BRIDEL
CORDELIA CHATON

Von den Blumen über die Bonbon-Bar bis zum Blog: Stéphanie Anen plant Hochzeiten

Das Youtube-Video zeigt eine Frau Mitte dreißig, die ins Bad geht und in der Dusche verschwindet. Die Kamera zoomt auf den Spiegel, der beschlägt. Im Dunst erscheint „Save the date: Wedding of Carl & Yannick Saturday 23.8.2014!“ Dann umrahmt ein rosa Herz die Nachricht auf dem Spiegel, wie mit Lippenstift gezogen.

„Solche Save-the-date-Videos sind sehr beliebt. Oft lässt sich das Paar auch in einer alltäglichen Szene filmen“, erzählt Stéphanie Anen. Die 34-jährige ist professionelle Hochzeitsplanerin. Sie verbringt ihr Leben damit, das Glück der anderen zu arrangieren. Ihre Kunden sind meist Mitte dreißig, gut situiert, arbeiten oft im Finanzsektor und finanzieren sich den Service selbst. „Sie haben einfach keine Zeit, alles zu machen“, erklärt Anen.

Die Französin ist selbst seit zehn Jahren mit einem Luxemburger verheiratet. Zum Beruf der Hochzeitsplanerin kam sie über die Arbeit in der Kommunikation und eine Reise in die USA. „Ein Teil meiner Familie lebt dort. Während eines Sabbat-Jahres ich das erste Mal damit in Berührung“, berichtet Anen. Heiraten in den USA sei dort „der Traum jedes kleinen Mädchens“, versichert die schlanke, große Frau. Gewünscht wird eine stattliche, auf den sozialen Netzwerken gut sichtbare Hochzeit. Daran ändert auch die Scheidungsrate von rund 75 Prozent nichts.

In Europa ist professionelle Hochzeitsplanung noch nicht so bekannt. Anen berät seit 2012 Paare. „Es gibt immer mehr laizistische Feiern - und immer mehr personalisierte Hochzeiten“, erklärt sie. Die meisten ihrer Kunden haben unterschiedliche Nationalitäten und oft auch Religionen. „Sie wünschen sich ein schönes Fest, das oft an christliche Traditionen erinnert. Beispielsweise führt der Vater die Braut in den Saal.“

Hochzeit im Wert eines Mittelklasse-Wagens

Bevor es an die Details geht, gibt es erst Mal ein Informationsgespräch. Das Paar kann wählen zwischen einem Rundum-Service, à la carte-Diensten oder reiner Dekoration. „Paare sollten mit Ideen, einem Ort und dem Budget kommen“, rät die Hochzeitsplanerin. Der durchschnittliche Preis einer organisierten Hochzeit für rund hundert Gäste liegt bei 35.000 Euro. Im Budget sind Ringe, Brautkleidung und Hochzeitsreise nicht enthalten. Anen erhält 15 Prozent davon für einen Komplettservice. Eine Zeremonie vorzubereiten kostet rund 800 Euro.

Danach wird das Geld auf die Posten zu verteilen. „Wer sehr viel für den Traiteur ausgibt, hat am Ende vielleicht kein Geld mehr für Blumen“, warnt die Frau mit dem Büro in Bridel. Sie schlägt verschiedene Räumlichkeiten vor wie beispielsweise das Hotel „Temps d´or“ in Ansemburg. „Dort wird in einem sehr alten Saal mit moderner Glasdecke gefeiert“, erklärt Anen den Charme. Manchmal versucht sie auch Kunden eine Idee auszureden. Beispielsweise, wenn sie unbedingt eine Hochzeit in der freien Natur wollen. „Im August hat es jedes Wochenende geregnet“, erinnert sie sich.

Gospel und Borgward

Für die Musik arbeitet die Hochzeitsplanerin mit verschiedenen Gruppen zusammen. „Vor allem Gospel ist für die Zeremonie sehr gefragt.“ Klassik scheint dagegen genau so out zu sein wie Kutschen. Paare von heute fahren lieber im 60er-Jahre-Auto zur Zeremonie; im Borgward oder einer Isetta.

Wichtig ist laut der Beraterin der Tischplan. „Es ist das erste, was die Gäste sehen.“ Damit die Gäste selbst später auch gesehen werden, werden Foto-Boxen mit Brillen, Perücken und Bärten zum Verkleiden ebenso eingeplant wie eine Bonbon-Bar mit Zuckerwaren, die farblich zum Thema der Hochzeit passt. Bei den Hochzeitskuchen gibt es zwar noch klassische luxemburgische Baumkuchen, aber die mehrstöckige Hochzeitstorte bahnt sich ihren Weg.

Hochzeit 2.0 auf dem Blog

Die Fotos der Hochzeit teilen viele Paare auf einer speziell eingerichteten Internetseite. „Das ist heute sehr preiswert oder gleich gratis“, versichert Anen. Viele wollen auf Hochzeitsblogs wie www.hochzeitswahn.de. Dafür sind sie auch bereit, teure Fotografen zu engagieren, die ihnen einen Platz auf dem Blog sichern. In den USA geben Paare dafür bis zu 18.000 Dollar aus. „Für Blogs gibt es aber auch Anwendungssoftware, die schon viel vorsieht. Und eine Grafikerin kann ein Banner machen“, schlägt Anen vor. Ein klassisches Foto-Album wollten ohnehin nicht mehr alle Paare.

Spätschicht und Schuldgefühle

Hochzeitsplanerin ist kein einfacher Job. Arbeiten am Wochenende und am Feierabend, Nervenkriege mit Familienmitgliedern und nicht enden wollende Feste. „Vor allem aber sind wir dazu da, Schuldgefühle zu nehmen. Denn im Moment einer Hochzeit wollen viele mitreden, soll der alte Onkel noch eingeladen werden, will die Mutter ihr Traumkleid für die Tochter, wagen Paare nicht, zu extravagant zu sein“, beobachtet die Beraterin. „Die Meinung der anderen zählt.“ Wenn die Hochzeit dann läuft, sind alle glücklich.
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