WILTZ/LUXEMBURG
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Wiltz gedenkt den Opfern des Generalstreiks von 1942

Gestern waren es 78 Jahre her, dass Arbeiter und Angestellte in Wiltz und im Minett ein Zeichen gegen die Nazi-Herrschaft setzten. Am Morgen des 31. August 1942 weigerten sich hunderte Arbeiter der Lederwarenfabrik „Ideal“ in Wiltz, ihren Dienst anzutreten. Sie organisierten sogar einen Protestmarsch, dem sich auch Angstellte, Lehrer und Gemeindebeamte aus Wiltz anschlossen. Der Marsch wurde von den Besatzern brutal zertstreut. Am Nachmittag legten auch Arbeiter der Schifflinger Hütte die Arbeit nieder.

Auslöser war die Proklamation von Nazi-Gauleiter Gustav Simon am Vortag, alle jungen Männer der Jahrgänge 1920 bis 1924 in die Wehrmacht einzugliedern. Bereits am 9. August 1942 hatte Hitler Befehl erteilt, die jungen Leute aus Luxemburg, Lothringen und dem Elsass zwangszurekrutieren.

Widerstandsorganisationen hatten schnell Wind davon bekommen und die Bevölkerung ermutigt, sich dagegen zu stemmen. Der Mut der Luxemburger beeindruckte die Welt: 260 Zeitungen aus 53 Ländern berichteten damals über die, die es wagten, der Nazi-Herrschaft die Stirn zu bieten.

21 bezahlten ihren Akt des Widerstands mit dem Leben

Aber für 21 Männer endete der Akt des Widerstands am 31. August 1942 mit dem Tod.Die Nazis nahmen fürchterliche Rache an den Protestierenden und zum Teil auch an ihren Familien.

10.211 junge Männer aus Luxemburg wurden in die Wehrmacht einberufen. Rund 3.500 gelang es, sich der Einberufung zu entziehen. 2.000 von ihnen rettete die große Solidarität in der Bevölkerung das Leben. Trotz des hohen Risikos brutaler Konsequenzen versteckten viele Familien die jungen Leute unter ihrem Dach.

2.848 Zwangsrekrutierte aus Luxemburg kamen an den verschiedenen Fronten ums Leben. Manche gelten bis heute als vermisst. Auch 3.614 Mädchen mussten für das Dritte Reich Kriegsdienst leisten, 56 sahen ihre Heimat nie wieder.

Um den Opfern der unbarmherzigen Nazi-Diktatur zu gedenken versammeln sich jedes Jahr die politisch Verantwortlichen und viele Bürger an den Mahnmalen für den Generalstreik von 1942. In diesem Jahr geschah das unter den Corona-Einschränkungen, wegen denen die Stadt Wiltz die Zeremonie denn auch per Livestream übertrug. 

Die Pandemie prägte denn auch sämtliche Reden. Der Wiltzer Bürgermeister Frank Arndt hob so hervor, dass die Seuche gezeigt habe, wie fragil der Zusammenhalt in der Europäischen Union sei. Auch Guy Dockendorf, Präsident des „Comité pour la Mémoire de la Deuxième Guerre Mondiale“, Minister Marc Hansen und Parlamentspräsident Fernand Etgen mahnten mehr Solidarität angesichts der sanitären Krise an, aber auch im Hinblick auf den Kampf gegen Populismus, Rechtsextremismus und Rassismus, die ihre hässlichen Fratzen in letzter Zeit immer öfter zeigen. Immer wider müsse man die Werte hochhalten, für die die andere vor uns gekämpft haben. „Die Opfer unserer Vorfahren müssen immer in unserer Erinnerung bleiben“, sagte Parlamentspräsident Fernand Etgen, der der „cité martyre“ Wiltz eine „beispielhafte Gedenkkultur“ attestierte.