DIEKIRCH

Lindab ist mit ASTRON weiterhin größter Hersteller von Fertighallen in Europa

Eigentlich ist die Entwicklung der 1963 in Diekirch unter dem Namen Commercial Hydraulics niedergelassenen Firma recht untypisch: Unterschiedliche Produkte und Besitzer, aber während 50 Jahren gleicher Standort. Im Rahmen der industriellen Diversifizierung von Luxemburg Anfang der 1960er Jahre wählte der amerikanische Konzern „Commercial Shearing and Stamping Inc.“ aus Youngstown (Ohio) den jetzigen Standort in Diekirch um eine Fabrik zu bauen, die europäische Fabrikanten von Baumaschinen mit hydraulischen Aggregaten wie Pumpen und Verteile belieferte. Dazu kam etwas später die Produktion von gebogenen Stahlträgern, die im Tunnelbau eingesetzt wurden.

Um den für damalige Verhältnisse modernen Maschinenpark für Stahlbau besser auszulasten wurden ab 1965 unter amerikanischer Lizenz Stahlträger für Fertighallen zusammengeschweißt. Die rasante Entwicklung dieses für Europa neuen Produktes bewirkte die Modernisierung und den Ausbau der Produktionsanlagen. Ab 1973 wurden sämtliche Teile von vorgefertigten Stahlhallen in Diekirch produziert. Etwas später wurden diese auch in Eigenregie unter dem Namen ASTRON vermarktet. Der Verkauf wurde von Vertragsunternehmer in ganz Europa abgewickelt. Diese verkaufen die ASTRON-Hallen und kümmern sich vor Ort um die Montage und die Fertigstellung der Hallen.

Commercial Hydraulics wird Astron

Nach einem Aufschwung durch den Verkauf der hydraulischen Aggregate in den 1970er Jahren entstanden Zulieferwerke unter dem Namen „Eurocast“ in Grevenmacher und in Lamadelaine. Mit der Übernahme des Unternehmens „Sachsenhydraulik“ in der früheren DDR wurde diese Aktivität 1992 nach Chemnitz (D) ausgelagert. Aus Commercial Hydraulics wurde Astron und in dem inzwischen weiter modernisierten Werk in Diekirch wurden ausschließlich Elemente von Stahlhallen produziert. Ein eigenes Computerprogramm zur Berechnung der Hallen nach dem Wunsch der Kunden wurde entwickelt. Ein großer Vorteil des Astron Systems war und ist die schnelle Lieferzeit, oft weniger als 6 Wochen, für eine Standardhalle. Besonders nach der Wende 1989/1990, als ein großer Nachholbedarf für moderne Stahlhallen in den früheren Ostblockländern bestand, sorgten diese Vorteile für einen ungeahnten Aufschwung. Astron entwickelte sich zum größten Hersteller von vorgefertigten Stahlhallen in Europa. Ein Zweigwerk in Tschechien sowie Verkaufsbüros in mehreren Ländern wurden notwendig, um die wachsende Kundschaft zu bedienen.

Heute Lindab

Im Rahmen der Globalisierung wurde der Commercial-Konzern, der hauptsächlich im Hydrauliksektor tätig war, an einen Konkurrenten verkauft. Dieser suchte für den weiter erfolgreichen Stahlhallenbau einen Abnehmer vom Fach. Schließlich ging die Astron-Aktivität 2005 an das schwedische Unternehmen Lindab. Deren Hauptaktivität ist die Produktion von Ventilationssystemen. Wegen der inzwischen großen Nachfrage für Stahlhallen in Russland beschloss Lindab den Bau eines zusätzlichen Werkes im russischen Yaroslavl. Mit der Rezession wurden die Aufträge in den westeuropäischen Ländern rückläufig. Dies bedingte die teilweise Schließung des Werkes in Tschechien. Dadurch konnte der Standort Diekirch, wo sich weiterhin der Hauptsitz der Firma befindet, gesichert werden. Hauptanliegen der Unternehmensleitung sind die weitere Modernisierung der Produktionsanlagen und die Entwicklung neuer Produkte.

So konnte unter anderem vor kurzem eine vollautomatisierte Roboter-Schweißanlage für komplexe Stahlträger in Betrieb genommen werden. Inzwischen wurden über 50. 000 Astron Stahlhallen mit einer Gesamtfläche von 50.000 000 qm produziert. Mit 250 Angestellten ist die heutige Lindab S.A weiterhin einer der größten privaten Arbeitgeber in der Nordstad, dies seit nunmehr 50 Jahren. lj