LUXEMBURG
DANIEL OLY

Die „Djent“-Band HYBRIDISM stellte am Freitag ihr Debüt-Album vor

Ein experimenteller Instrumental-Mix aus Metal, Groove- unter dem neuen Genre „Djent“ - das verspricht die vierköpfige Band HYBRIDISM; sie spielt am heutigen Freitagabend ihr Debüt im „L’Entrepôt“ in Arlon und veröffentlicht zeitgleich ihr erstes Album mit demselben Namen. Wir haben uns vorab umgehört, was es mit dem „Djent“ so auf sich hat und wie die erste Platte des Quartetts rund um den Kopf der Band, den belgischen Gitarristen Jeffrey Ricaille, entstanden ist.

„Das Band-Projekt gibt es erst seit rund zwei Jahren - zumindest als Idee von Jeffrey“, erklärt der luxemburgische Bassist Marc Muller. „Wir spielen reines Instrumental und ganz ohne Lyrics.“ Die Gruppe besteht demnach aus insgesamt vier Mitgliedern: Neben Ricaille spielt auch der Franzose Alexis Kaupp Gitarre; Muller spielt die Bass-Spur, während der Franzose Lucas Billon am Schlagzeug spielt „Im Mittelpunkt stehen herabgestimmte Gitarren mit basslastigen Tönen“, weiß Muller. „Unter anderem werden hier auch achtsaitige Gitarren gespielt.“

Start als Internet-Phänomen

Insgesamt wird der Sound damit groovig und experimentell, mit komplexen Kompositionen. „Das ist in dem Genre so üblich“, weiß der Bassist. An Vorbildern wird sich dabei auch orientiert: Etwa an der Band „Meshuggah“, die den Stil begründete, oder den Bands „Periphery“ und „Animals as Leaders“. „Es gibt eine Menge abgedämpfte, tiefe Klänge aus der Gitarre - daher auch das bezeichnende Lautwort ,Djent‘, das den Sound der Gitarre meint“, erklärt Muller. „Der Metal erfindet sich damit und mit seinen polyrhythmischen Aspekten geradezu neu.“ Die Musiker spielen auch selbst ständig mit Kopfhörern statt über Verstärker, um sich voll auf ihre eigenen Sounds konzentrieren zu können.

Entstanden sei „Djent“ als Internet-Foren-Phänomen, bei dem sich Gitarristen über neue Arten, Klänge zu erzeugen, ausgetauscht haben. „das hat sich inzwischen vollständig in die Musik geschafft“, erklärt der Bassist. So sei auch HYBRIDISM als Ein-Mann-Projekt begonnen worden. „Unser Gitarrist Jeffrey hat mit dem Stil herumexperimentiert, erste Songs geschrieben. Schrittweise hat er dann neue Leute ins Projekt geholt - zuerst unseren Drummer, dann mich und zuletzt unseren zweiten Gitarristen - und so nach und nach die Band geschaffen“, erklärt er. Seitdem habe man nur geprobt, Auftritte gab es bis zum heutigen Freitag keine, aber eine erste Single gab es als Vorschau schon im Dezember. „Das war eine Wahnsinnsarbeit. Die erste Präproduktion im heimischen Studio mit ersten Aufnahmen startete Mitte 2018.“

Diese ersten Aufnahmen seien dann auch ein wesentlicher Vorteil bei den Sessions im Studio in Prag gewesen, bei denen das Album letztendlich entstand. „Wir konnten viele von den Aufnahmen dort neu einspielen, was uns sehr viel Zeit - und damit Geld - erspart hat. Insgesamt waren wir trotzdem zehn Tage vor Ort in Prag, um das Album fertigzustellen“, weiß Muller. Der Preis habe dabei schon eine Rolle gespielt, denn das gesamte Album wurde aus eigener Hand finanziert. „Wir hatten aber einen Freundschaftspreis“, verrät er. Der Kopf der Band habe sich mit Tomas Raclavsky, dem Gitarristen der tschechischen Band „Modern Day Babylon“, auf einem Konzert angefreundet - und dieser hat HYBRIDISM kurzerhand sein Studio zur Aufnahme angeboten.

Erstmal ohne Vocals

Auf dem Album finden sich so sechs Songs, die allesamt von Gitarrist Jeffrey geschrieben wurden. „Wir alle haben aber später gemeinsam für das Arrangement gesorgt“, erklärt der Bassist. Dass sich das für das schon mal vorsichtig optimistisch angepeilte zweite Album ändern könnte, und auch andere Bandmitglieder ihre eigenen Songs schreiben könnten, sei aber keinesfalls abwegig. „Das kann sich ändern, das sehen wir ja dann.“ Was sich jedenfalls nicht ändern soll, ist der rein instrumentale Klang. „Wir hatten es kurzzeitig mit einem Sänger probiert, der musste aber leider zufällig kurz vor den Studioaufnahmen weg, weshalb wir uns jetzt einfach für eine reinen Instrumental-Band entschieden haben“, sagt er. Ein Alleinstellungsmerkmal ist das aber allemal. „Es hat eben Vor- und Nachteile. Ein Vorteil ist, dass wir uns mehr Freiraum für unsere Melodien nehmen können.“

Am Freitag wurde dann endlich, endlich aufgespielt - natürlich mit Bühnenshow, um den Zuschauern ein wenig etwas zu bieten, was sonst durch einen fehlenden Sänger abhanden kommen könnte. „Da ist die Bühne des ,L’Entrepôt‘ in Arlon aber zum Glück sehr kooperativ“, betont er. „Er ist ganz klar einer der besten in der Großregion. Hilfsbereit, flexibel, ohne Limits.“

Was die Zukunft bringe, wisse man aber noch nicht. „Wir haben auf jeden Fall vor, weiter Musik zu machen, auf Festivals aufzutreten - zum Beispiel auch auf der Fête de la musique - und weiter am Ball zu bleiben“, meint Muller. „Schauen wir mal, was daraus wird.“ Durch die Nähe zur tschechischen Band „Modern Day Babylon“ könnte es sogar so weit kommen, dass HYBRIDISM auf Tour geht. „Wir hätten eine Möglichkeit, als Vorprogramm mit ihnen zu touren. Mal schauen, wie wir das dann alles unter einen Hut bekämen.“


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