LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Eatwith oder Home Restaurant - Die eigene Wohnung als Restaurant

Restaurant-lose Gastronomie ist nichts Neues. Schon seit langem werden größere Feste von außen bekocht. Das beste Beispiel ist der Caterer, der ein Fest oder einen Empfang mit dutzenden oder hunderten Gästen kulinarisch versorgt. Auch ein traditioneller Landmetzger, der eine größere Familienfeier mit Deftigem aller Art versorgt, fällt unter denn Oberbegriff des Caterers. Wer sich ein wenig im Netz umsieht, findet spannende Varianten und Angebote. Leider sind sie manchmal sehr weit weg, so gibt es in Stockholm die Webseite „Gastronaut“, die Catering mit „culinary masterpieces from around the world by talented immigrant chefs“ anbietet. Eine andere Art der Integration.

Der Profikoch, der zu seinen Kunden nach Hause kommt, um in deren Privathaus für ein Familienfest zu kochen, ist der zweite Klassiker der Gastronomie ohne Restaurant. In Ballungsräumen, wo es einen entsprechenden Markt gibt, haben etliche Chefs den Stress mit der Küchenbrigade zugunsten eines Berufslebens als Einzelkämpfer in fremden Küchen hinter sich gelassen. Gut, das Ganze funktioniert auch mit angeliefertem Essen, aber mit einem „eigenen“ Koch macht es mehr Spaß und mehr her.

Wenn bis jetzt von bekochten Events die Rede war, steht diese Art der Gastronomie nicht im direkten Wettbewerb mit dem normalen Restaurantbesuch. Seit ungefähr 15 Jahren gibt es aber einen weltweiten Trend, der sich zu direkter Konkurrenz für das klassische Restaurant entwickelt.

Von neuen Wegen zu reden, wäre ziemlich platt, aber hierzulande ist die Sache noch relativ unbekannt. Die Stichworte lauten „Eatwith“ und „Home Restaurant“.

Guerilla-Restaurants: Bewirtung im Wohnzimmer

Was sich dahinter versteckt, ist eine vielfältige Szene von Guerilla-Restaurants, die 2006 erstmals in New York auftauchten und bald auch ihren Weg nach Europa fanden. Im Kern wird in einem Privathaus oder einer Wohnung gekocht, „Werbung“ und Anmeldung laufen nur über soziale Netzwerke. Vereinfacht gesagt, der Koch lädt sich fremde Gäste nach Hause ein, die für ihr Essen zahlen. Der Sammelbegriff lautet „social-dining“, Essen als sozialer Austausch mit anderen, nicht nur durch Reden, auch durch die Art der oft sehr lokalen oder fremdländischen Küche.

In der Ursprungsform noch ziemlich anarchisch und vor allem an der Gewerbeaufsicht und dem Finanzamt vorbei, wurde diese Form des Home-Restaurants so weiter entwickelt, dass zumindest ein Teil auf legalem Boden steht. Auf der Webseite homerestaurant.com heißt es dazu: „Durch die Social Networks breitete sich die Mode wie ein Netz aus und bewirkte die Entstehung (…) der Home Restaurants. Kochen, eine Leidenschaft, die sich in ein regelrechtes Business verwandeln kann, wenn einige Regeln befolgt werden, die von den Gesetzen des jeweiligen Landes vorgeschrieben werden.“

Wobei die Home Restaurants als die beste Möglichkeit gelten, die wahre Küche eines Landes oder einer Region zu entdecken. Stichwort: „Essen wie bei Mama“. Im Gegenzug ist das Home Restaurant ideal für engagierte Amateur-Köche, um Freunde und Fremde zu bekochen und deren Feedback direkt zu erhalten. Die Bewegung der Home Restaurants hat sich auf die Fahne geschrieben, Qualität und Tradition aufrecht zu erhalten.

Richtig professionell wird die Sache mit Webseiten wie eatwith.com, die weltweit Gäste und (Hobby)-Köche zusammenbringen. Flapsig formuliert eine Art „Airbnb“ fürs Abendessen. Über „Eatwith“ werden die Bestellungen in den jeweiligen Städten mit den Köchen abgewickelt, ebenso die Bezahlung für die „Wohnzimmer-Restaurants“. Gleichzeitig sorgt „Eatwith“ aber auch dafür, für Feste und kleinere Events, Köche und Gastgeber - hier sind die Rollen vertauscht - zusammenzubringen. Eines der Ziele ist auch hier die Vermittlung von regionaler (Ess-)Kultur, dazu zählen auch Kochkurse und kulinarische Rundgänge.

Die Zeiten des unlauteren Wettbewerbs (keine Steuern, keine Regeln) mit normalen Restaurants sind wohl vorbei, dafür agieren die Eatwith-Köche zu sehr in der Öffentlichkeit. In Ländern mit einer starken Schattenwirtschaft mag das vielleicht noch anders sein, aber in unseren Breiten wächst eine neue Konkurrenz heran, die sich als klare Alternative für herkömmliche Restaurants versteht. Früher oder später auch in Luxemburg. Patrick Welter