LUXEMBURG
JK

Erinnerung an die ersten ab Luxemburg nach Litzmannstadt deportierten Juden

Unter dem Motto „Grenzenlos gedenken“ wurde gestern mit einer ersten grenzüberschreitenden Gedenkfeier in der hauptstädtischen Bahnhofshalle an die erste Deportation jüdischer Bürger ab Luxemburg (über Trier) ins Ghetto von Litzmann-stadt erinnert. Organisiert wurde die Gedenkfeier vom „Comité Auschwitz“ unter Präsident Marc Schoentgen.

Vor 78 Jahren

Heute vor 78 Jahren, am 17. Oktober 1941 gegen 01.00 nachts, verließ ein Zug mit 323 jüdischen Menschen an Bord den Hauptbahnhof in Luxemburg. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) hatte verfügt, dass sie sich am Tag zuvor (16. Oktober) am Hauptbahnhof der Stadt Luxemburg im Gebäude der Zollverwaltung einzufinden hätten. Etwa die Hälfte der betroffenen Juden kam aus der Hauptstadt, die aus weiter entfernt gelegenen Ortschaften wurden hierhin transportiert.

Auch 21 Juden aus dem Sammellager Fünfbrunnen (Cinqfontaines) waren in diesem Zug. Nach Wien und Prag war dies der dritte Deportations-Transport der Nazis nach Litzmannstadt im besetzten Lodz (Polen). Der Transport lief unter der Bezeichnung „Da 3“ und war der erste aus Westeuropa. Wie bei der Gedenkfeier weiter zu erfahren war, hielt der Zug auf seinem Weg nach Litzmannstadt unter anderem in Trier, wo weitere 189 jüdische Menschen zustiegen. Die Gestapo hatte angeordnet, dass sie sich am 16. Oktober um 14.00 im Bischof-Korum-Haus in Trier einzufinden hätten. Die meisten der betroffenen deutschen Juden lebten in Trier und Umgebung, einer kam aus der Nähe von Welschbillig, elf aus Wittlich. 60 lebten in Hunsrück- und Moseldörfern des Kreises Bernkastel. Die Gestapo brachte letztere mit der Moselbahn nach Trier, die 27 Juden aus den Hunsrück-Gemeinden wurden mit dem Bus nach Bernkastel gebracht, ihr Gepäck mit einem Lkw.

Sowohl die in Luxemburg lebenden Juden als auch die aus dem Großraum Trier durften nur einen Koffer pro Person (maximal 50 Kilo), Bettzeug und zwei Decken, Bekleidung nur was am Körper getragen werden konnte, Bargeld pro Person bis 100 Reichsmark und Verpflegung für vier bis fünf Tage mitnehmen. Schmuckgegenstände waren bis auf den Ehering verboten. Ihre Lebensmittelkarten mussten die betroffenen Juden vor der Abfahrt abgeben. Die Wohnungen waren zu verschließen und die Schlüssel bei der Sicherheitspolizei (SiPo) abzugeben. Das Nichterscheinen wurde mit schärfsten staatspolizeilichen Mitteln geahndet. Am 18. Oktober 1941 um 14.30 erreichte der Zug Lodz in Polen.

323 Juden aus dem Großherzogtum

Fünf Schülerinnen des hauptstädtischen „Lycée Michel Lucius“ trugen alsdann die Namen der 323 jüdischen Bürger der ersten Deportation ab Luxemburg ins Ghetto Litzmannstadt vor. Allein in diesem Zug, dem noch weitere folgen sollten, waren 162 jüdische Bürger aus Luxemburg-Stadt, einer aus Altrier, drei aus Beringen (Mersch), drei aus Consdorf, einer aus Diekirch, elf aus Differdingen, neun aus Echternach, 24 aus Esch-Alzette, 28 aus Ettelbrück, einer aus Flaxweiler, fünf aus Heiderscheid-Grund, einer aus Kahler, fünf aus Mamer, drei aus Manternach, 18 aus Medernach, vier aus Reisermühle, zehn aus Remich, drei aus Steinheim, zwei aus Strassen, vier aus Walferdingen, vier aus Wiltz und 21 aus Fünfbrunnen.