SCHIFFLINGEN
CLAUDE KARGER

Immer einen Ausflug wert: der ehemalige Tagebau in Schifflingen und sein Planetenweg

Ein Spaziergang durchs Sonnensytem gefällig? Dann begeben Sie sich auf den einzigen Planetenlehrpfad in Luxemburg. Ab dem Leichtathletikstadion Jean Jacoby startet der Rundweg von zirka 3,9 Kilometern mit 13 Sichttafeln und zehn Relieftafeln, die auch in Blindenschrift verfasst sind. Während die echte Sonne auf den roten Fels des ehemaligen Tagebaugebiets im Naturreservat „Lalléngerbierg-Brucherbierg“ brennt, nähern wir uns dem Stern, der – Bergbaureminiszenz „oblige“ – auf einer Erzlore steht.

Von dort aus laufen wir weiter zum Merkur, zur Venus, zur Erde, anschließend zum Mars. Wie winzig alle Planeten im Vergleich zur Sonne sind, zeigen die Relieftafeln entlang des Weges, die im Maßstab eins zu einer Milliarde gefertigt sind, während der Maßstab der Entfernungen eins zu zwei Milliarden beträgt. Merkur – 4.900 Kilometer im Durchmesser – besitzt im Vergleich zu unserem Stern auf dem Planetenweg Schrotkugelgröße. Der Gasriese Jupiter mit seinen 139.820 Kilometern Durchmesser – kommt derweil auf Kanonenkugeldimension.

Einzigartige Natur in ehemaliger Industriestätte

Steht man vor der Tafel des Jupiters, hat man die Sonne auf der Lore längst aus den Augen verloren. Kein Wunder, ist der nach dem römischen Göttervater benannte Planet – übrigens geben die Tafeln auch Aufschluss über den mythologischen Ursprung ihrer Namenspaten – doch im Durchschnitt fast 780 Millionen Kilometer von unserem Stern weg. Der Planetenweg, auf dem es auch Informationen über Asteroiden, Meteore und Kometen gibt, führt durch eine Landschaft, die bisweilen an jene des Mars erinnert, mit ihren roten Gesteinsformationen. Hier ist sie menschengemacht: über Jahrzehnte fraßen sich schwere Maschinen durch den Tagebau, um das Eisenerz für die seit Mitte der 1850er florierende Stahlindustrie zu fördern. Die Spuren sind noch allgegenwärtig, mittlerweile nimmt sich die Natur die Grube nach und nach zurück.

Römer und Kelten

Die felsigen Böden sind wieder mit Trockenrasen zugewachsen, hier gedeihen Pflanzen, die man sonst lediglich in Bergregionen findet, die Artenvielfalt, besonders bei den Insekten, ist explodiert. Wenige Spuren übrig gelassen hat der Erzabbau indes aus den Jahrtausenden davor – und doch. Man fand Überreste von keltischen und römischen Verteidigungsposten auf den Höhen über Schifflingen, die einen weiten Blick über das Alzette-Tal ermöglichten. Der Planetenpfad kreuzt übrigens den „Réimerwee“ (neun Kilometer ab dem Bahnhof Schifflingen) an mehreren Stellen. Aber es gibt auch noch andere Trassen, um die rund 11.300 Einwohner zählende Gemeinde und ihr Patrimonium zu entdecken.

Eine Übersicht mit Karten gibt es auf der Webseite des lokalen Wandervereins: www.globetrotters.lu