MARRAKESCH
DAVID THOMAS, AFRICAN BUSINESS

Afrikanische Verhandlungsführer bereiten sich auf den Klima-Kampf der COP22 vor

Als der französische Außenminister Laurent Fabius im Dezember die Entscheidung über den historischen Pariser Klimavertrag verkündete, fielen sich Repräsentanten in die Arme, tanzten mit ihren jubelnden Kollegen und feierten bis spät in die Nacht. Das Resultat: ein mühsam erarbeitetes Versprechen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Angesichts der Bedeutung dieses Abkommens, kann einem das Folgetreffen in Marrakesch wie eine Nebensache vorkommen. Und jetzt, da der Klimagipfel COP22 nach fünf Jahren wieder in Afrika stattfinden wird, nehmen deren Verhandlungspartner eine sachlich-realistische Haltung an und wappnen sich, um der grundlegenden Aufgabe nachzugehen, Worte in Taten umzusetzen. Für Afrika, dem vom Klimawandel am schlimmsten betroffenen Kontinent, ist es so dringend wie nie zuvor zu handeln. Bis 2020 könnten schon 75 bis 250 Millionen von Menschen in Afrika unter dem Klimawandel bedingtem Wasserstress leiden. Auch könnte sich bis 2080 der Anteil von ariden und semiariden Böden und Landflächen auf bis zu 8 Prozent erhöhen.

Das Problem der Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen

Während Afrika den Pariser Vertrag als entscheidenden Schritt nach vorne ansah - insbesondere aufgrund seiner internationalen Ausrichtung - kann nur die strengste Umsetzung aller Vorsätze den Kontinent vor den schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels bewahren. Für Afrikas Repräsentanten geht es bei dem Treffen in Marrakesch vor allem darum, mit dem Druck auf alle anderen Länder der Welt nicht nachzulassen.

„Unser Ansatz für COP22 ist sicherzustellen, dass der Pariser Klimavertrag, welcher letztes Jahr unterschrieben worden ist, eingehalten wird, und dabei sind Afrikas Interessen höchste Priorität auf der Tagesordnung“, sagt Kwame Ababio, Programmleiter für den Bereich Klimawandel des NEPAD-Programms der Afrikanischen Union. „Fragen der Anpassung, die durch die afrikanische Führung ständig angesprochen wurden, müssen auf höchster Ebene diskutiert werden.“ Das Problem der Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen - riesige Summen, die benötigt werden, damit Afrika und andere Entwicklungsregionen sich auf die Auswirkungen des Klimawandels vorbereiten können - sind seit langem ein heikles Thema in internationalen Gesprächen. Frühere Versprechen von jährlich 90 Milliarden Euro ab 2020 müssen noch geklärt werden. Die OECD schätzt im Nachhinein, dass 2013 nur 46,8 Milliarden und 2014 knapp 60 Milliarden Euro ausgezahlt worden sind. Da die Kosten der Umstellung geschätzte fünf bis zehn Prozent des afrikanischen Bruttoinlandprodukts betragen werden, fordert der Kontinent weiterhin die Unterstützung der reichsten Länder. In Paris ist das Thema der Anpassungskosten von der Notwendigkeit globaler Übereinstimmung überdeckt worden. Deshalb hoffen afrikanische Entscheidungsträger, dass dieses Thema in Marrakesch prioritär sein wird.

Flexibilität als Hindernis

„Wenn man die weltweite Finanzlandschaft und Finanzmittel für den Klimaschutz betrachtet, dann sieht man, dass Afrika sehr wenig erhalten hat. Die Finanzierung ist eine sehr wichtige Komponente, die man erneut überdenken muss“, meint Ababio. Damit ist Fortschritt in Hinblick auf eine Zusicherung von jährlich mehr als 90 Milliarden Euro gemeint, die ab 2020 ausgezahlt und danach weiter aufgestockt werden soll. Erhöhter Technologietransfer und Kapazitätsbildung machen zukünftig ebenfalls entscheidende Aspekte aus.

Trotz Allem bleibt die Flexibilität des Pariser Abkommens eines der Haupthindernisse für die afrikanischen Bestrebungen. Während alle Vertragspartner des Abkommens ambitionierte nationale Klimabeitragspläne veröffentlicht haben - bekannt als INDCs (intended nationally determined contributions) - bleiben Maßnahmen zu deren Durchsetzung äußerst vage. Ohne weltweite Ratifizierung, scheint das 1,5°C-Ziel in Gefahr zu sein.

„Da wir über das UN-System laufen, welches nur auf Konsensbildung hinausläuft, ist es schwer, eine rechtsgültige Vereinbarung zu erreichen“, sagt Ababio. „Über 60 Länder haben es bestätigt, deshalb hoffen wir auf viele weitere Verbündete, die sich gemeinsam den Regeln des Pariser Abkommens stellen werden.“ Afrikas Priorität wird es sein, die Welt davon zu überzeugen, dass Paris eher der Anfang einer Reise, als das Ziel an sich darstellt. Vielleicht wird die Tatsache, dass der nächste Gipfel in Marrakesch stattfinden wird - einer semiariden Stadt mit glühenden 35°C im November - genügen, um die Beteiligten auf den hohen Preis der Tatenlosigkeit aufmerksam zu machen.