LUXEMBURG
DANIEL OLY

Asteroiden sind das dunkle Risiko des Universums - der 5. „Asteroid Day“ macht sie zum Thema

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Erde durch einen gigantischen Meteoriten-Schlag ausgelöscht wird, ist verhältnismäßig gering. Schließlich sind mehr als 95 Prozent der wirklich massiven Brocken bestens bekannt, ihre Routen auf den Irrwegen durch das Universum auch. Viel gefährlicher sind die unbekannten Knaller im Dunkeln des Weltraums: Die kleinen Asteroiden, wie der, der 2013 über Russland zerbarst; 20 Meter war dieser groß. Dennoch zerstörte er Fenster, verletzte Menschen und verursachte Schäden in Millionenhöhe.

Gleichzeitig sind Asteroiden eine wahre Goldgrube - wortwörtlich. Sie können seltene Metalle oder Gase enthalten - oder einfach nur Wasser. Ressourcen, die für die weitere Erkundung des Weltalls nützlich wären. Deshalb ist es wichtig, möglichst viel über die unentdeckten Brocken in Erfahrung zu bringen.

Seit 2014 gibt es zu diesem Zweck den „Asteroid Day“; ins Leben gerufen durch den in Luxemburg lebenden Regisseur Grigorij Richters zusammen mit bekannten Persönlichkeiten wie dem Astrophysiker und „Queen“-Gitarristen Brian May, will der „Asteroid Day“ zu einem besseren Bewusstsein für das gesamte Thema rund um die Asteroiden aufrufen. An diesem 30. Juni ist es wieder soweit, der globale Informationstag hat aber einen ganzen Batzen anderer Events, die sich anreihen.

Aufmerksam machen

In Luxemburg gebe es den Organisatoren zufolge mehr als genug gute Gründe, um den „Asteroid Day“ hier abzuhalten; durch die Weltraumressourcen-Initiative gibt es eine legale Basis für die Asteroidenforschung und -erkundung, zudem werde das Potenzial für die Ressourcengewinnung ernst genommen. „Es ist dennoch kein alltägliches Thema“, meinte Georges Schmit, Mitgründer der ausrichtenden „Asteroid Fondation“. „Deshalb ist es so wichtig, dass wir diesen Tag ins Leben gerufen haben. Wir müssen darüber reden, uns damit auseinandersetzen, die Risiken und Chancen erkennen.“

„Wir wollen mehr über die Asteroiden in Erfahrung bringen - wo sie herkommen, wohin ihre Reise geht. Das wissen wir aber nur über einen Bruchteil der Objekte, die sich durch das All bewegen“, sagte er weiter.

„Auch die Nutzung der verfügbaren Ressourcen - das ist alles Zukunftsmusik, aber es ist wichtig, dass wir uns damit beschäftigen.“

Ziel des „Asteroid Day“ sei deshalb, die Menschen zu motivieren und ihr Interesse zu wecken. Zu diesem Zweck wurden mehrere schlaue Köpfe der Europäischen Weltraumagentur ESA sowie insgesamt sechs Astronauten eingeladen, um in Workshops und Präsentationen von dem Phänomen der Asteroiden zu sprechen. So wird es am heutigen Freitag ein live übertragenes Programm mit Fachleuten geben, für den morgigen Samstag sind „Meet and Greet“-Treffen mit den Astronauten und Kosmonauten Rusty Schweickart (Apollo 9), Ed Lu (STS-84, STS-106, Soyouz TMA-2) und Dorin Prunariu (Soyouz 40) geplant - dies im Cercle Cité in Luxemburg-Stadt. Im Anschluss gibt es dann ein Gala-Dinner mit allen Experten.

Die müssen dann aber am Sonntag erneut ziemlich fit sein; da sind dann nämlich Führungen im „natur musée“ geplant, dies ab 11.00 und noch bis 17.00, samt Vorlesung und Minikonferenz zu der potenziellen Bedrohung durch unerkannte Asteroiden. Auch Matt Dawson, Asteroidenentdecker aus Luxemburg, steht auf der Programmliste. Am gestrigen Mittwoch gab es derweil bereits ein technisches Briefing für interessierte Unternehmen, die im Sektor aktiv werden wollen.

