LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Im G4S-Berufungsverfahren fordert die Staatsanwaltschaft jeweils 22 Jahre Haft für drei Angeklagte - Freispruch für S. beantragt.

Die Staatsanwaltschaft plädierte am Dienstag im G4S-Berufungsprozess: Das Verfahren richtete sich gegen vier Männer, denen vorgeworfen wird, am 3. April 2013 die Sicherheitsfirma G4S überfallen zu haben. Auf der Flucht schossen die Banditen mit Schnellfeuerwaffen auf die Polizisten. Drei von ihnen waren in erster Instanz zu 22 Jahren verurteilt worden. Doch für die drei Angeklagten sind die Urteile willkürlich und damit ungerecht. Sie gingen in Berufung.

„Ausgeklügelter Tatplan“

Der jüngere von ihnen, der Angeklagte S., war in erster Instanz freigesprochen worden. Sofort legte die Staatsanwaltschaft - ebenfalls zur Nachprüfung des Freispruchs - Berufung gegen die vier Urteile ein. Hat allerdings die Generalstaatsanwaltschaft ein Rechtsmittel ergriffen, kann die Strafe auch höher ausfallen, was in der Praxis in vielen Fällen auch passiert. Im Detail war der Oberstaatsanwalt vor einer Woche noch deutlicher geworden. Dem Überfall habe „ein sorgsam ausgeklügelter, auf Arbeitsteilung beruhender Tatplan“ zugrunde gelegen. Es sei eine „irrige Annahme“, ja sogar „ein Verstoß gegen die Denkgesetze“, zu glauben, die vier Angeklagten seien unschuldig. In den Augen des Oberstaatsanwalts seien drei der Angeklagten des versuchten Totschlags, des bandenmäßigen Überfalls und der Sachbeschädigung überführt.

Die Verteidigung ihrerseits hatte Zweifel angemeldet, dass die Beweise für eine Verurteilung ausreichten. Dienstag musste der Oberstaatsanwalt krankheitshalber von einer Anklagevertreterin ersetzt werden. Die Anklagevertreterin erklärte, dass es keinen Zweifel an der DNA-Analyse des Angeklagten Anouar B. gebe. Von ihm wurde DNA in einer Mischspur auf einer Batterie gefunden. Die Genetikerin Dr. Elisabet Petkowsky hatte ein Gutachten mit der DNA-Analyse von Anouar B. erstellt. Ein französischer Experte hatte die Analyse von Dr. Petkowsky in erster Instanz bestätigt.

Die Anklagevertreterin kam ebenso auf das Alibi von B. zu sprechen. B. hatte bekanntlich angegeben, dass er während der Tatzeit bei seiner Schwester in der Nähe von Charleroi war. B. hatte in seinen Aussagen zu Protokoll gegeben, er hätte seiner Schwester bei Hochzeitsvorbereitungen geholfen. Das widerlegte die Anklagevertreterin mit dem Video, auf dem B. während des Überfalls zu sehen sei. Aus den Abhörprotokollen der belgischen Polizei gehe auch eindeutig hervor, dass B. und G. Beziehungen zum kriminellen Milieu in Charleroi hatten.

Die Fußball-Alibis nannte die Anklagevertreterin „alibis de choc“, hatten sie doch gemeinsam ausgesagt, ein Fußballspiel am 2. April 2013 verfolgt zu haben. Die Anklagevertreterin sprach von einem „Acte de guerre.“ Die drei Angeklagten würden dem „grand banditisme“ angehören. Sie beantragte für diese Angeklagten dieselben Freiheitsstrafen wie in erster Instanz, jeweils 22 Jahre Freiheitsstrafe für G. B. und D. Dann kam die Anklagevertreterin auf das Alibi des Angeklagten Simon S. zu sprechen. Die belgische Piste sei hier ausschlaggebend und sie beantragte einen Freispruch für S. Das Urteil fällt am 7. Februar 2017.