LUXEMBURG
CB

Ab September sollen bis zu 50 Plätze für eine intensive sozialpädagogische Betreuung von gewaltauffälligen Kindern entstehen

Bis zum Herbst sollen mehrere außerschulische Zentren für eine intensive sozio-edukative Betreuung von Kindern entstehen. Vor den Osterferien hat das Bildungsministerium zu diesem Zweck Kontakt mit „aide à l‘enfance“-Dienstleistern wie Caritas und Croix-Rouge aufgenommen. Ziel ist es, im September dezentrale Einrichtungen mit Platz für bis zu 50 Kinder zu schaffen, die ein derart problematisches Verhalten an den Tag legen, dass sie nicht mehr am normalen Unterricht teilnehmen können. „Die Schule tut diesen Kindern nicht mehr unbedingt gut und die Kindern tun der Schule nicht mehr unbedingt gut“, sagte Bildungsminister Claude Meisch heute auf einer Pressekonferenz. Aufgabe der beauftragten Organisationen wird es sein, an die persönliche Situation des Kindes angepasste Konzepte zu entwickeln, die zur Stabilisierung ihrer Situation beitragen. Mit dem Ziel, dass die Kinder zu einem bestimmten Moment wieder in ihre Schule zurückkehren können. „Das Ziel muss immer sein, das Kind zurück in die Schule zu bekommen“, betonte Meisch.

Insgesamt will die Regierung durch die Schaffung von etwas mehr als 400 Posten dafür sorgen, dass Kinder mit besonderen Bedürfnissen oder Verhaltensauffälligkeiten am normalen Unterricht teilnehmen können, etwa durch die Rekrutierung von 150 spezialisierten Lehrkräften in der Grundschule, die Verstärkung der regionalen „équipes de soutien aux élèves à besoins éducatifs particuliers ou spécifiques“ (ESEB) oder die acht Kompetenzzentren, die auf nationaler Ebene entstehen werden.

Viertes psychotherapeutisches Zentrum im Norden

Im Herbst soll darüber hinaus auch ein viertes psychotherapeutisches Zentrum in Wahlhausen (Park Hosingen) im Norden des Landes öffnen. Drei solcher Einrichtungen für Kinder mit psychischen Leiden gibt es bereits: das „Centre psychothérapeutique Andalê des Maisons d‘enfants del‘Etat“, das „Kannerhaus Jean de la Croix-Rouge“ und das „Kannerschlass“ der gleichnamigen Stiftung. Alle drei Einrichtungen sind nach Aussagen des Ministers ausgelastet.

Das Thema Verhaltensauffälligkeiten hatte vor Ostern durch einen Facebook-Post einer Direktionsbeauftragten einer „Maison Relais“ hohe Wellen geschlagen. Meisch sagte gestern, dass er nicht der Meinung sei, dass es heute „viel mehr“ Fälle gebe von Kindern, die ein derart problematisches Verhalten an den Tag legen, dass dadurch der Unterricht nicht mehr möglich sei. Allerdings würde ein problematisches Verhalten früher auftreten und die „Qualität“ der Auffälligkeiten sei „eine andere“ - sprich problematischer. Zudem müsse man von Fall zu Fall analysieren und auch differenzieren, etwa zwischen einfachen Raufereien auf dem Schulhof und einer Gewaltbereitschaft, die nichts mehr mit einer normalen Entwicklung zu tun habe. Meisch warnte vor einer „Überdramatisierung“.