DORTMUND
JEFF KARIER

„Football Manager 19“ bietet das fast perfekte virtuelle Fußball-Vergnügen

Lattek, Hitzfeld, Klopp: Als Trainer von Borussia Dortmund tritt man in große Fußstapfen. Fußballmanager wie der aus dem Hause Sports Interactive ermöglichen es einem die Geschicke eines solchen Fußballvereins zu lenken und selber zu einer solchen Legende zu werden. Der „Football Manager 19“ bietet dabei eine Tiefe, die fachkundige Fußballfans entzücken dürfte, jedoch im ersten Moment etwas überwältigend wirken . Aber erstmal alles von Anfang.

In den Startlöchern

Es ist Anfang Juli und wir stehen am Beginn unserer Karriere als Trainer von Dortmund. Nach einigen einführenden Worten von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und unseres Co-Trainers Manfred Stefes, machen wir uns mit unserem Kader vertraut und stellen uns den Spieler vor. Es folgt die erste Pressekonferenz, auf der wir nach unserem ersten Eindruck gefragt werden, was unsere Ziele sind und ob wir den Kader verstärken wollen. Als Trainer, der noch ein unbeschriebenes Blatt ist, versuchen wir ruhig aber bestimmt aufzutreten. Großkotzig den Titel zu versprechen würde an dieser Stelle nichts bringen, auch wenn wir insgeheim darauf hoffen.

Nach den ersten Testspielen, in denen wir unsere grundlegende Spielweise und Taktik ausprobiert haben, erhalten wir plötzlich ein Angebot vom FC Bayern München. Dieser möchte sich die Dienste von Julian Weigl sichern. Er wäre bereit rund 25 Millionen für den jungen Mittelfeldspieler zu zahlen. Wir lehnen ab. Es kommt nicht in Frage einen Nachwuchsspieler seiner Qualität an den direkten Konkurrenten abzugeben. Weigl reagiert jedoch recht ungehalten, will unbedingt wechseln, was wir ihm nach etwas hin und her verbieten. Nach einigen Tage beginnen einige der anderen Spieler sich bei mir zu beschweren. Sie empfinden unseren Umgang mit Weigl als ungerecht und machen sich Sorgen über ihre eigene Zukunft. Das ist schnell eskaliert. Es bleibt uns nichts andere übrig, als Weigl doch zu verkaufen.

Das Geld investieren wir direkt in neue Jugendspieler, von denen einige direkt verliehen werden, um Spielpraxis zu erhalten. Mittlerweile hat sich das Team wieder beruhigt und der Saisonstart rückt näher. Allerdings sind einig Spieler verletzt oder noch angeschlagen, weshalb wir nicht in Bestbesetzung in die Saison starten.

Das Auftaktspiel gewinne wir zwar 2:0, es folgen jedoch mehrere Unentschieden, sodass wir uns am sechsten Spieltag auf dem fünften Platz wiederfinden. Im Pokal und in der Champions League läuft es hingegen sehr gut. Sogar ein Sieg gegen Manchester United konnten wir einfahren. Gegen Ende der Hinrunde klettern wir wieder bis auf den zweiten Platz und es zeichnet sich ein Titelkampf zwischen den Bayern, Leipzig und uns ab.

Mit Elan in die Rückrunde

In der Winterpause trennen wir uns von Jeremy Toljan und holen dafür vom HSV, der diese Saison erstmals in der zweiten Bundesliga spielt, den talentierten Außenverteidiger Josha Vagnoman. Außerdem ziehen wir die Kaufoption für den von uns ausgeliehenen Paco Alcácer.

Der Start in die Rückrunde gelingt. Wir erobern die Tabellenspitze, marschieren weiter durch den Pokal und in der Champions League dominieren wir sogar ManCity. Im Viertelfinale treffen wir dann jedoch wieder auf United und scheiden aus. Egal, denn der Bundesligatitel ist möglich. Doch dann verletzen sich Reus, etwas später auch Sancho und Witsel. Wir fahren zwei unglückliche Niederlagen ein und spielen gegen Freiburg 1:1. Zwar schwächeln auch die Bayern, aber Leipzig spielt stark und behaupten sich bis zum Saisonende Platz eins. Wir werden dritter. Der Titeltraum ist ausgeträumt.

Allerdings stehen wir im Pokalfinale, spielen gegen Freiburg und gewinnen auch klar. In seiner ersten Saison einen Titel zu gewinnen ist tolle, jedoch wäre mehr drin gewesen. Für die kommende Saison haben wir ein Transferbudget von 82 Millionen und haben bereits einige Spieler im Auge. Nur müssten wir uns von einigen älteren Spielern wie Kagawa und Schmelzer trennen, das, wie wir später herausfinden, nicht so einfach ist.

Kleine Abstriche

„Football Manager 19“ ist wahrhaftig der Traum eines jeden Sofa-Trainers. Die Möglichkeiten bei Taktik und Anweisungen an einzelne Spieler sowie das Festlegen von Spielplänen und vieles mehr ist beeindruckend. Auch wenn es einiges an Einarbeitungszeit braucht, ist es ein tolles Gefühl, wenn man die passende Taktik für den eigentlich stärkeren Gegner findet und siegt.

Eine der wenigen Schwächen ist die Präsentation der Spiele. Denn die 3D-Grafik wirkt recht altbacken und hätte doch etwas schöner ausfallen können. Es ist zwar toll, dass dieses Jahr erstmal die Lizenz für die 1. und 2. Bundesliga enthalten ist. Jedoch fehlen alle Ligen darunter. Hier kann man jedoch mit Mods etwa über „Steam Workshop“ nachhelfen, was man auch definitiv tun sollte. Sonst ist etwa die zweite Mannschaft nutzlos, da ein Spielplan fehlt.

Wer also auf der Suche nach einem guten Fußballmanager ist, kann hier bedenkenlos zugreifen. Wen die Komplexität jedoch abschreckt, sollte einen Blick auf die abgespeckten Version „Football Manager 19 Touch“ werfen.