LUXEMBURG
PIERRE MATGEN

Außergewöhnliche Fresken

Während der archäologischen Ausgrabungen einer römischen Villa, unter Anleitung des „Centre national de recherche archéologique“ (CNRA) im Flurstück „auf der Schlammgraecht“ in Schieren, wurde kürzlich ein ehemals beheizter Raum im Zentrum des Hauptgebäudes mit figürlichen Wandmalereien und mit Stuckornamenten mit Pflanzenmotiven freigelegt.

Die Bergung der Wanddekore erfolgt durch Spezialisten des „Centre d’Etude des Peintures Murales Romaines“ aus Soissons (F). Deren Vertreterin Sabine Groetembril sprach, ob des guten Zustandes der Fresken, von „außergewöhnlichen Funden“ aus der Römerzeit. Am Dienstag informierte sich Kulturministerin Maggy Nagel über den aktuellen Stand der Ausgrabungen.

In den CNRA-Werkstätten sollen die Fresken rekonstruiert werden

Nach einer Einführung über den Stand der Ausgrabungen durch Archäologin Véronique Biver besuchte die Ministerin die Fundstelle. In Kleinstarbeit werden die Fresken jetzt freigelegt. Zu erkennen sind Figuren bei diversen Aktivitäten. Der gesamte Raum, Seitenwände sowie das inzwischen eingefallene Gewölbe, waren mit verschiedenen Motiven farbig bemalt.

Übriggeblieben sind Fragmente, die zunächst gesäubert werden, um anschließend mit einer Schutzschicht konserviert zu werden. In den Werkstätten des CNRA sollen dann die Fresken rekonstruiert werden. Noch steht die Ausgrabung des größten Teiles des Hauptgebäudes aus. Hier erwarten die Archäologen weitere vielversprechende Funde.

Die Ausgrabungen werden in der nächsten Woche gestoppt, um im Frühling wieder aufgenommen zu werden. Die Ministerin versprach die entsprechenden Mittel im Haushalt 2016 zur Verfügung zu stellen. da es sich hier um ein Projekt von höchster Priorität handelt.

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Besichtigung am Sonntag: Im Rahmen der „Journées du Patrimoine“ können Besucher die Ausgrabungen der Schierener Villa am kommenden Sonntag besichtigen. Treffpunkt ist in der „rue de Nommern“, hinter der Autobahnunterführung. Geführte Besichtigungen um 10.30 und 14,30 Uhr. Anmeldung sind unter Telefon 26 02 81 54 erbeten.

Eine der bedeutendsten Axialhofvillen in Luxemburg: Bei der römischen Villa in Schieren, nahe der N7, handelt es sich neben den Villen in Diekirch, Echternach und Bartringen um eine der bedeutendsten Axialhofvillen aus dem 2. bis 3. Jahrhundert hierzulande. Besonders sticht dabei der gute Erhaltungszustand hervor. Auch ist es die einzige römische Villa welche in ihrer Gesamtheit untersucht werden kann. Die Nebengebäuden (pars rustica) waren bereits gelegentlich urbaner Bauprojekte 2007 bis 2012  erforscht  worden. Die zurzeit laufenden Ausgrabungen beziehen sich auf das 110 Meter breite Hauptgebäude (pars urbana),. Eine Untersuchung läuft um die Gebäudeteile, welche nicht vom Straßenausbau betroffen sind, als „monument national“ zu klassieren. Entschieden wurde noch nicht ob der Teil der Villa mit den historischen Fresken erhalten bleibt oder als „réserve archéologique“ unter Tage konserviert wird.