LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) umfasst verschiedene Behandlungsverfahren - Was steckt dahinter?

In Ländern der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird die Gesunderhaltung von klein auf gelernt und täglich gelebt. Was wir „Krankheiten“ nennen, wird dort als Mangel beziehungsweise

Blockade der Lebensenergie „Qi“ (gesprochen: Tschi) verstanden, die bei verschiedenen Menschen zwar ähnliche Symptome zeigen kann, je nach Typus aber völlig anders angegangen werden muss.

Die Verfahren der Chinesischen Medizin (TCM) finden zunehmend Anerkennung und werden als Ergänzung der westlichen Schulmedizin aufgefasst. Sie bestehen aus fünf Bereichen, die auch als die fünf Säulen der TCM bekannt sind und einzeln oder in Kombination eingesetzt werden. Hier erklären wir die wichtigsten Behandlungsmethoden und was sie bewirken sollen.

Diätetik/Ernährungslehre

Die Ernährungslehre spielt in der TCM eine wichtige Rolle, weil sie ein einfaches Mittel ist, mit dem der Patient selbst zur Genesung beitragen kann. In der TCM geht man davon aus, dass Nahrungsmittel eine energetische Heilwirkung haben. Das heißt, Speisen und Getränken werden neben den Nährwerten wie Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißgehalt auch bestimmte vegetative Wirkungen zugeschrieben. So kann zum Beispiel eine Chilischote schweißtreibend und ein Joghurt kühlend wirken. Verantwortlich für die Wirkung sind die Geschmacksrichtungen, der Geruch, die Farbe, Temperatur und Konsistenz der Lebensmittel. So wirken beispielsweise die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen auf unterschiedliche Organe: Bitteres stimuliert das Herz, Saures die Leber, Scharfes die Lunge, Salziges die Nieren, Süßes die Milz und die Bauchspeicheldrüse.

Akupunktur und Moxibustion

Die Akupunktur ist die wohl bekannteste und am weitesten verbreitete Behandlungsmethode der TCM. Dabei werden bestimmte Punkte des menschlichen Körpers mit Akupunkturnadeln stimuliert, um die Lebensenergie - das Qi - zu beeinflussen, das nach chinesischer Vorstellung bei einer Krankheit oder bei Beschwerden gestört ist. Durch die Nadeln wird die Störung aufgehoben, sodass das Qi wieder harmonisch fließen kann. Die Wirkung der Akupunktur beruht nach Angaben von Experten auf der Ausschüttung von Endorphinen, Kortison und entzündungshemmenden Substanzen im Körper. Bei der Moxibustion werden Akupunkturpunkte durch Erwärmen stimuliert. Dabei wird getrocknetes Beifußkraut direkt auf der Haut angezündet.

Chinesische Arzneimitteltherapie (CAT)

Die Arzneimitteltherapie stützt sich vor allem auf Heilpflanzen, in seltenen Fällen auch auf Mineralien und tierische Bestandteile. Sie werden meist in Form von komplexen Rezepturen verabreicht, die individuell auf den Patienten abgestimmt sind. Dabei handelt es sich in der Regel um einen Tee oder einen Arzneimittelsud aus Pflanzenbestandteilen wie Wurzeln, Rinden, Blättern, Stängeln und Blüten. Für die Zubereitung und Einnahme erhalten die Patienten genaue Anweisungen. Die Einnahme erstreckt sich meist über eine Woche. Jede chinesische Arznei hat bestimmte Charakteristika. Diese setzen sich aus den Geschmacksrichtungen salzig, sauer, süß, scharf, bitter, neutral, aromatisch, der Leitbahn, auf die sie wirkt, und der Temperatur zusammen.

Qigong und Taiji

Bei Qigong und Taiji handelt es sich um spezielle Bewegungsabläufe, Atem- und Koordinationsübungen, die eine bewusste Verbindung von Bewegung, Atmung und geistiger Vorstellungskraft erzeugen. Sie sollen den Körper reinigen und stärken, das Qi lenken und kultivieren, Ruhe vermitteln, Spannungen und Stauungen lösen und die gesamte Behandlung unterstützen. Bei den Übungen werden Leitbahnen und ihre Reflexpunkte in einer genau festgelegten Reihenfolge gedehnt. Gleichzeitig wird die Atmung gelenkt und auf ganz bestimmte Atemzielpunkte konzentriert, sodass man bestimmte Körperregionen im Bewusstsein verstärkt wahrnimmt. Dadurch kann die Regulation der Organfunktionen durch das Nervensystem, insbesondere im Gehirn und im Rückenmark, verbessert werden.

Tuina

Die Tuina ist eine der ältesten manuellen Therapien. Sie setzt - ähnlich wie die Akupunktur - Reize durch unterschiedliche Massage- und Grifftechniken. Sie wirkt meist intensiver und anhaltender als eine herkömmliche Massage. Bei der Tuina werden häufig verschiedene Techniken wie Kneten, Greifen, Streichen und Klopfen miteinander kombiniert, um Energieblockaden zu lösen sowie die Lebensenergie Qi und die Blutzirkulation anzuregen. Darüber hinaus werden auch Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke in die Tuina eingeschlossen. Die Behandlung eignet sich für Patienten jeden Alters und dauert je nach Größe des Körperteils 15 bis 30 Minuten. Wird der gesamte Körper behandelt, kann sie auch eine Stunde dauern.