LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Die „Springbreak“ setzt in diesem Jahr voll auf Nachhaltigkeit, wie Messe-Chef Morgan Gromy versichert

Luxexpo the Box“ veranstaltet die „Springbreak“, die vor drei Jahren die klassische Frühjahrsmesse mit einem neuen Modell ersetzt hat. Messe-Chef Morgan Gromy erklärt, was die Besucher dieses Jahr erwartet.

Lëtzebuerger Journal

Herr Gromy, die „Springbreak“ findet zum dritten Mal mit dem neuen Konzept statt. Was hat sich geändert?

Morgan Gromy Wir setzen voll und ganz auf Nachhaltigkeit, sowohl in der Umsetzung als auch im Aufbau der Messe. Nachhaltigkeit ist einer der vier Schwerpunkte der Veranstaltung, die sich ebenso mit Innovation, Kreativität, Kunst und allen Initiativen, die die Welt ein bisschen besser machen, befasst. Danach haben wir auch die Partner der Messe sorgfältig ausgesucht. Statt einer allgemeinen, breit aufgestellten Messe ist es jetzt viel spezialisierter. Wir wollen kein Facelifting, sondern einen komplett neuen Ansatz. Die erste Ausgabe der „Springbreak“ ging ja schon in diese Richtung. Jetzt wollen wir das Thema bereichern und ausbauen.

Wie leben Sie denn die angekündigte Nachhaltigkeit praktisch?

Gromy Wir haben eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, insbesondere in puncto Ressourcenschonung. Die Deckenbeleuchtung bleibt zum Beispiel dieses Mal aus, so dass der gesamte Energieverbrauch sinkt. Dabei schaffen wir eine behagliche Atmosphäre. Wir haben auf Teppich verzichtet, denn dieser muss in der Regel als Sondermüll entsorgt werden. Darüber hinaus wird so gut wie nichts weggeworfen, was unsere Bau- und Dekorationsobjekte angehen. Wir verwenden die Bauelemente der Stände immer wieder. Ohnehin kommt es immer seltener vor, dass Messestände nur für eine Messe gebraucht werden: es ist sowohl aus Kosten- als auch aus Umweltgründen nicht vertretbar. Viele Aussteller greifen lieber auf unsere fertigen Messestände zurück. Das kommt den meisten Ausstellern entgegen, denn Messebau ist kostenintensiv. Darüber hinaus haben wir versucht, mehr Gemeinschaftsstände zu organisieren, damit kleinere Initiativen sich vorstellen können. Wir verstehen diese Messe auch als Testlabor, um unser Fachwissen im Bereich nachhaltige Messen zu erweitern. Damit das funktioniert, tauschen wir uns mit dem Oekozenter Pafendall regelmäßig untereinander aus. Dabei geht es um praktische Fragen, Rat, und die Suche nach Alternativen. Wir wollen kein Greenwashing betreiben, sondern einen ehrlichen und wirkungsvollen Beitrag leisten. Das Oekozenter Pafendall wird die Messe als Pilot für das „Green MICE“-Projekt nutzen, eine gemeinsame Initiative des Umwelt- und Wirtschaftsministeriums. Wer eine Fahrkarte des öffentlichen Transports vorzeigt, darf sich über einen freien Eintritt freuen.

Lëtzebuerger Journal

Wie reagieren die Aussteller auf den grünen Kurs?

Gromy Alle finden es grundsätzlich gut. Aber nicht alle sind jetzt bereit, sich im Hinblick auf Angebot und Kommunikation darauf einzustellen. Doch wir haben auch dadurch neue Kunden erreicht. Es gibt nicht viele Messen, die sich mit diesen Themen befassen. Uns geht es vor allem darum, die Veranstaltung zu etablieren und eine Plattform für die Thematik zu bieten. Die Rentabilität wird sich bei solchen Messen nach drei oder vier Jahren einstellen.

Haben Sie auch Redner, die dem Thema gerecht werden?