Damit auch die Jugend direkt angesprochen wird, besuchen die Astronauten zudem direkt Luxemburgs Grundschulen und Gymnasien und geben so die Möglichkeit zum direkten Einblick in die Welt der Asteroiden. Raumfahrer wie der ehemalige ESA-Astronaut Reinhold Ewald, der gestern auch an die Problematik des Weltraumschrotts erinnerte. „Dieser regnet regelmäßig, ja eigentlich täglich auf die Erde hernieder“, sagte er. „Die ESA beschäftigt sich deshalb schon länger auch mit dieser Thematik, aber natürlich auch mit den Asteroiden insgesamt.“ Die Raumfahrtforschung gebe der Menschheit so die Möglichkeit, den interstellaren Gefahren und Chancen entgegen zu treten. „Rein aus eigenem Interesse“, betonte er. Schließlich riskiere ein unglücklicher Treffer unter anderem auch, wichtige Infrastruktur in der Umlaufbahn - Stichwort: Satelliten - zu stören. Zu diesem Zweck müsse reichlich beobachtet werden. Das geht natürlich am besten ebenfalls aus der Erdumlaufbahn. „Überall Teleskope, die in die große Leere hinaus starren und hoffen, einen kleinen Punkt zu erkennen“, sagte er. Da hofft er auf mehr Kooperation. „Weltraummüll verfolgt derzeit vor allem die US-Luftüberwachung NORAD, und zwar per Radar“, erklärt er. „Da ist es nur logisch, dass Europa da auch eine Rolle spielen sollte - bei den Asteroiden ist es genauso. Wir müssen sie früh genug erkennen.“ Eine andere Option ist die aktive, offensive Aktion gegen Asteroiden; hier nannten die Organisatoren die von der ESA und NASA in Partnerschaft geplante Hera-Mission, bei der im Oktober 2022 ein Asteroidenpaar von einer NASA-Sonde gerammt werden soll, während eine ESA-Sonde das Geschehen verfolgt. Dabei soll geprüft werden, ob sich der Kurs beeinflussen lässt. „Da geht es aber um einige wenige Sekunden Korrektur“, gab gestern einer der Raumfahrt- und Asteroiden-Experten im Raum zu verstehen. Dennoch erhoffen sich die Wissenschaftler wichtige Erkenntnisse in der Asteroidenforschung. „Luxemburg wird sich auch an dieser Mission beteiligen“, bestätigte derweil der Leiter der 2018 gegründeten Weltraumagentur des Großherzogtums, der „Luxembourg Space Agency“, Marc Serres. „Das wird ein First für Luxemburg sein.“

Löblich sei das Interesse Luxemburgs an den Geschicken der Brocken deshalb bereits heute, meinte eine weitere Mitgründerin des „Asteroid Day“, Danica Remy. „Ein solches nationales Interesse habe ich bislang lediglich am Beispiel der NASA gesehen“, betonte sie gestern. So seien die vergangenen Ausgaben des „Asteroid Day“ in Luxemburg auch jedes Mal ein gewaltiger Erfolg gewesen. Das bestätigte auch Marc Serres. „Jahr um Jahr fallen Tonnen Material aus dem All auf die Erde“, meinte er gestern bei der einleitenden Präsentation. „Mehr als 20.000 Objekte mit einem Gewicht von über zehn Gramm pro Jahr - gefüllt mit vielleicht genau dem Stoff, der aus unserem Planeten das gemacht hat, was er heute ist. Das ist doch spannend“, wusste er weiter. „Aber nicht alle sind so harmlos, und deshalb ist es so wichtig, dass wir uns damit auseinander setzen. Hier haben wir die richtigen Schritte ergriffen, mit der Weltraumressourcen-Initiative und dem neuen Weltraum-Masterstudiengang“, unterstrich er. Und so werde auch dieser 5. internationale „Asteroid Day“ mit Sicherheit ein Erfolg.

Hintergrund des Datums ist übrigens ebenfalls ein Meteoriten-Einschlag in Russland: Am 30. Juni 1908 stürzte im sibirischen Tunguska der größte Asteroid der jüngeren Erdgeschichte ab. Ohne Sponsoren geht der „Asteroid Day“ natürlich nicht. Deshalb dankte Schmit der „Luxembourg Space Agency“, dem Satellitenbetreiber SES sowie dem Ausrichter Arendt & Medernach – und vielen mehr.
www.asteroidday.org
space-agency.public.lu