ESCH/ALZETTE
MARCO MENG

Investify - Die erste digitale Vermögensverwaltung

Christian Friedrich und Tobias Haustein, die eine Softwarefirma gründeten, sowie Sebastian Hasenack und Christian Kratz, die aus der Finanzbranche kommen, stellten sich die Frage, wie man die Vermögensverwaltung besser nach den Wünschen des Kunden ausrichten kann. So gründeten sie am Technoport in Esch Investify, das erste Fintech-Unternehmen in Luxemburg, das vollständig digitale Vermögensverwaltung anbietet. Sie wollten nicht einfach nur ein Produkt vertreiben, sondern dem Kunden einen echten Mehrwert bieten. Mitgründer Sebastian Hasenack erklärt dem „Journal“, wie das Unternehmen arbeitet.

Wie kam es zu Investify?

Sebastian Hasenack Wir haben das Unternehmen Ende 2015 gegründet. Investify ist der Zusammenschluss von zwei Gesellschaften, der Rhein Asset Management S.A., ein in Wasserbillig ansässiger Vermögensverwalter für vermögende Privatkunden, sowie dem Softwareunternehmen aixigo AG Aachen. Aixigo entwickelt Software für Banken, und mit der Gründung von Investify wurden praktisch die beiden Welten Finanzen und Technologie zusammengebracht zu einem echten Fintech-Unternehmen. Was Finanz-Know-How und was Technologie-Know-How anbetrifft, sind wir also gut aufgestellt. Der Standort Luxemburg war für uns auch deshalb interessant, weil er der Fondsstandort Europas ist, zudem kam uns zugute, dass hier das Thema Technologie großgeschrieben wird.

Die Gründung eines digitalen Vermögensverwalters klappte also problemlos?

Hasenack Als wir Anfang 2016 für das neue Unternehmen bei der Finanzaufsicht CSSF die Lizenz als Vermögensverwalter beantragten, mussten wir schon einige Hürden nehmen, weil wir wirklich alles digital machen. Und weil unsere Leistung tatsächlich vollständig digital ist, gab es natürlich viele viele Themen, die wir mit der Aufsichtsbehörde durchgegangen sind. Wenn man etwas Neues macht, gibt es eben immer auch neue Fragen, die beantwortet werden müssen, das ist aber normal. Wir sind zwar ein digitaler Vermögensverwalter, haben deswegen aber keinerlei Sonderrolle, sondern müssen genauso allen Regularien entsprechen wie alle anderen Vermögensverwalter auch.

Was genau bedeutet in diesem Fall digital?

Hasenack Kunden können praktisch von der Couch zuhause aus bei unserer Partnerbank online ein Konto eröffnen und mit uns den Vertrag schließen, alles entweder über unsere Webseite oder über unsere App.

Welche Partnerbank ist das?

Hasenack Wir sind offen aufgestellt und werden deswegen auch weitere Partnerbanken anschließen. Unsere „Pilotbank“ ist die Baader Bank in München, derzeit sind wir aber auch mit luxemburgischen Banken im Gespräch, mit denen wir ebenfalls zusammenarbeiten möchten.

Für den Kunden funktioniert das so, dass wir beispielsweise im Namen des Kunden bei unserer Partnerbank ein Konto eröffnen und mit dem Kunden einen Vermögensverwaltungs-Vertrag abschließen, den wir dann mit einer Transaktionsvollmacht im Rahmen dessen, was uns der Kunde als Auftrag mitgegeben hat, umsetzen. Das ist eine weitere Besonderheit, die wir anbieten, denn bei uns kann der Kunde Themen wählen und uns damit vorgeben, wie wir für ihn investieren sollen.

Wie sieht das konkret aus?

Hasenack Es gibt da zum einen die sogenannte Basis-Anlage, die zum Risikoprofil des Kunden passt, und zusätzlich kann - muss aber nicht - der Kunde wie gesagt individuell Themen wählen, die er auch beliebig oft ändern kann. Unsere Aufgabe ist zu kalkulieren, wie die beste Allokation für den Kunden aussieht: Wie viel Basisanlage und wie viel in welche Themen, was wir auch ständig überwachen und entsprechend bei Marktänderungen kalibrieren. Dabei arbeiten wir mit einem Risikomanagement-Tool von Blackrock namens „Aladdin“, eine absolute Profisoftware, mit der wir eine Risikoverwaltung individuell für den jeweiligen Kunden implementieren.

Wie wird die Basisanlage investiert?

Hasenack Die Basisanlage besteht vor allem aus passiven ETFs (börsengehandelte Investmentfonds, d.R.), während wir den aktiven Ansatz durch Aladdin adaptieren. Bei der Allokation, der Auswahl, in was investiert wird, kooperieren wir mit Morningstar, auf deren Datenbank wir zugreifen können, um für den Kunden das Optimum auszuwählen. Dabei ist unser Grundsatz, dass die Kundenwünsche im Vordergrund stehen und wir uns bei der Investition danach richten, was er gut und was er nicht gut findet, seien es zum Beispiel Gold oder US-Aktien. Er kann uns die Richtung vorgeben, wenn er möchte, und wir digitalisieren diese Art der Vermögensverwaltung, was zur Folge hat, dass unsere Kunden nicht eine Million Euro Anlagevermögen haben müssen, sondern ab 5.000 Euro schon diese Leistungen in Anspruch nehmen können. Die Digitalisierung ermöglicht es, dass wir eine sehr professionelle Dienstleistung zu günstigen Kosten, also für jedermann, anbieten können.

Ihre Kunden kommen zumeist aus Deutschland?

Hasenack Ja, Deutschland ist ein großer Markt, aber wir haben auch schon einen Kunden aus Luxemburg und hoffen natürlich, noch mehr luxemburgische Kunden zu gewinnen, für die wir als Vermögensverwalter tätig sein können.

Was sind die nächsten Schritte?

Hasenack Wir haben eine hohe Nachfrage und planen die Eröffnung von Büros in Österreich und Deutschland. Zudem sprechen wir auch mit Banken, um deren Digitalisierung zu unterstützen und unsere Dienstleistung zur Verfügung zu stellen.

www.investify.com