BASCHARAGECORDELIA CHATON

Fallprotec aus Bascharage exportiert Absturzsicherungen in über 70 Länder

Als Francis Timmermans 2004 zusammen mit Jan-Erik Grothe das Unternehmen Fallprotec gründete, war er bereits 50 Jahre alt. Elf Jahre später ist aus dem Zwei-Mann-Unternehmen ein Spezialist mit Filialen in Barcelona, Köln, Miami und Shanghai geworden, der sein Sicherungsmaterial auf allen fünf Kontinenten verkauft und mit über hundert zugelassenen Fachhändlern und Installateuren zusammen arbeitet. Seit zwei Monaten hat Fallprotec eine Neuheit auf den Markt gebracht, die jetzt schon sehr gefragt ist. Timmermans erklärt, wie er den Schritt vom Start-up zur Erfolgsgeschichte geschafft hat.

Herr Timmermans, Sie haben erst mit 50 Jahren Ihr Unternehmen gegründet. Ist das leichter?

Francis Timmermans Man muss immer den ersten Kunden finden, das ist das schwierigste. Anfangs wollten wir - ich habe das Unternehmen zusammen mit Jan Erik Grothe gegründet - anders sein als andere Unternehmen. Wir hatten deshalb Systeme entwickelt, die sich bei einem Sturz nicht deformieren. Dann haben wir an einer Ausschreibung der spanischen Zugbetreiberfirma Renfe teilgenommen, die eine spezielle Absturzsicherung wollte. Sie wollten sichergehen, dass das System abbremst, bevor jemand den Boden berührt. Das war unser erster Kunde. Aber ich denke, Unternehmer sein ist nicht nur eine Frage des Alters, sondern auch des Wollens. Mit 50 Jahren anzufangen fand ich leichter als mit 30 Jahren.

Ihr Wahrzeichen ist der Gecko - aber was bieten Sie eigentlich an?

Timmermans Der Gecko hat Saugnäpfe an den Pfoten, mit denen er überall hochklettern kann. Deshalb ist er unser Emblem. Wir stellen Absturzsicherungen für Arbeiten in Höhe her. Das reicht von Seilen, Gurten und Haltevorrichtungen bis hin zu Aufzügen. Fassadenreiniger, Windkraftanlagenbetreiber und Industrieserviceunternehmen nutzen unsere Erfindungen. Die Teile werden von Zulieferern - meist in den Nachbarländern - gefertigt und anschließend hier zusammengesetzt. Mir ist es wichtig, dass die Produktentwicklung und Fabrikation räumlich eng zusammen arbeiten.

Wo sitzen Ihre Kunden?

Timmermans 71 Prozent meiner Kunden kommen aus der EU. Jeder Markt in der EU ist anders. Jeder Markt hat seine individuellen Besonderheiten und Anforderungen. Der deutsche Markt ist beispielsweise recht schwierig. Aber wir verkaufen in rund 70 Länder weltweit, regelmäßig exportieren wir in 36 Länder. Heute hatten wir erstmals einen Kunden aus Uruguay, gestern erstmals einen aus Malawi. In Luxemburg haben wir nur einen Kunden. Alle zwei Jahre sind wir auf der A +A, einer Fachmesse in Düsseldorf für Sicherheitstechnik. Da kommen dann neue Kunden hinzu, aber auch über Internet und Telefon. Das Gros kommt aus der Industrie mit rund 70 Prozent, 30 Prozent stammen aus dem Gebäudesektor. In diesem Jahr werden wir mit 18 Mitarbeitern sechs Millionen Euro Umsatz machen. Der steigt kontinuierlich seit Beginn. Unsere neue Erfindung wird dazu beitragen.

Was haben Sie denn erfunden?

Timmermans Das heißt „RopeClimber“. Es ist ein autonomer Ein-Personen-Aufzug, der 240 Kilo transportieren kann. Das reicht für einen Arbeiter und das Material. Die Schwierigkeit lag darin, dass jemand 500 Meter hoch und sofort wieder herunter fahren kann, denn die Energie beim Steigen und Sinken ist unterschiedlich und der Motor schwierig zu kontrollieren. Aber wir haben es geschafft. Er ist erst zwei Monate auf dem Markt und die Kunden rufen uns schon nach einem Tag begeistert an. Weil er mit Batterie funktioniert, fallen lästige und gefährliche Kabel weg. Wir haben ihn bislang nach Belgien, Israel, Kanada, die Niederlande und Indien verkauft. Mit 25 Kilo ist er sehr leicht. Aber es stecken eben vier Jahre Arbeit darin. Zum Glück haben uns die SNCI, die Handelskammer und Luxinnovation unterstützt.

Warum haben Sie Ihren Sitz nie verlegt?

Timmermans Ich wohne seit 1984 hier. Die geographische Situation ist sehr günstig und es ist einfach, mehrsprachiges Personal für den Vertrieb zu finden. Alle Prüfinstanzen wie TÜV, PAV und Veritas sind nah. Zudem ist das Klima unternehmerfreundlich. Da gibt es keinen Grund, umzusiedeln. Hier in Europa sind wir geschützt, da ist alles geprüft und kontrolliert. Das macht auch unseren Ruf am Markt aus.

Wollen Sie an die Börse?

Timmermans Bislang haben wir alles auch alleine finanziert. In den kommenden Jahren planen wir keinen Börsengang. Wir werden eventuell andere Unternehmen zukaufen. Aber die Entwicklung und der Verkauf bleiben auf jeden Fall hier, die Endmontage denke ich auch.

Elf Jahre nach der Gründung sind Sie bald im Rentenalter. Wie geht es weiter?

Timmermans Noch ist es nicht so weit. Aber ich habe mit Jan Erik Grothe einen weitaus jüngeren Partner und zwei meiner fünf Kinder sind auch im Unternehmen. Da ist dann eine gewisse Kontinuität gewährleistet. Noch aber fühle ich mich nicht alt. Aber ich hätte gern mehr Zeit für Sport.