LUXEMBURG
JACQUELINE KIMMER

„Lëtzebuerger Vëlos-Initiativ“ (LVI) stellte ihre „Vision der Stadt Luxemburg“ vor

Wer wünscht sie sich nicht, ‚die andere Stadt‘, die Stadt, in der die Menschen Vorrang haben, in der das reine Verkehrsdenken einer menschengerechten Gestaltung Platz gemacht hat und hohe Lebensqualität geschaffen wurde?“, fragte Gust Muller, Präsident der „Lëtzebuerger Vëlos-Initiativ“ (LVI) gestern Nachmittag Ecke Boulevard Royal - Avenue Amélie bei der Vorstellung der „Vision“ der LVI von eben dieser „lebens- und liebenswerten Stadt“.

Keine Utopie

Für viele eine Utopie, doch nicht für die LVI, die ihrem Präsidenten zufolge eine Vision für die Stadt Luxemburg entwickelt hat und sie in den kommenden acht Wochen (von Mitte Mai bis Mitte Juli) im Rahmen einer großen Sensibilisierungsaktion mit Fotomontagen auf Schautafeln vorstellt. Aufgestellt werden diese Tafeln, die ein menschenfreundliches Leben in der Hauptstadt zeigen, „an heute unattraktiven und verkehrsreichen Stellen der Hauptstadt“ (siehe Kasten unten rechts).

Die zurzeit viel befahrenen Stadtzonen verwandeln sich auf den Schautafeln und präsentieren eine „neue Dimension des öffentlichen Raums und Lebens“: Die Straße bleibt der alternativen Mobilität vorbehalten, ausreichend Raum für Fußgänger und Radfahrer ist vorhanden, für Kinder bestehen ausreichend Spielmöglichkeiten, viel Platz ist für Ruheareale, Begegnungen und Kommunikation vorbehalten. Nur so, wie Gust Muller weiter unterstrich, „blühen Einzelhandel und Gastronomie auf und architektonisches Kulturerbe kommt voll zur Geltung“.

Eine Stadt für die Menschen

Für die LVI ist es keine Illusion, dass die „Stadt für die Menschen da ist, sie lädt aufgrund ihres besonderen Wohlfühlfaktors zum Verweilen und Genießen ein, und jeder, ob alt oder jung, kann sich frei und sicher bewegen“. Wie Gust Muller hervorhob, greift die LVI „einen Trend auf, der in so manchen Städten bereits erfolgreich verwirklicht wurde oder anderswo in der Realisierungsphase ist“. Mit ihrer Aktion legt die LVI „den Schwerpunkt auf die Stadt, in der man sich ihrer menschlichen Ausrichtung wegen gerne aufhält“. Ferner soll „die Aufmerksamkeit der Stadtbenutzer auf eine neue städtische Lebensqualität“ gelenkt werden. So will die LVI auch für „eine Alternative plädieren, die den öffentlichen Raum umgestaltet, eventuelle Bausünden der Vergangenheit korrigiert, Straßen umwidmet und ein neues, dem Menschen angepasstes, urbanes Ambiente entstehen lässt“.

Für Gust Muller ist die Möglichkeit, ob die Vison der LVI Wirklichkeit wird, „einzig und allein eine Frage des politischen Willens“.

Auch in Luxemburg: Das Rad hat Zukunft

Abschließend wies Gust Muller darauf hin, dass zurzeit zwölf Zählanlagen für Fahrräder auf dem Gebiet der Stadt Luxemburg installiert sind. Eine davon steht an der „al Bréck“: Hier wurden im vergangenen Jahr (2014) über 166.000 Bewegungen von Fahrrädern registriert, an allen zwölf Zählanlagen wurden mehr als 960.000 Bewegungen von Fahrrädern im vergangenen Jahr gezählt. Grosso modo könne man davon ausgehen, dass die Radfahrer heute zwischen drei und fünf Prozent des Verkehrsaufkommens in der Stadt Luxemburg ausmachen würden, wie der LVI-Präsident meinte. Der Stadt Luxemburg zufolge sollen die Radfahrer im Jahr 2020 zehn Prozent des Verkehrsaufkommens darstellen, während das Nachhaltigkeitsministerium für das Jahr 2020 für die so genannte sanfte Mobilität 25 Prozent anstrebt.