LUXEMBURG
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Düdelingen: Rundtisch-Gespräch zur lokalen Wirtschaftslage

Der Schöffenrat der Gemeinde Düdelingen hat gestern zu einem Runden Tisch am ins Rathaus eingeladen. Seit vielen Jahren versammelt die Gemeinde an einem Runden Tisch Vertreter lokaler und regionaler Unternehmen, der „Fédération des commerçants et artisans“, der ADEM und der Leitung des Lycée Nic Biever. In dieser Runde geht es um die lokale und regionale Wirtschaft.

Arbeitsmarktlage

Ziel dieser Initiative ist es, einen dynamischen Austausch zwischen der politischen Welt und den Akteuren des lokalen Wirtschaftsgefüges zu schaffen und zu unterstützen, wie Bürgermeister betont. Dieses Treffen, das zur Tradition geworden ist, ermögliche es, „eine Bestandsaufnahme der Entwicklung der wirtschaftlichen Situation und des Arbeitsmarktes in der Region vorzunehmen“, sagte Bürgermeister Dan Biancalana, der auch einige Zukunftsprojekte der Stadt vorstellte. So wie der Bereich „Neischmelz“, der sich entsprechend entwickeln werde. Doch auch im Bereich Grünflächen oder sportlichen Infrastrukturen würde sich einiges tun, so der Bürgermeister. Auch das „Haus der Forscher“, das zusammen mit der Universität entsteht, wurde in diesem Zusammenhang erwähnt. „Eine Stätte der Forschung für die Universität, für die Stadt, aber auch die Unternehmen“, sagte Biancalana. Auf dem Feld der Logistik werde sich auch einiges bewegen, „eine neue Rettungswache soll ebenfalls in der Stadt entstehen – große Projekte also. Für Biancalana sei es da natürlich wichtig, die entsprechende Lebensqualität für die Bürger zu gewährleisten.

Was den Arbeitsmarkt anbelange, so würde sich die Gemeinde auch entsprechend einsetzen, um zum Beispiel Langzeitarbeitslose wieder auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren.

Biancalana richtete daher den Aufruf an die Unternehmen, dass sie sich durchaus mit ihren Ideen an die Gemeinde wenden könne, Investitionen, „nicht nur in die Gemeinde selbst“, sondern auch in allen anderen Sparten und Schichten, seien willkommen und würde bei den politisch Verantwortlichen auf offene Ohren treffen.

Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Dan Biancalana gab es Ausführungen von Arbeitsminister Dan Kersch zur Thematik „Arbeitsrecht im Zusammenhang mit der Digitalisierung“, der einleitend diese Art der Zusammenführung von Politik und Wirtschaft im Rahmen eines Rundtisch-Gespräches als „gute Idee“ beschrieb. Kersch ging auf die aktuelle Arbeitswelt ein, die sich im Wandel befinden würde, durchaus zum Wohle und der Gesundheit der Arbeitnehmer.

Flexibilität für beide Seiten

„Flexibilität für die Unternehmen und auch für die Arbeitnehmer“, „Beruf und Privatleben in Einklang bringen“ waren da einige der Schlagworte des Ministers. Ebenso wie die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben, doch dafür brauche man auch entsprechende Kontrollorgane der Gewerbeaufsicht, „damit dies effektiv erfolgen kann.“ Hier sei dann auch entsprechende Ausbildung sowie Fortbildung nötig. Für Kersch ein weiterer wichtiger Punkt ist die Ausbildung, Stichwort: „Digital Skills“, denn Digitalisierung und Automatisierung betreffe heute nahezu alle Branchen und Unternehmen in Luxemburg. Und das führe mit zu den bereits erwähnten grundlegenden Veränderung bei den zu verrichtenden Arbeiten und benötigten Kompetenzen. Das „Luxembourg Digital Skills Bridge“-Programm unterstütze da Unternehmen bei der Schulung und Kompetenzentwicklung ihrer Mitarbeiter sowie bei der Entwicklung einer Strategie zur Bewältigung der digitalen Transformation im Unternehmen.

Anlässlich des Rundtisch-Gespräches folgte ein Überblick über die lokale und regionale Wirtschaftslage sowie den Arbeitsmarkt und die Arbeitslosensituation von Fabio Scolastici, Berater bei der ADEM. 192.766 Grenzgänger werden geführt, 50 Prozent kämen aus Frankreich, 25 Prozent aus Belgien und Deutschland. Von den 421.941 Arbeitnehmern in Luxemburg sind 26 Prozent Luxemburger, 28 Prozent in Luxemburg lebende Ausländer, der Rest seien Grenzgänger, so Scolastici. 44 Prozent der Arbeitnehmer seien 45 Jahre und älter, 20 Prozent jünger als 30 Jahre.

31 Prozent der Arbeitslosen seien länger als 24 Monate ohne Job, 16 Prozent seien zwischen einem und zwei Jahre ohne Arbeit. In Düdelingen seien aktuell 636 Arbeitslose registriert, die Stadt belegt damit Platz fünf im Luxemburger Ranking“, so der ADEM-Mitarbeiter. 50 Prozent dieser Arbeitslosen seien Frauen. 23 Prozent unter 23 Jahren. 58 Prozent dieser Personen seien unter einem Jahr bei der ADEM geführt. 34,6 Prozent sind Luxemburger, 29,9 Prozent haben die portugiesische Nationalität, 8,2 Prozent die französische.

Stadt engagiert sich

So wurde dann auch von der Stadt der „Service local de l’emploi“ vorgestellt, der den Grundgedanken hat, dass auch auf lokalem Niveau gegen die Arbeitslosigkeit vorgegangen werden kann. Der Service empfange und registriere die Leute, immerhin rund 400 pro Jahr. Zusammen mit ihnen ginge man die Sache an und schaue, wie die Eingliederung wieder möglich sei, dies natürlich zusammen mit dem Arbeitsamt oder auch Sozialdiensten vor Ort. Hierzu habe man eine Konvention mit dem Arbeitsministerium geschlossen. Initiativen werden auch im Rahmen der Ausbildung (intern und extern) vorgenommen. So werde versucht, „stages en entreprise“ zu vermitteln, maximal sechs Wochen, in der Regel zwei bis vier. „Mit dem hoffentlich besten Ergebnis einer Anstellung“, so die Verantwortlichen des Service.

Hinter verschlossenen Türen wurde dann über die Anliegen der Anwesenden und ihre Situation weiterdiskutiert.