CLAUDE KARGER

Noch zweimal schlafen - und einmal feiern - und die Menschheit ist im Jahr 2019 angekommen. Wie immer zur Jahreswende stellt sich ein Gefühl des Neuanfangs ein, man fasst optimistische Entschlüsse, doch alles besser zu machen als in den letzten zwölf Monaten.

Leider werden die guten Vorsätze nach den besinnlich-geselligen Tagen durch die Alltagssorgen meist wieder rasend fix zerrieben. Schaffen wir es aber, auch nur ein Quäntchen davon in die Tat umzusetzen, wird das Jahr schon als gutes in die persönlichen Annalen eingehen. Und die Welt wird vielleicht sogar tatsächlich ein bisschen besser. Bisweilen scheint es uns, als ob wir uns zu wenig bewusst wären, welche Verantwortung wir tragen und welche Fähigkeit jeder Einzelne hat, Dinge zum Besseren zu bewegen. Engagement ist gefragt, für mehr Gerechtigkeit, für mehr Solidarität, für den Erhalt der Natur, die wir munter weiter zugrunde richten, obwohl uns die Wissenschaft längst vor Augen geführt hat, was Wegwerfkultur und Dauerkonsumrausch mit dem Planeten machen.

Es reicht nicht, allein darauf zu vertrauen, dass die Technik am Ende alles richtet und rein auf die Politik zu setzen, um die Welt zum Positiveren zu wenden. Letzteres ist übrigens überhaupt nicht das Ziel derjenigen, die derzeit leider überall in Europa und auch weltweit im Aufwind sind. Die Rede geht von Populisten, die Gesellschaften aus purer Machtpolitik durch Neid, Angst und Hass zu spalten versuchen und dauernd auf der Suche nach Sündenböcken sind - vornehmlich Minderheiten, die kaum eine Stimme haben -, um selbst keine Verantwortung tragen oder gar echte Lösungen für Probleme anbieten zu müssen. Eins steht fest: Die Grenzschließungen und sogar Mauern, die Populisten dauernd ins Feld führen und für die sie sogar wie derzeit in den USA schwere Krisen verursachen, sind in Zeiten der Globalisierung keine Lösung. Leider aber ist zu befürchten, dass Zeitgenossen, die das Gegenteil behaupten, auch im Jahr 2019 weiter Rückenwind bekommen von bereits verunsicherten Wählern, deren Verunsicherung sie noch durch die Verbreitung falscher Ängste weiter schüren. Die Europawahlen Ende Mai werden ein weiterer Test dafür, ob die Saat jener, die das einzigartige Friedens- und Wohlstandsprojekt Europäische Union sprengen wollen, aufgeht. Diese Wahlen erfolgen knapp zwei Monate nach einem historischen Bruch in der europäischen Gemeinschaft: Am 29. März wird Großbritannien nach knapp 45 Jahren und nach einem 2016 im Rahmen eines hochbrisanten Polit-Machtpokers angezettelten Referendum der EU „Bye Bye“ sagen.

Bis dato bleibt ungewiss, ob der Brexit in geregelten Bahnen verlaufen wird, oder im Chaos endet. Über kleine und größere Krisen werden wir wohl auch im „neuen“ Jahr wieder viel berichten müssen. Aber natürlich wird es wie immer auch Lichtblicke geben. Geschichten von Altruismus, Solidarität und Erfolgen im Sinne der Allgemeinheit kommen fast täglich in der Redaktion an. Das Wirken dieser Menschen erfüllt mit Zuversicht und lädt hoffentlich zur Nachahmung ein. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen, liebe Leser, jetzt schon einen guten Start ins Jahr 2019. Und vor allem eine gute Gesundheit. Denn ohne sie ist alles nichts.