LUXEMBURG
DANIEL OLY

Jung und erfolgreich in der Automobilindustrie durchstarten

An PS-Boliden arbeiten, die Zukunft der Autobranche mit beeinflussen, aus dem eigenen Interesse einen Beruf machen - wovon einige Autoliebhaber wohl nur träumen, ist für Dan Speller reiner Alltag. Er arbeitet als Ingenieur für den US-amerikanischen Automobilzulieferer und Spezialisten für Antriebssysteme BorgWarner in der Nähe von Mainz und entwickelt damit maßgeblich die Mobilität der Zukunft mit - kein Zufall, wie er verrät.

„Ich habe Maschinenbau und Verfahrenstechnik mit den Vertiefungsrichtungen Fahrzeugtechnik und Werkstofftechnik an der technischen Universität Kaiserslautern studiert“, erklärt er. Im Rahmen seines Studiums habe er sich deshalb auch schon stark mit Fahrzeugkomponenten und mit Karbon sowie anderen Verbundwerkstoffen beschäftigt. „So konnte ich praktisch durch mein Studium erlernen, wie man einen Rennwagen baut“, meint er lachend.

Deshalb sei dann auch der Schritt in die Formula Student nicht weit gewesen. Bei diesem Event treffen sich Studenten aus aller Welt auf namhaften Rennstrecken wie Hockenheim und Silverstone, um mit ihren im Team entwickelten Formel-Rennwagen gegeneinander anzutreten. „Das ist ein wichtiger Schritt, um praktische Erfahrung neben dem Studium sammeln zu können“, meint Speller. „Dabei kann man sehr viel lernen. Damit habe ich den Praxisschock, den man nach dem Studium hat, vermieden - ich war an den Leistungsdruck im Berufsleben gewöhnt und hatte bereits Routine beim Anwenden des Erlernten. Außerdem ist es ein riesen Abenteuer.“

Die Formula Student ist aber auch ein wichtiger Schritt, um an Sponsoren und Unternehmen herantreten zu können. Viele Profis der Autobranche sind bei Formula Student Renn-Events auf der Suche nach frischen Talenten. „Als Spezialist für Antriebssysteme war auch BorgWarner in der Boxengasse. Sie waren zwar nicht unser Sponsor, interessierten sich aber für unseren Boliden“, erklärt er. So habe er sich für ein Fachpraktikum bewerben können. „Aus dem Praktikum und meiner Diplomarbeit wurde dann letztendlich eine Vollbeschäftigung.“ So lässt sich ein Traum eben auch verwirklichen.

Einstieg in die Branche

„Ich arbeite jetzt bereits seit fünf Jahren in der Automobil-Zuliefererindustrie direkt bei der BorgWarner Turbo Systems Engineering GmbH“, erklärt er. „Und hatte dabei die Möglichkeit, wichtige neue Entwicklungen der Automobilindustrie mit zu prägen.“ Das Vorzeigeprodukt schlechthin: Der eBooster elektrisch angetriebene Verdichter, der den geringen Verbrauch eines Downsizing-Turbolader-Motors mit dem angenehmen, flexiblen Fahrgefühl eines Saugmotors verbindet. „Da liegen wir voll im Trend - umweltschonend, klein, nachhaltig - und bieten trotzdem Fahrspaß pur!“ Er arbeite dabei in einem interdisziplinären Team der Entwicklung. „Wir nennen das generisches Design‘“, erklärt er. „Wir schaffen ein Basismodell, ein ausgereiftes, funktionierendes Produkt, das dann von den Applikationsteams an die einzelnen Automobilhersteller, respektive Kunden angepasst wird.“ Dabei entscheidet er etwa über die verbauten Materialien - Verdichter, Rückwände, Kugellager - und deren Eigenschaften, die er in Abstimmung mit dem Einkauf und dem Produktionsteam ausarbeitet. „Neben der Erstellung von 3D-Modellen und -Plänen arbeite ich auch eng mit Zulieferern zusammen, um die nötigen Teile bis zur Serienreife zu entwickeln“, erklärt er. Der Spagat mache ihm Spaß. „Dabei ist es wichtig, dass die Balance passt. Wir können nicht das allerteuerste Bauelement nehmen, ansonsten wird der eBooster zu teuer. Das billigste Teil ist aber auch nicht die beste Wahl, weil es dann an der Qualität hapern könnte“, meint Speller. Benötigt wird die von der Entwicklung geforderte Qualität zu einem wettbewerbstauglichen Preis. Das heiße: „günstig, nicht billig!“, erklärt er. So sei es auch wichtig, auf die Produzierbarkeit zu achten. „Wenn ich ein Produkt entwerfe, das super funktioniert und nicht mit überschaubarem Aufwand in Serie gebaut werden kann, nützt es auch nichts“, meint er. Deshalb kann er sich vor Ort im Werk auch bestens mit den Produktionsmitarbeitern absprechen. „Das Modell dann zu konstruieren, mit den ausgereiften Bauteilen, in dem Bauraum der verfügbar ist - das ist die tolle Herausforderung“, betont er. Konkret ist der eBooster im neuesten 3,0-Liter-Benzinmotor von Daimler verbaut. Eigentlich Stammgebiet der großen Motoren mit acht oder mehr Zylindern. Aber auch hier ist inzwischen das Downsizing angekommen - und damit auch der Bedarf für die eBooster, um dem sportlichen Anspruch neben der Effizienz weiterhin gerecht zu werden. Aber der eBooster soll nicht auf ewig dem Oberklasse-Segment vorbehalten sein. Denn er passt theoretisch auf alle Motoren - ob groß oder klein, Diesel oder Benzin. Deshalb soll das Produkt noch kostengünstiger und flexibler werden. Entsprechend werde es kontinuierlich weiter entwickelt. „Die tägliche Herausforderung wird jetzt sein, das Produkt zu verfeinern, es in der Produktion zu verbessern und es kosteneffizienter herstellbar zu machen, um insbesondere auch die Fahrzeuge im mittleren Segment mit dieser spritsparenden Technologie ausrüsten zu können“, meint er.

