LUXEMBURG
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Viele Millionen Einwegmasken werden ab dem kommenden 25. Mai an Bevölkerung und Grenzgänger verteilt - Eine logistische Herausforderung

In der Woche nach Ostern war es zu einer ersten flächendeckenden Auslieferung von Atemschutzmasken gekommen. Mithilfe des CGDIS wurden damals um die 3,6 Millionen Exemplare an die 102 Gemeinden ausgeliefert, die alle Hände voll zu tun hatten, sie zu verpacken und den Haushalten in den Briefkasten zu werfen. Auch waren mit Blick auf die erste Lockerung der Covid-19-Einschränkungen ab dem 20. April mehrere Millionen Masken an die Unternehmen im Land verteilt worden.

Masken für 726.000 Personen

Nachdem es noch vergangene Woche von der Gesundheitsministerin geheißen hatte, es sei keine weitere solche Aktion vorgesehen, trat sie am Montag gemeinsam mit dem Premierminister vor die Öffentlichkeit, wobei neben einer neuen Phase der Lockerung der Beschränkungen vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie auch die Verteilung von 50 weiteren Masken pro Bürger ab 16 ansteht - rund 520.000 Personen. Auch die rund 206.000 Grenzgänger sollten welche erhalten.

Neue Lieferungen von solchem Material würden diese Aktion nunmehr ermöglichen, hieß es zur Erklärung seitens der Regierung. Allerdings wird die logistische Herausforderung ungleich größer sein, um die Masken auch an die Haushalte und Grenzgänger zu bringen. Denn in den kommenden Wochen dürften also summa summarum an die 36,5 Millionen Einwegmasken verteilt werden. Heute wurden Details bekannt, wann und wie das passieren soll. Zum Zeitpunkt: Am 25. Mai soll die Verteilung beginnen. Warum erst dann? Weil die Gemeinden die Herausforderung der Wiedereröffnung der Grundschulen und „maisons relais“ stemmen müssen mit Rücksicht auf die strikten Hygienebestimmungen zur Reduzierung der Covid-19-Ansteckungsgefahr.

Gutscheinsystem

Der 25. Mai für die Maskenverteilung wurde in Gesprächen zwischen dem Innenministerium und dem Städte- und Gemeindeverbund Syvicol festgehalten. Auch soll das Material diesmal nicht frei Haus geliefert werden, sondern auf Vorlage eines Gutscheins, der in nächster Zeit vom Innenministerium an die Haushalte geht, in einem von der Gemeinde bestimmten Lokal abgeholt werden. Die Kommunen werden wiederum vom CGDIS mit den chirurgischen Masken beliefert. „Wie bereits beim ersten Mal werden auch die ,Centres d‘Incendie et de Secours‘ im Land zur Unterstützung der Gemeinden verfügbar sein, unter der Bedingung, dass das keine Auswirkung auf die operationelle Abdeckung hat“, erklärt Cédric Gantzer vom CGDIS.

Zusätzlich zum Management großer Warenvolumen, sei die erste Mission, die Lieferungen für die Kommunen auf Paletten zu bringen und sich mit ihnen abzusprechen, um eine reibungslose Zubringung zu organisieren. Größere Gemeinden würden womöglich in Phasen beliefert, denn auch sie müssen eine fachgerechte Aufbewahrung des Materials gewährleisten können.

Das CGDIS werde sich auf seine Logistikkette für die Lieferung seines Rettungsmaterials in die verschiedenen Regionen des Landes stützen, sagt Gantzer, das habe das erste Mal recht gut geklappt. Das Tragen einer Atemschutzmaske war zu Beginn der Krise nicht empfohlen worden. Das hatte zum einen mit Engpässen bei der Versorgung des Gesundheitspersonals zu tun, zum anderen sind neue Erkenntnisse über das Virus hinzu gekommen. „Aktuell wissen wir aber, dass auch Leute ohne Symptome infiziert sein und andere anstecken können“, schreibt Gesundheitsministerin Paulette Lenert in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Frage von Jeff Engelen und Fernand Kartheiser (adr), „deshalb wird jetzt systematisch die Benutzung von Masken gefordert, wenn man keinen Abstand von zwei Metern einhalten kann“.

