BERLIN
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Vom Q in „Querdenken“ zum Q in „QAnon“ ist es ein kleiner Schritt

Auf den ersten Blick muten sie harmlos an: bunte Fähnchen mit dem Buchstaben Q. Zahlreich zu erblicken auf den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen in den vergangenen Wochen. Q steht für Querdenken, ja. Doch das ist nicht die einzige Bedeutung dieses Buchstabens: „Q“ ist auch der Name des Urhebers der übergreifenden Verschwörungserzählung der QAnons, die in den USA ihren Anfang nahm.

Man sieht sich als Elite

Der Sektenexperte Matthias Pöhlmann beobachtet die Proteste hierzulande seit deren Beginn, war selbst bei einigen vor Ort. Er hat den Eindruck, dass mancher darauf aus sei, eine Verbindung zwischen der QAnon-Bewegung und den Querdenkern herzustellen. „Bei den Demos werden diese Fahnen verteilt“, erzählt er, „und viele wissen gar nicht, was sich dahinter verbirgt“. Man müsse unbedingt einen Blick auf diese Entwicklung haben, gehe es doch bei QAnon um antidemokratische und zum Teil antisemitische Überzeugungen, so Pöhlmann, der Sektenbeauftragter der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ist.
Die Verschwörungserzählung von „Q“ ist relativ neu: Sie wird seit 2017 verbreitet und sie geht so: „Q“, ein angeblicher Mitarbeiter oder eine Gruppe aus der Regierung, bringt regelmäßig Geheiminformationen über Kriminelle aus Politik, Finanzwesen und Showbusiness ans Licht. Grundlegend geht es darum, dass hinter allem, was auf der Welt passiert, eine Clique, ein Geheimbund die Fäden in der Hand hält - der „Deep State“. Dieser wolle eine „Neue Weltordnung“ durchsetzen.
QAnon-Anhänger sehen sich indes selbst als Elite; nur wer ihre Codes kennt, gehört dazu. Am häufigsten ist das Kürzel „WWG1WGA“ zu finden, das Zusammengehörigkeitsmantra „Where We Go One, We Go All“. „Dieses Rätselraten und Basteln macht für viele einen großen Reiz aus. Man puzzelt an der großen Verschwörungserzählung mit, ist daran beteiligt“, erläutert Pöhlmann. „Man zählt sich zu den Erwachten.“ Apropos erwacht: QAnon habe für viele ersatzreligiöse Funktionen, so der Experte. Es gebe etwa typisches Schwarz-Weiß-Denken, und auch apokalyptische Motive spielten eine Rolle. „Ich spreche bei QAnon gerne von einem versekteten Verschwörungsglauben.“
Und ihr Messias ist: Donald Trump. QAnons glauben, der US-Präsident rette die Welt vor einem satanischen Kult aus Pädophilen und Kannibalen. Immer wieder verbreiten sie vollkommen an den Haaren herbeigezogene Mythen über vermeintliche Befreiungsaktionen, die angeblich aus dem Oval Office in Auftrag gegeben werden. Trump wiederum hat offenbar kein Problem damit, von der Bewegung vereinnahmt zu werden.