OBERHAUSEN
CHRISTIAN SPIELMANN

Musical „Bat Out of Hell“ in der deutschen Fassung in Oberhausen

Komponist Jim Steinman hatte einst die Idee, ein „Rock’n‘ Roll-Update“ von J. M. Barries „Peter Pan“ zu komponieren und es als Musical „Neverland“ auf die Bühne zu bringen. Die Erben von Barrie fanden die Idee nicht gut und lehnten ab. Die Lieder sang schließlich Meat Loaf, und sie erschienen 1977 auf dem Album „Bat Out of Hell“, dem noch zwei weitere folgten: „Back into Hell“ (1993), mit dem Hitsong „I’d Do Anything for Love (But I Won’t Do That)“, und „The Monster is Loose“ (2006). Es sollte aber bis 2017 dauern, bevor das Musical unter dem Titel „Bat Out of Hell“ in Manchester uraufgeführt wurde. Nun hat es den Weg ins Stage Metronom Theater in Oberhausen gefunden, wo es fast integral auf Deutsch gesungen wird. Frank Ramond übersetzte die Liedtexte und Roland Schimmelpfennig das Buch.

Es sieht aus wie „Starmania“

Es scheint, als hätte sich Steinman sehr stark am französischen Kult-Musical „Starmania“ (Musik: Michel Berger) inspiriert. Während in der futuristischen Stadt Monopolis Diktator Zéro Janvier regiert, herrscht hier Falco (Alex Melcher) über Obsidian. Gegen Zéro rebellierten die „Étoiles Noires“, und Falcos Gegner sind die „The Lost“ - eine Anspielung auf die „Lost Boys“ aus „Peter Pan“ -, unter anderem Tink (Tom van der Veen) - wie die Fee Tinkerbell -, Zahara (Aisata Blackman), Jagwire (Luca Maus), Ledoux (Michael Moore) und Blake (Lorenzo di Girolamo). Ihr Anführer Strat (Robin Reitsma) verliebt sich in Raven (Maureen Mac Gillavry), die Tochter von Falco und seiner Frau Sloane (Franziska Schuster).

Falco mag diese Beziehung gar nicht, und seinen Soldaten gelingt es, einen Teil der „The Lost“ zu fangen und einzusperren. Sie werden durch Sloane befreit, die nicht mit dem Terror ihres Mannes einverstanden ist. Strat wird während einer Verfolgung schwer verletzt, überlebt aber dank Zaharas Pflege. Am Ende der Show stößt Sloane Falco in ein Wasserbecken am Rand der Bühne. Geläutert taucht er wieder auf, als wäre er von Johannes dem Täufer im Jordan von seinen brutalen Folterungen und Tinks Tod reingewaschen worden. Zu „I’d Do Anything For Love“, das in Englisch angesungen und dann zu „Ich würd‘ aus Liebe alles tun“ wird, siegt die Liebe über den Unverstand. Strat und Raven, Jagwire und Zahara, wie auch Sloane und Falco finden (wieder) zusammen.

Die DNA der Jugendlichen blieb während eines chemischen Kriegs stehen! Die meisten waren zu dem Zeitpunkt um die achtzehn Jahre alt, und sie werden nie älter werden. Außerdem zerstörten Erdbeben die Stadt. Warum Falco den „The Lost“ den Garaus machen will, ist nicht wirklich ersichtlich. Absolut daneben muss man die Szene bezeichnen, in der Zahara Raven Blut abnimmt, um es Strat zu verabreichen. Blutgruppen scheint es in Obsidian nicht zu geben. Eigentlich muss man sich fragen, was in den Köpfen der Macher vorging, solch eine schwachsinnige Geschichte zu präsentieren.

Musik und Truppe überzeugen

Die Liedtexte wurden recht gut übersetzt, wobei ein paar Lieder teils in Englisch gesungen werden. So sind es einzig die Musik und die Truppe, die überzeugen können. Alex Melcher singt in überragender Manier den Diktator. Seine besten Momente sind das sadistische „Im Schweineland ist der Metzger der King“, „Wo tut mir der Schmerz am meisten weh“ und im Duett mit Franziska Schuster „Paradise by the Dashboard Light“. Robin Reitsma spielt und singt einen Energie-geladenen Strat, dessen Höhepunkte „Bat Out of Hell“ und im Duett mit Maureen Mac Gillavry „Aus dem Nichts hast du Liebe gemacht“ sind. Weil Steinman auch die Lieder zu „Tanz der Vampire“ komponiert hat, kommt das Lied „Im Rückspiegel erscheinen die Dinge oft sehr viel größer als sie sind“ bekannt vor, weil es Graf Krolock als „Unstillbare Gier“ singt. Im Original heißt der Song „Objects in the Rear View Mirror May Appear Closer Than They Are“ und gehört zu den besten Momenten des Musicals.

Die Show in Oberhausen ist eine 1:1 Kopie der Londoner Fassung. Wer sich allein auf die Musik und die tollen Stimmen einlassen will, wie auch auf die Choreografien von Emma Portner, der wird seinen Stuhl nicht vorzeitig verlassen.