COLETTE MART

Die Vorweihnachtszeit ist traditionsgemäß ein Moment erhöhten Konsums. Geschenke und üppiges Essen gehören in vielen Familien zum Jahresende, Sonderangebote in Geschäften und auf Weihnachtsmärkten locken mit einer Fülle von nützlichen und unnützen Dingen. Allerdings zeichnet sich seit einigen Jahren eine Veränderung in der Sensibilisierung für die manchmal menschen- und tierverachtenden Verhältnisse bei der Herstellung von Konsumgütern ab. Die sozialen Netzwerke tragen wesentlich dazu bei, dass wir heute wissen, dass Garnelen und Krabben von Sklaven auf thailändischen Schiffen gefischt werden, dass unsere Kleider manchmal für ganz wenig Geld von kleinen Mädchen in Bangladesch oder Indien produziert werden.

Sogar der Kauf von Gemüse und Obst im Supermarkt rührt an Bilder ausgebeuteter Flüchtlinge auf den Plantagen Südeuropas, und die Fleischproduktion geht Wege in der Massentierhaltung, die mittlerweile viele Menschen zu Vegetariern gemacht hat. Unser Plastikmüll findet sich in den Bäuchen der Fische wieder, und der immer wieder durch Werbung angeheizte Konsum führt zu Übergewicht, respektive auch zur Ansammlung von Dingen in unseren Wohnungen, die wir nicht wirklich brauchen, die uns nicht einmal mehr Freude bereiten, sondern lediglich ein Durcheinander verursachen, das uns von den wesentlichen Dingen im Leben, die wirklich zu einer Bereicherung führen können, entfernt. Auch wenn wir ökonomischen Begebenheiten, und den manchmal damit verbundenen schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen, dem Mangel an Respekt vor den Tieren und der Natur kaum individuell entgegensteuern können, so hilft doch jedem Einzelnen ein Bewusstsein darüber, welcher Welt er in den nächsten Jahrzehnten zuarbeiten will. Die Sensibilisierung für Menschenverachtung und Tierquälerei in den sozialen Medien trug tatsächlich ihre Früchte. Nestlé verlor 16 Prozent seines Umsatzes durch eine weltweite Kampagne gegen rücksichtslosen Wasserverbrauch, Gänseleber wird sicherlich weniger gekauft, und Billigfleisch bekam für viele einen schlechten Nachtgeschmack. Es stellt sich für jeden einzelnen von uns die Frage, ob wir nicht mit einer bestimmten Geldsumme weniger einkaufen könnten, uns dafür aber auf Produkte beschränken sollten, bei denen Sozialstandards berücksichtigt werden.

Natürlich wissen wir nicht, ob auf diese Weise den Ärmsten der Armen nicht jegliche Überlebensmöglichkeiten genommen werden. Es ist aber davon auszugehen, dass der Druck, der auf Betriebe entsteht, die Sozialstandards nicht respektieren, viel größer wird, und dass sie nicht an Bemühungen vorbeikommen, in einer sensibilisierten Weltöffentlichkeit doch konkurrenzfähig zu bleiben und bessere Arbeitsbedingungen schaffen. Allgemein würde uns tatsächlich die Mäßigung in allem, im Konsum, im Essen, im Reisen tatsächlich gut tun und viele Menschen gehen bereits diesen Weg. Die Vorweihnachtszeit sollte uns demnach zum Nachdenken darüber anregen, was wir denn jetzt wirklich für die Feiertage brauchen, was uns tatsächlich Freude bereitet und wo schlussendlich die wirklichen Bereicherungen im Leben liegen.