MERSCH
PATRICK WELTER

Versis und Saatbaugenossenschaft luden zum Erntegespräch mit Minister Etgen

Wen interessiert es wenn in China ein Sack Reis umfällt? Der alte Sponti-Spruch gilt nicht mehr, denn mittlerweile muss es auch den Luxemburgischen Bauern interessieren, was der Chinese mit seinem Reis macht, dessen Verhalten hat direkten Einfluss auf seine Einkommenssituation. Genügte einem Bauern früher der Blick zum Himmel, so kann es ihn heute nicht unberührt lassen, wie die Tornado-Saison in den USA ausfällt und was Dauerregen in der Ukraine anrichtet.

Nicht nur die Industrie, auch die Landwirtschaft ist den Regeln der Globalisierung unterworfen- auch die heimischen Betriebe. Die ist die zentrale Erkenntnis aus dem „Erntegespräch“, das Akteure der Landwirtschaft gestern Morgen mit Landwirtschaftsminister Fernand Etgen in Mersch führten. Nicht nur die heimischen „Wetterereignisse“ wie die lange Trockenheit in Sommer und Frühjahr, die insbesondere die Viehwirtschaft traf, sondern auch Stürme, Düren, Hagel in anderen Weltgegenden haben einen direkten Einfluss auf die Preise.

Wetterkapriolen

Die Trockenheit hat bei der Getreideernte zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen geführt. Laut Versis und Saatbaugenossenschaft L.S.G.: „…Eine Hitzeperiode Anfang Juni bis Anfang Juli ließ für die Ackerkulturen schlimmes befürchten. Die Ernte erfolgte dann im Juli und im August unter optimalen, trockenen Bedingungen. (…) Die Erträge und die Qualitäten lagen über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Mit Spannung wurden die Ergebnisse von Raps, Winterweizen und den Sommergetreidearten Hafer und Sommergerste erwartet. Die Hitzewelle im Monat Juni hat diesen Getreidearten enorm zugesetzt und teilweise zu einer Notreifesituation geführt. Die Auswirkungen (…) auf Ertrag und Qualität waren jedoch geringer als befürchtet. Die Erträge lagen unter dem Niveau der Ernte 2014, aber über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Die Qualitäten sind außergewöhnlich gut…“

Aufgrund der starken Preisschwankungen im Laufe des Jahres haben zahlreiche Getreideanbauer ihre Erträge eingelagert und hoffen nun auf bessere Preise. Aber gerade bei Weizen und Mais, beides Welthandelsgüter, sind die Preise starken Schwankungen unterworfen. Nach Auskunft von Versis liegen die Erzeugerpreise für Weizen derzeit unter den Produktionskosten.

Hilfe für Grünlandbauern

Landwirtschaftsminister Fernand Etgen stuft das Jahr 2015 als schwierig für die Bauern ein. Zum Einen verlange die Politik, dass der Landwirt zum Manager wird, andererseits habe die stärkste Hitzewelle seit 1976 zu negativen Folgen geführt. Davon seien die meisten Luxemburger Bauern betroffen, da mehr als die Hälfte der Betriebe Grünland - zur Futtergewinnung - bewirtschaften. Die Lage der Milchbauern sei desaströs und die der Fleischproduzenten „nicht rosig“. Die Regierung und die EU wollten die Landwirtschaft aber nicht im Regen stehen lassen. Die von Brüssel zur Verfügung gestellten Hilfsgelder von 300 Mio Euro seien ein klares politisches Signal, so Etgen. In Luxemburg wolle man zur Unterstützung der Landwirtschaft die Auszahlung von Prämien vorziehen.

Bio-Sektor steht besser da

Auf Nachfrage hin, teilte Minister Etgen mit, dass der Bio-Sektor vergleichsweise gut durch das Krisenjahr 2015 gekommen ist. Hohe Qualität verkaufe sich immer gut, die aber auch nach einer durchstrukturierten Weiterverarbeitung verlange. Das gelte aber auch für regionale Produkte ohne Bio-Status.