COLETTE MART

Die CSV ist seit den vergangenen Europawahlen nicht mehr die stärkste Partei. Und das ist gar nicht schlimm. Diese veränderte Position kann eine Chance sein, politische Strategien zu überdenken und sich neu in der Parteienlandschaft zu positionieren. Denn bereits 2013 machte die CSV die Erfahrung, dass es ihr eigentlich nichts einbringt, die größte politische Kraft gewesen zu sein.

Die Demokratie hat es eben an sich, allgemein Höhenflügen und Arroganz in allen Parteien Grenzen zu setzen. Und zu viel Selbstsicherheit in der Politik ist schlecht für das Land, für eine Partei und für die Gesellschaft, und hiermit sind alle Parteien gemeint.

Sicherlich hat die CSV über Jahrzehnte von dem positiven Image Jean-Claude Junckers profitiert, er war ein Sozialer aus dem Süden, die Gesellschaft der Minettgegend war sein Lehrmeister.

Außerdem war er ein ausgezeichneter Redner, so, wie es sie doch nur alle paar Jahrzehnte einmal gibt. Zu dieser Kategorie zählte auch Gaston Thorn, und mittlerweile kann auch Xavier Bettel durchaus berührend reden, manchmal bis in die Tiefe seines Themas gelangen, so wie er zum Beispiel bei der Erinnerungsfeier auf dem Militärfriedhof in Hamm kürzlich bewiesen hat.

Die Frage, was nach Jean-Claude Juncker aus der CSV werden sollte, wurde beantwortet. Die CSV war 2013 zwar angeschlagen, wurde aber nicht unbedingt vom Wähler abgestraft, der immer noch seine Solidarität und seine Empathie für ihren Jean-Claude Juncker hatte. Und doch übernahmen andere Kräfte das Ruder und bewiesen dabei Mut zum politischen Risiko, denn die Rechnung hätte beim Wähler auch anders ausgehen können.

Die Lektion, die also hier für die CSV zu ziehen war, ist, dass man sich nichts dafür kaufen kann, wenn man die stärkste Partei ist, dass man Kompromisse machen muss, bescheiden bleiben muss.

Mittlerweile wuchs eine neue Generation von CSV-Politikern heran, und neben erfahrenen Politikern der Generation Reding, Mosar, Wiseler, Spautz konnten sich jetzt zum Beispiel in der Hauptstadt ein Serge Wilmes, ein Maurice Bauer und eine Claudine Konsbrück profilieren, die sich durch Bürgernähe im politischen Alltag auszeichnen. Auch Isabel Wiseler-Lima wurde mit ihrem herzlichen Stil ins Europaparlament gewählt, Paul Galles kam als sozial Engagierter auf Anhieb in die Abgeordnetenkammer, so dass das Potenzial einer Erneuerung der CSV durchaus da ist. Es bringt demnach nichts, auf alte Zeiten zurückzublicken, die Zeiten haben sich geändert, und das ist gut so.

Demgemäß bleibt noch die Frage, wieviel Platz eigentlich in der politischen Mitte ist, und welchen Platz die Christlichsozialen in einem Land einnehmen sollen, in welchem der Impakt der Religion allgemein zurückgeht.

Eines steht fest: die Christlichsozialen haben, gemeinsam mit der DP, den Grünen und den Sozialisten die Aufgabe, die große Mehrzahl der Wähler gemeinsam zu überzeugen und demnach ein Bollwerk gegen Rechts darzustellen.