BAD MONDORF
NICO PLEIMLING

Pediküre von „Doctor Fish“ liegt voll im Trend

Es ist schon ein leicht komisches Gefühl beim ersten Mal. Aber das ja nicht unbedingt etwas Neues. Unangenehm fühlt es sich nicht an, wenn die Kangalfische (lat. Garra Rufa), auch „Doctor Fish“ genannt, sich daran machen, an der Haut der Füße zu knabbern. Es ist ein leicht kribbliges Gefühl, an das man sich aber recht schnell gewöhnt.

Vorab ein kritischer Blick

Bevor die Füße ins Wasserbecken kommen, werden sie aber erst einmal vom Spezialisten in Augenschein genommen.

Mit offenen Wunden oder irgendwelchen pilzartigen sowie bakteriellen Infektionen kommt man nämlich nicht rein. Ist alles in Ordnung, dann werden die Füße erst abgewaschen und desinfiziert und erst danach geht’s richtig los.

Die „Pédicure médicale“ in Bad Mondorf hat sich vor rund einem Jahr zwei Becken, die mit einer speziellen Filteranlage ausgestattet sind, und 200 Kangalfische zugelegt, wie der Podologe Emmanuel Paniel erklärt: „Die Fische kosten 4 Euro pro Stück und können bis zu 15 Jahre alt werden.

Einige sind eingegangen, weil die Tiere einen gewissen Lebensraum benötigen. Von den 200 haben wir jetzt noch rund 80 pro Becken. Jene fühlen sich aber jetzt pudelwohl und freuen sich auf das nächste Paar Füße.“

Menschliche Haut ist ein idealer Nahrungsersatz

Die Rötlichen Saugbarben, die übrigens zur Familie der Karpfenfische gehören, sind ursprünglich im Nahen Osten beheimatet. Vor langer Zeit, so wird berichtet, besiedelten sie auch einen von heißen Thermalquellen gespeisten Bach im anatolischen Hochland und stellten sich im Laufe unzähliger Generationen perfekt auf die dort herrschenden, veränderten Lebensbedingungen ein. Da in dem warmen Thermalbach ein Mangel an Plankton herrschte, mussten die Fische auf andere Nahrungslieferanten für ihre Ernährung umsteigen. Weil ihre Wohnquellen von der einheimischen Bevölkerung schon seit Jahrhunderten zum Baden benutzt wurden, fanden die Fische in den Schuppen der menschlichen Haut einen idealen Nahrungsersatz. „Unsere Fische bekommen aber jeden Abend noch etwas ‚normale‘ Nahrung obendrauf, wir wollen sie ja nicht zu einseitig ernähren. Gäbe es nur menschliche Haut, dann wäre es so, als würden wir uns ausschließlich von Salat ernähren“, unterstreicht Emmanuel Paniel.

Ein hygienisches Umfeld

Die Kangalfische in den Becken der „Pédicure Médicale“ werden maximal fünf Zentimeter groß. Die Füße verweilen rund 20 Minuten im Wasser, das eine angenehme Temperatur von 27 Grad Celsius hat. Hinter dem eigentlichen Wasserbecken ist eine Filteranlage, die für ein hygienisches Umfeld sorgt. „Das Wasser zirkuliert im Becken und die Ausscheidungen der Fische - ihr Organismus ist klein und daher ist es ganz normal, dass sie sich gleich nach dem ‚Essen‘ säubern - werden innerhalb weniger Minuten aus dem Wasser herausgefiltert.“ Nach der Behandlung der kleinen, quirligen und durchaus hungrigen Zeitgenossen werden die Füße behutsam aus dem Wasser gehoben, denn man möchte die Kangalfische ja nicht unnötigerweise stressen. Anschließend ist es möglich, dass die Fußsohlen noch ein kleines Stündchen lang leicht Kribbeln. Ein durchaus erfrischender und belebender Nebeneffekt der Behandlung, da während der Pediküre die Reflexzonen stimuliert werden.
www.fishpedicure.lu