Pandemieplan ohne Reservenhöhen

Das Tragen einer chirurgischen Maske - oder eines anderen Mundschutzes - ist eine zusätzliche „Barrieregeste“ gegen eine Ansteckungsgefahr und ist Teil der nationalen „Exit-Strategie“.

Dass die Einwegmasken nun auch im Handel wieder verfügbar sind, habe übrigens mit einer „Wiederherstellung des normalen Marktes“ zu tun, wie Lenert schreibt. Aus der Antwort geht auch hervor, dass verschiedene Akteure ihre eigenen Maskenreserven angelegt hätten - das sei eher komplementär zu den staatlichen Aktionen zu sehen, nicht als Konkurrenz. Interessant ist, dass der nationale Pandemieplan von 2004 - der ergänzt wird durch den Vogelgrippeplan von 2006 und den Ebola-Plan von 2014 - zwar Maskenreserven aufführt. Allerdings wird nicht präzisiert, wie hoch die sein sollen. Da herrscht also Nachbesserungsbedarf.

In der Engpass-Phase von medizinischem Material hatten sich eine Reihe von Initiativen gegründet, um solches herzustellen. So hatten die Pfadfinder etwa die Aktion #BitzDoheem ins Leben gerufen, die allerdings nun zu Ende geht. Wie einer Pressemitteilung zu entnehmen ist, haben 450 Ehrenamtliche rund 35.000 Stoffmasken (davon 3.000 für Kinder) genäht und an 50 Vereinigungen abgegeben.

Mehr zu Virus und Masken: covid19.lu

Weitere Unterstützung für Selbstständige

3.000, 3.500 oder 4.000 Euro, nicht rückzahlungspflichtig

Auf Vorschlag von Mittelstandsminister Lex Delles (DP) hat der Regierungsrat gestern die Einführung einer weiteren Direkthilfe für Selbstständige vor dem Hintergrund der Covid-19-Krise beschlossen. Es handelt sich um eine einmalige und nicht rückzahlungspflichtige Unterstützung, die 3.000, 3.500 oder 4.000 Euro beträgt, abhängig vom versteuerbaren Einkommen - was eine „gezielte und gerechte Unterstützung erlaubt“, wie der Mittelstandsminister in einer Pressemitteilung zitiert wird. Die neue Hilfe gesellt sich zur am 8. April beschlossenen Nothilfe von 2.500 Euro für Selbstständige, die weniger als zehn Personen beschäftigen. Während weiterhin die Bedingung eines beruflichen Einkommens von weniger als zweieinhalb Mal den Mindestlohn gilt, wird der Perimeter der Nutznießer allerdings auf die bisher ausgeschlossenen Versicherungsagenten und -makler ausgeweitet. Außerdem ist die Hilfe unabhängig von der Beschäftigtenzahl. Das Antragsformular sei ab kommenden Dienstag, 12. Mai, auf dem Portal guichet.lu zu finden. Die Direktion Mittelstand im Wirtschaftsministerium liefert in der gleichen Mitteilung auch eine Reihe von Zahlen zu den bestehenden Hilfen. So seien bislang insgesamt 31,87 Millionen Euro an Kleinstbetriebe und Selbstständige ausgeschüttet worden. Davon 28,8 Millionen Euro im Rahmen der nicht rückzahlungspflichtigen Direkthilfe von 5.000 Euro für Unternehmen mit neun oder weniger Angestellten, die aufgrund der Notstandsmaßnahmen vom 18. März ihre Aktivitäten einstellen mussten. 1.230 Anträge auf die Hilfe für Selbstständige wurden bislang genehmigt - für 3,07 Millionen Euro insgesamt.