„Das liegt derzeit natürlich voll im Trend: Die Industrie muss und will grün sein“, erklärt er. „BorgWarner begann bereits frühzeitig mit der Entwicklung von Technologien wie dem eBooster, bevor ein verstärktes Umweltbewusstsein in der Automobilindustrie Einzug erhielt.“ Es war keine Reaktion; vielmehr habe der Schritt der Automobilhersteller, auf ein 48-Volt-Bordnetz zu setzen, den Stein angestoßen. „Mit 12-Volt geht es zwar auch, aber hier ist die nutzbare Leistung begrenzt“, erklärt er. „Durch das bessere Bordnetz ist der Markt bereit für diesen Wechsel. Es gab dann endlich Autos die damit fuhren, und unsere spritsparende und leistungssteigernde Technologie konnte zum Einsatz kommen.“

Der Appeal ist schnell erklärt: Turbomotoren haben das zentrale Problem der Turbolöcher, da die Lader unterhalb einer gewissen Motordrehzahl etwas Zeit benötigen, um den notwendigen Ladedruck bereitzustellen. „Diese Anfahrschwäche löst der eBooster, weil er immer direkt den vollen Ladedruck liefert, den ein Turbo anfänglich nicht erreichen kann. Wir schaffen es, eine Verdichterdrehzahl von 70.000 Umdrehungen pro Minute innerhalb von 0,2 Sekunden zu erreichen. Der Ladedruck kommt dann direkt“, erklärt der Entwickler. Ergänzend zum normalen Turbolader sorgt er so für den nötigen Druck im unteren Drehzahlbereich des Verbrennungsmotors- und nebenbei auch für mehr Effizienz, weil der Motor in einem optimaleren Betriebspunkt genutzt wird und eine sauberere Verbrennung erlaubt. „Fährt sich ähnlich wie ein Sauger, ist aber eigentlich nur ein effizienter kleiner Turbomotor“, fasst er es zusammen.

„Es macht einfach Spaß, sowas zu entwickeln und das dann auch fahren zu können“, meint er und schwärmt von den Probefahrten mit den Prototypen in Deutschland und Amerika. „Etwas zu entwickeln, das dann in einem realen Produkt ankommt und den Menschen gefällt. Das ist das Highlight der Arbeit.“ Die Tätigkeit in der Autoindustrie sei abwechslungsreich und biete immer neue Möglichkeiten, den eigenen Horizont zu erweitern und die Welt zu sehen. „Ich bereue es nicht, diesen Weg eingeschlagen zu haben“, sagt Speller. „Ich habe mir einen Traum erfüllt.“