LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Rund 5.600 Schüler nutzen Nachhilfeangebot - „Summer School“ soll fester Bestandteil des Bildungssystems werden

In den zweiwöchigen Nachholkursen vor Schulanfang sind 4.830 Schüler aus dem Fondamental und rund 800 Sekundarschüler eingeschrieben. Das „Summer School“ getaufte Programm, um Wissenslücken in der Folge der Auswirkungen der Corona-Pandemie zu stopfen, soll aber keine einmalige Geschichte bleiben. „Wir wollen die Summer School über die nächsten Jahre weiterentwickeln“, sagte Bildungsminister Claude Meisch (DP) gestern morgen beim Ortstermin in einer Grundschule im Süden des Landes. Mit diesem Angebot will der Ressortminister auf „Schwachstellen“ des Bildungssystems reagieren. Meisch nannte etwa die im internationalen Vergleich hohe Zahl an Klassenwiederholungen.

Der Förderunterricht zwischen dem 31. August und dem 11. September ist eines von mehreren Elementen, die Schülern als Vorbereitung auf das kommende Schuljahr dienen sollen. „Relativ schnell“ habe man feststellen können, dass ein Teil der Schüler „große Schwierigkeiten“ hatte, im Lockdown den Anschluss zu behalten. Die „Summer School“ versteht der liberale Minister daher als „Initiative für mehr Bildungsgerechtigkeit“ oder als Instrument, um zu verhindern, dass „es die Jugend ist, die den Preis der Krise zahlt“.

Initiative ging in den „allermeisten“ Fällen von den Lehrern aus

Die gestern vom Ministerium veröffentlichten Zahlen belegen, dass es für das neue Angebot „ganz konkreten Bedarf“ gibt. In der Grundschule konnten Kinder (ab dem Cycle 2) mit dem Argument, dass immer noch Ferien seien, in nur einem Fach eingeschrieben werden, dies jeweils für zwei Stunden am Tag. In den Sprachen Deutsch und Französisch ist der Nachholbedarf rein zahlenmäßig höher als in Mathe. Schüler des letzten Grundschulzyklusses, die also ohnehin ab Herbst die Sekundarstufe besuchen, wurden zur Nachhilfe in drei Lyzeen gebeten, vor allem, um ihre Französischkenntnisse zu vertiefen.

Befürchtungen, es seien vor allem ohnehin stark in der Bildung ihrer Kinder involvierte Eltern, die von dem neuen Angebot profitieren, bewahrheiteten sich indes offenbar nicht. Nach Aussagen Meischs ging in den „allermeisten“ Fällen die Initiative von den Lehrern aus. Auch das erste Trimester des neuen Schuljahres soll verstärkt genutzt werden, um Rückstände aufzuholen. Die Lehrer sollen „ermutigt“ werden, die ihnen für den „appui pédagogique“ zur Verfügung stehenden 90 Minuten pro Woche gezielt einzusetzen. Auch außerhalb der Schulstunden wird ein Förderunterricht angeboten.

Auf der Sekundarstufe ist in diesen Tagen vor allem Unterstützung in Algebra und Co. gefragt (327 Einschreibungen). Anders als bei ihren jüngeren Schulkameraden, konnten Jugendliche von 7e bis 2e zwei Disziplinen belegen. In vielen Fällen findet die „remise à niveau“ auch im Französischen statt.
Die Statistiken des Bildungsministeriums zeigen, dass vor allem Schüler der unteren Klassen (7e bis 5e) auf diese Kurse zurückgreifen.  Rechnet man die bereits bestehenden „Cours de rattrapage“ für Schüler mit Nachexamen raus, bleiben von den 800 noch etwa 520. Die Kurse werden vor allem von Studierenden bestritten: 69 Studierende und 18 Lehrkräfte bereiten Schüler auf das kommende Jahr vor. Im „Fondamental“ sind es 80 Lehrer, 165 Ersatzlehrer sowie 99 weitere aus dem nationalen Pool „études surveillées“.

Seit dem 24. August finden Eltern und Schüler unter schouldoheem.lu auch 48 Themendossiers mit Übungen und den Auflösungen, um autonom zuhause zu arbeiten. Eine nennenswerte Nachfrage nach solchen Inhalten gab es durchaus. Nach Angaben des Ministeriums zählte die Plattform seit dem 24. August 50.000 Besucher und 47.000 heruntergeladene Dossiers.

Zu Fragen zur Organisation des Schuljahres 2020/21 hielt sich Claude Meisch gestern mit einer Ausnahme noch bedeckt: So soll etwa nicht mehr am für den Abschluss des letzten Schuljahres festgelegten komprimierten Stundenplans (von 08.00 bis 13.00) festgehalten werden. Am Freitag soll es auf einer weiteren Pressekonferenz Details geben.