LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Ab September: Bis zu 50 Plätze für eine intensive sozialpädagogische Betreuung von gewaltauffälligen Kindern

Bis zum Herbst sollen mehrere außerschulische Zentren für eine intensive sozio-edukative Betreuung von Kindern entstehen, die aufgrund von Verhaltensproblemen, wie Gewaltbereitschaft, nicht mehr am regulären Unterricht teilnehmen können. Zu diesem Zweck hat das Bildungsministerium vor den Osterferien den Kontakt mit „aide à l‘enfance“-Dienstleistern wie Caritas und „Croix-Rouge“ gesucht. Ziel ist es, ab September dezentrale Einrichtungen mit Platz für bis zu 50 Kinder mit schwerwiegenden Verhaltensauffälligkeiten. „Die Schule tut diesen Kindern nicht mehr unbedingt gut und die Kindern tun der Schule auch nicht mehr unbedingt gut“, sagte Bildungsminister Meisch gestern auf einer Pressekonferenz. Aufgabe der beauftragten Organisationen wird es sein, an die persönliche Situation des Kindes angepasste Konzepte zu entwickeln, die zur Stabilisierung ihrer Situation beitragen. Mit dem Ziel, dass die Kinder zu einem bestimmten Moment wieder in ihre Schule zurückkehren können. „Das Ziel muss immer sein, das Kind zurück in die Schule zu bekommen“, betonte Meisch auf Nachfrage. Diesen Übergang und die damit verbundene Einbindung der Schule soll das nationale Kompetenzzentrum begleiten - etwas, was bislang vernachlässigt worden sei.

Viertes psychotherapeutisches Zentrum

Im Herbst soll ebenfalls ein viertes psychotherapeutisches Zentrum in Wahlhausen (Park Hosingen) im Norden des Landes öffnen. Die drei bestehenden Einrichtungen sind nach Aussagen des Ministers ausgelastet. Das Thema Verhaltensauffälligkeiten hatte vor Ostern durch einen Facebook-Post einer Direktionsbeauftragten einer „Maison Relais“ hohe Wellen geschlagen. Meisch wiederholte gestern eine frühere Aussage, dass er nicht der Meinung sei, dass es heute „viel mehr“ Fälle gebe von Kindern, die ein derart problematisches Verhalten an den Tag legen, dass dadurch der Unterricht nicht mehr möglich sei. Allerdings würde ein problematisches Verhalten früher auftreten und die „Qualität“ der Auffälligkeiten sei „eine andere“ - sprich problematischer. Zudem müsse man von Fall zu Fall analysieren und auch differenzieren, etwa zwischen Raufereien auf dem Schulhof und einer Gewaltbereitschaft, die nichts mehr mit einer normalen Entwicklung zu tun habe. Meisch warnte vor einer „Überdramatisierung“.

Um den Lehrern unter die Arme zu greifen, will die Regierung deutlich in die Betreuung von Kindern mit spezifischen Bedürfnissen investieren. Insgesamt sollen rund 400 Posten auf Ebene der Schulen, auf regionaler und auf nationaler Ebene entstehen. Von 150 spezialisierten Lehrkräften, die über den Zeitraum von vier Jahren rekrutiert werden, wurden bislang 59 eingestellt, die nach Aussagen des Ressortministers einen positiven Eindruck in den Schulen hinterlassen haben. Aufgabe dieser I-EBS abgekürzten Fachkräfte ist es, in der Grundschule sowohl die Lehrer wie auch die betroffenen Kinder zu unterstützen. Auf regionaler Ebene können die „équipes de soutien aux élèves à besoins éducatifs particuliers ou spécifiques“ (ESEB) den Lehrern beratend zur Seite stehen und sich auch um stundenweise um Schüler kümmern. Von den insgesamt acht Kompetenzzentren (insgesamt 127,5 Posten) wird sich das „Centre de compétences pour le développement socio-émotionnel“ (CC-SE) mit Themen wie Angststörungen, Verhaltensstörungen oder emotionale Störungen befassen.