Nun kann man sich ja mittlerweile denken, warum die schwarz-rote Koalition sich darum drückte, die eigentlich ab 2010 vorgesehene Haushaltskonsolidierung auch tatsächlich tatkräftig in Angriff zu nehmen. Schaut man sich die Verteilungskämpfe in der Gesellschaft, die allgemeine Verweigerung an, sein Scherflein zu einem ausgeglichenen Haushalt beizutragen und die weitere Staatsverschuldung abzubremsen, wundert es einen nicht, dass man in Schockstarre verharrte und diese Schmutzarbeit lieber anderen überlassen wollte. Die Mehrwertsteuererhöhung und die Sparmaßnahmen gehen vor allem auf Kosten der Kaufkraft der Arbeitnehmer und Konsumenten mit kleinem und mittleren Einkommen, sollen die Betriebe und die höheren Einkommen doch mehr Steuern zahlen, heißt es allenthalben.

Da goss die kürzlich vorgestellte Bilanz 2014 des Observatoire de la compétitivité und der sechste Platz, den Luxemburg dort unter den 28 Eu-Staaten im Jahr 2013 - Platz 13 war es noch im Jahr davor - einnimmt, noch weiteres Wasser auf die Mühlen derjenigen, die meinen, Luxemburg habe kein Problem mit seiner Wettbewerbsfähigkeit.

Nun ließen sich mit einem genaueren Blick auf einzelne Platzierungen auch ganz andere Schlüsse ziehen. Gerade bei der Besteuerung zeigt sich, dass Luxemburg bei der Personenbesteuerung hervorragend abschneidet: Ein zweiter Platz für die verheirateten Paare mit einem Gehalt und zwei Kindern, die mit einem durchschnittlichen Steuersatz von 14,3 Prozent belegt werden. Dieses Abgaben-Privileg wird immer so gerne in der Diskussion um die für die zuhause erziehenden Mütter gestrichenen Erziehungs- und Mutterschaftzulagen vergessen.

Da sehen die durchschnittlichen Steuersätze bei unseren Nachbarn in Deutschland mit 33,8, in Belgien mit 41 Prozent und in Frankreich mit 41,6 für dieses Familien-Modell doch ganz anders aus. Und einen immerhin noch fünften Platz belegt Luxemburg bei den Junggesellen ohne Kind, die im Schnitt bei 37 Prozent Steuerlast liegen - zwischen fast 50 und 55,8 Prozent sind es in den Nachbarländern. Für die Betriebe sieht es dagegen schon anders aus: 29,2 Prozent und Platz 22 bei einem Durchschnittssteuersatz in der EU von 22,6 Prozent. Da kann es kein großer Trost sein, dass die Nachbarländer gleichauf beziehungsweise mit 33 bis 34 Prozent in Belgien und Frankreich noch leicht darüber liegen. Für Betriebe soll ein Kaufkraftverlust, sprich weniger Geld für Investitionen und Innovation also kein Problem sein? Und das bei steigender Arbeitslosigkeit?

Bliebe man übrigens in einer Argumentationslinie mit denjenigen, die bei Staatsverschuldung, Krankenständen oder Lohnnebenkosten immer so gerne auf die gute Situation Luxemburgs im EU-Vergleich hinweisen und keinen Handlungsbedarf sehen, so haben wir vergleichsweise auch kein Problem mit der Jugendarbeitslosigkeit. Die stieg zwar seit 2000 von unter sieben auf nun 17,4 Prozent, ist aber noch weit von Griechenland und Spanien mit 51,9 und 55,5 Prozent entfernt. Da behauptet doch auch wohl keiner im Ernst, es bestehe kein Handlungsbedarf, oder?