LUXEMBURG
INGO ZWANK

Bei der Explosion einer Granate im Munitionsdepot der Armee in Waldhof kamen zwei Minenräumer ums Leben - Zwei weitere Soldaten verletzt, einer schwebt in Lebensgefahr

Tragischer Zwischenfall gestern im Munitionslager der Luxemburger Armee: Gegen 10.30 kam es auf dem Gelände in Waldhof zur Explosion einer Artilleriegranate, wie die Staatsanwaltschaft offiziell in einer Stellungnahme gestern Mittag bestätigte. Bei dieser Explosion wurden zwei Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes getötet, zwei wurden verletzt, einer davon lebensgefährlich. Zwei Rettungshubschrauber waren mit Notarzt vor Ort. Zur Explosion sei es in einer Halle des Depots gekommen, in einem Raum, als die Mitarbeiter mit der Granate beschäftigt waren, die aber nicht mit einem Zünder ausgestattet war, wie es anfangs hieß. Die Explosion sei über mehrere Kilometer zu hören gewesen sein. Die Polizei und zwei Magistrate waren vor Ort, auch der psychologische Dienst der Rettungskräfte.

Sicherheitsperimeter bleibt noch bestehen

Auch am frühen Nachmittag war noch alles abgesperrt. Unzählige Dienstfahrzeuge als auch Rettungswagen befanden sich noch auf dem Gelände; die Polizei war vor Ort und sorgte dafür, dass das Fotografierverbot bezüglich der militärischen Einrichtung eingehalten wird - nur aus der Ferne ist das Fotografieren erlaubt.

Am späten Nachmittag gaben dann Verteidigungsminister Francois Bausch und General Alain Duschène, die gestern eigentlich der belgischen Militärbasis Melsbroek und den dort stationierten luxemburgischen Soldaten einen Besuch abstatten sollten, die Reise aber sofort abbliesen angesichts des Vorfalls am Waldhof, im Rahmen einer Pressekonferenz weitere Details über den tragischen Zwischenfall bekannt. Auch der stellvertretende Generalstaatsanwalt Georges Oswald war zugegen. „Zwei Unteroffiziere der Armee, 39 und 47 Jahre alt, haben ihr Leben verloren, zwei weitere Unteroffiziere, 41 und 44 Jahre, wurden verletzt“, sagte Bausch einleitend der Pressekonferenz, „ein tragischer Zwischenfall.“ Bausch, sichtlich gezeichnet von dem Vorfall, habe sofort Premier Bettel informiert, wie der Verteidigungsminister selbst ausführte, der dann sofort das Wort an den Verantwortlichen der Justiz weitergab. Oswald präzisierte: „Um 10.47 ist die Justiz informiert worden, von der Polizei. Die Staatsanwaltschaft hat sofort die Kripo zum Unfallort bestellt“, sagte Oswald, der auch bestätigte, dass sofort ein Sicherheitsperimeter eingerichtet worden sei. Es habe sich herausgestellt, dass eine 48 Kilo schwere Granate (8 Inch - 20 Zentimeter dick) aus dem Zweiten Weltkrieg explodierte. Diese Granate sollte verpackt und nach Belgien transportiert werden. Sie galt also quasi als entschärft, habe auf einem Gabelstapler gelegen. Dadurch, dass der Hangar, der Raum offen war, sei der ganze Druck der Explosion nach außen abgeleitet worden. Oswald betonte, dass „nichts auf einen terroristischen Anschlag“ hindeute.

Erster Zwischenfall dieser Art

Um 12.10 wurde der Untersuchungsrichter informiert, um weitere Maßnahmen anzuordnen. So wurde eine Autopsie der Getöteten angeordnet, auch ausländische Experten wurden genannt, die in die Ermittlungen einbezogen werden sollen.

Diese seien auch bereits vor Ort und hätten ihre Ermittlungen aufgenommen. Wie es genau zu der Explosion kam, „müssen die weiteren Ermittlungen ergeben“, so Oswald. Desweiteren wurde auf die laufenden Ermittlungen verwiesen. Wie General Duschène ausführte, habe es sich hier mehr oder weniger um einen Routinevorgang gehandelt, auch die Bombe sei eine der Art gewesen, die bereits öfters in Luxemburg gefunden worden sei. Die Getöteten seien Experten des Kampfmittelräumdienstes gewesen, die beiden Verletzten, ebenfalls Unteroffiziere der Armee, hätten Ausrüstung im Depot abgeholt, wie der General auf Nachfrage hin ausführte.

Dies sei das erste Mal, dass so etwas passiert sei. Wie die Staatsanwaltschaft weiter präzisierte, sei der leichter verletzte Unteroffizier ansprechbar und auch vernehmbar, „ein Beamter ist auf dem Weg zu ihm, um mit ihm zu sprechen“, so Oswald abschließend. „Wir können nur das mitteilen, was die Ermittlungen nicht behindert“, schloss Bausch, da bitte man um Verständnis.

Heute Morgen wird der parlamentarische Ausschuss für Innere Sicherheit und Verteidigung zusammenkommen, um mit Minister Bausch den tragischen Vorfall zu erörtern.