Gromy Ja, und das war ein ganz schönes Stück Arbeit. Jetzt sind wir stolz, Kyle MacDonald zu präsentieren, der eine Büroklammer gegen ein Haus getauscht hat. Auch Tom Hodgkinson, der selbsternannte König der Faulheit und Buchautor, wird auftreten. Beide zeigen, dass man viel mit wenig erreichen kann, beziehungsweise, dass Ideen – auch verrückte – einiges bewirken können.

Weniger ist mehr heißt es im englischsprachigen Raum und weniger ist dazu meistens umweltfreundlicher. Model und Umweltaktivistin Aleksandra Orbeck-Nilssen wird über nachhaltige Kleidung sprechen. Darüber hinaus gibt es noch flankierende Veranstaltungen wie „Vinokilo“, bei der gebrauchte Kleidung nach Gewicht verkauft wird. Dieses Konzept leistet einen Beitrag gegen die Wegwerfgesellschaft.

So auch die „Vintage“ und die „Jardirêve“-Messe, die beide parallel laufen. Bei der Letzteren findet der Besucher alles was er braucht, um seine Nahrungsmittel selbst anzubauen. Nicht jeder muss Selbstversorger werden, aber mit lokaler Produktion schafft man einen großen eigenen Beitrag zum Kilmaschutz.

Vier Tage lang offen für Entdeckungen

Reinschnuppern und Spaß haben

Die dritte „Springbreak“ bietet im Messegelände einmal mehr einen Ausblick auf Kreativität, Innovation und – in diesem Jahr besonders wichtig – Nachhaltigkeit. Sie bietet viel Platz für die Besucher, neue Unternehmen, Organisationen und Produkte zu entdecken, die nie dagewesenes versprechen; wenn also am morgigen Donnerstag die Türen öffnen, kann einmal mehr nach Lust und Laune gestöbert, zu regionalen Produkten gefachsimpelt und bei brandaktuellen Ideen gestaunt werden. In diesem Jahr stehen nachhaltige und grüne Produkte im Mittelpunkt; die Weinexperten von Pallhuber etwa unterstreichen ihren verringerten Energieverbrauch durch ein besseres Konzept bei der Glasproduktion. Auch die vielen tollen Food-Trucks vor Ort setzen auf lokale und regionale Leckereien – eine umweltfreundliche Wirtschaft der kurzen Wege. Ein Mini-Spiel wollen die Organisatoren auch versteckt haben: Eine Bar mit dem besten Gin der Stadt, die nur gefunden werden kann, wenn alle Hinweise auf den sozialen Netzwerken und vor Ort beachtet werden. Die Gartentraum-Messe „Jardirêve“ und die „Vintage“-Messe finden außerdem zeitgleich zur „Springbreak“ statt. Die beiden anderen Messen sind zwar kostenpflichtig, die Organisatoren sehen aber ein ähnliches Publikum angesprochen, weshalb sich ein Besuch gleich doppelt lohne. Moderne Technik gibt es derweil im nagelneuen Spiele-Eck „Springames“, bei dem Zocker ihr Können in modernen Videospielen unter Beweis stellen können. Daneben soll auch das erste autonome Shuttle des Landes vor Ort ausprobiert werden können; weitere Highlights sind die inspirierenden Reden prominenter Gäste, etwa den Tausch einer Büroklammer gegen ein Haus (am 14. März um 17.00) oder der Vortrag der Aktivistin Aleksanda Orbeck-Nilssen zum Thema nachhaltige Mode (am 15. März um 20.00). Für die Anfahrt zum Messegelände haben sich die Organisatoren auch etwas einfallen lassen: Nicht nur, weil die schicke neue Tram quasi bis vor die Messetüren fährt (Haltestelle Luxexpo). Auch die städtischen Buslinien 16 sowie 1, 7, 25 und 33 fahren das Messegelände vom Bahnhofsviertel aus direkt an. Weiterführende Verbindungen über die Buslinien 120, 144, 155, 159, 165, 184, 192, 194, 195, 303, 323, 401 und 740 werden ebenfalls angeboten. (DO) Mehr Informationen zu den Events unter springbreak.lu