LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Nach dem spektakulären Überfall auf das Sicherheitsunternehmen G4S hatte die Kriminalkammer Luxemburg drei der vier Täter, Cihan G., Anour B., Dogan S. in erster Instanz zu Haftstrafen von 22 Jahren verurteilt. Der jüngere Angeklagte Simon S. war freigesprochen worden.

Bewaffnet und maskiert waren die Männer am 3. April 2013 in das Sicherheitsunternehmen G4S in Gasperich gestürmt. Die Täter mussten aber ohne Beute wieder abziehen. Bei der abschließenden Verfolgungsjagd wechselten die Täter in einem Waldstück in der Nähe von Garnich das Fluchtauto und schossen mit einem Schnellfeuergewehr auf ein sie verfolgendes Polizeiauto. Die Täter entkamen. Die Ermittler hatten anschließend im G4S-Gebäude sowie in dem Waldstück bei Garnich unter anderem auf einer hinterlassenen Batterie und an zwei Benzinkanistern umfangreiches DNA-Material sicherstellen können.

Anträge der Verteidigung

Die Verteidigung stellte am Dienstag drei Anträge an das Berufungsgericht. Ein Antrag richtete sich an die DNA-Analysen des Schweizer Gutachters Taroni. Der hatte die DNA-Proben als neutral bewertet. Der Staatsanwalt zweifelte Glaubwürdigkeit und intellektuelle Ehrhaftigkeit des Experten an. Präsidentin Lotti Prussen will deshalb die Genetikerin Elisabet Petowsky vom Staatslaboratorium am kommenden Freitag vorladen. Sie soll ihr Gutachten aus erster Instanz noch einmal vortragen. Dem zweiten Antrag, die Angeklagten während der Verhandlung ohne Fesseln auf der Strafbank sitzen zu lassen, wurde nicht stattgegeben.

Dann vernahm die Vorsitzende Richterin den Angeklagten Anouar B. Er behauptet wie in erster Instanz, kein Krimineller zu sein. Er könne nicht verstehen, wie seine DNA an die aufgefundene Batterie gekommen sei. Der zweite Angeklagte Dogan S. versteht das Urteil in erster Instanz nicht. Seine DNA wurde an einem leeren Kanister und auf einem T-Shirt gefunden. Das T-Shirt hätte er nicht zur Reinigung gegeben, wie das in erster Instanz behauptet wurde, sagt der Angeklagte. Er sei unschuldig.

Der dritte Angeklagte Cihan G. gab zu Protokoll, dass er nichts mit der Geschichte zu tun habe. Er sei nie in Luxemburg gewesen. Von ihm wurde DNA am Kanister in Garnich und auf einer Sicherheitsweste gefunden. Der vierte Angeklagte Simon S. verwies auf seine Aussagen aus erster Instanz. Am Freitag geht der Prozess weiter.