar will sich das Paar übrigens in Thailand treffen. Yannis kann es kaum erwarten.

Genaue Planung: Ein Ding der Unmöglichkeit

Bis ins kleinste Detail eine genaue Strecke auszutüfteln, sei indes nebensächlich gewesen, deutet der junge Mann an. „Ich will flexibel sein“, betont er. „Erstmal Richtung Osten“ lautete der Plan. Gewisse Länder standen natürlich ganz klar auf der „route map“. „Kirgistan wollte ich beispielsweise unbedingt sehen. Auch durch den Iran sollte es gehen“, sagt Yannis. Beide Länder wurden während der Reise aber wieder vom Programm gestrichen. „Ich habe mir sagen lassen, dass es dort momentan für Radfahrer recht ungemütlich ist, weil die Temperaturen im Winter bis auf minus 30 Grad fallen. Das wollte ich mir dann doch nicht antun“, bemerkt der 30-Jährige.

„Eine ganz genaue Route ist auch deshalb ein Ding der Unmöglichkeit, weil man nie weiß, wie man weiterkommt. Ziel ist es, in anderthalb Jahren - was für eine Weltreise ein doch relativ knapper Zeitrahmen ist -, möglichst viel zu sehen, ohne sich dabei unter Druck zu setzen. Südostasien gehört unbedingt dazu, genau wie Australien und Neuseeland. Manchmal ändere ich meine Route aber auch spontan, wenn ich zum Beispiel interessante Leute treffe, denen ich mich dann kurzerhand über eine gewisse Distanz anschließe. Bislang war ich die Hälfte der Zeit nicht alleine unterwegs“, freut sich der Abenteurer.

Bis September wenig mit Radfahren am Hut

Mit Radfahren hatte Yannis übrigens bis dahin relativ wenig am Hut. „Um ehrlich zu sein, steige ich eigentlich selten aufs Rad. Ich war also weder auf Berganstiege, noch auf weite Strecken oder winterliche Temperaturen vorbereitet. Ich bin kein großer Radfahrer“, gibt der 30-Jährige zu und lacht. „Wenn man eine derart weite Reise unternimmt, kommt das irgendwann von ganz alleine. Ich hielt es also nicht für notwendig, mich ein Jahr darauf vorzubereiten, mit dem Ziel, dann 100 Kilometer pro Tag zu schaffen. Ich habe langsam angefangen und irgendwann nach einem Monat meinen Rhythmus gefunden“, erklärt er.

Natürlich gab es auch schon Momente, in denen die wildesten Flüche gefallen sind und Yannis das Fahrrad am liebsten in den Straßengraben geschleudert hätte. „Eigentlich in ganz Serbien“, sagt er. „Es war kalt und regnete an einem Stück. An einem Tag war der Gegenwind so stark, dass ich nur 16 Kilometer schaffte. Das zieht natürlich runter“, gibt er zu. Zwischendurch sorgen schöne Erlebnisse aber immer wieder für den nötigen Motivationsschub, so etwa in Bulgarien. „Die Einwohner waren unglaublich freundlich. Spontan hat mich eine Familie zu sich nach Hause auf einen Kaffee eingeladen und mir dann auch noch eine Flasche Wein mit auf den Weg gegeben. Die Unterhaltung war zwar schwierig, aber mit Zeichensprache kommt man auch weiter“, weiß Yannis inzwischen. Mittlerweile gibt es viele solcher kleiner Geschichten, die den jungen Mann in seinem Vorhaben bestärken, den Rest der Welt auch noch per Rad zu erobern.

Seit September hat Yannis rund 3.600 Kilometer zurückgelegt. Am Ende sollen es 28.000 sein. Bleiben noch etwas mehr als 15 Monate. Inzwischen hat er Europa den Rücken gekehrt und ist in Indien angekommen. Von dort aus geht es weiter nach Vietnam, Kambodscha und schließlich Thailand, wo dann Audrey auf ihn wartet.