LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

„Mühlenbacher Geiseldrama“ wird vor Gericht verhandelt

Vier Männer, die sich wohl im Dezember 2012 an einer Geiselnahme beteiligt hatten, müssen sich seit Dienstag vor der Kriminalkammer des Bezirksgericht Luxemburg verantworten. Für zwei Angeklagte, Redda B. (49) und Ali A. (48), lautet die Anklage auf Raub in einem bewohnten Haus, Drohungen, Einbruch mit Waffeneinsatz, schwere Verstümmelung und Bandenkriminalität. Die zwei Männer überfielen am 12. Dezember 2012 einen Juwelier in der Montée de Crépin in Luxemburg. Beim Überfall kam es am 13. Dezember 2012 zu einer Geiselnahme. Die Geiselnahme („Mühlenbacher Geiseldrama“) war ein aufsehenerregendes Verbrechen. Die Gangster hatten die Opfer rund 24 Stunden in ihrer Gewalt.

Den anderen zwei Angeklagten, Mohamed F. (38) und Daniel V. (33), wird Mittäterschaft, Geldwäsche und Hehlerei vorgeworfen. Sie sollen nach dem 12.Dezember 2012 bis zum 08. März 2013 die gesamte Beute oder Teile davon in Frankreich und in Spanien verkauft haben.

Vorgetäuschter Schmucktransaktion

Drei Gangster sind auf freiem Fuß und stehen unter juristischer Aufsicht. Redda B. sitzt seit 2013 in Frankreich im Gefängnis. Um am Prozess teilnehmen zu können, wurde der Gefangene nach Luxemburg gebracht. Sein Anwalt kann momentan nicht am Prozess teilnehmen, weil er gleichzeitig in einem anderen Kriminalprozess die Verteidigung eines Hauptbeschuldigten übernommen hat.

Ein Ermittler berichtete am Dienstagmorgen, wie die Polizisten am Tatorten vorgegangen waren und was sie an Spuren sicherstellen konnten. DNA auf Tassen, Gläsern, Flaschen, Zigaretten und Blut wurden entdeckt. Der Ermittler erzählte weiter, wie sich die Geschichte dann abgespielt hatte. Unter Vortäuschung einer Schmucktransaktion hatte ein Mitglied der Bande, Redda B., den Chef der luxemburgischen Firma kontaktiert. B. nannte sich Sofian und gab sich als Sicherheits-Chef eines kuwaitischen Prinzen aus. So wollte der Prinz in die Firma Geld investieren. Die Rede ging von etwa 2,5 bis 3 Milliarden Euro oder Dollar. Außerdem, so die Aussage, wollte der Prinz für zehn Millionen Uhren kaufen. Dem Chef der luxemburgischen Treuhandgesellschaft wurde übermittelt, er solle andere Juweliere einladen, die Modelle von Luxusuhren präsentieren sollten. Gesagt getan. Ein persönliches Treffen kam in Paris in einem Hotel zustande. Das Treffen in Luxemburg wurde dann über eine Anwaltskanzlei in Paris organisiert.

Am 12. Dezember 2012 wurde der Chef der Treuhandgesellschaft in seinem Haus in der Montée St Crépin überfallen und festgehalten. Um Druck auf den Geschäftsmann auszuüben, zogen die Gangster dem Geschäftsmann eine Sprengstoffweste an. Um ihn zu überwachen, legte sich B. sogar mit dem Opfer ins Bett. Der heute 57-jährige Geschäftsmann hatte versucht, zu flüchten - hierbei wurde er arg von Redda B. geprügelt. Nach dem Vorfall hatte er ein paar Rippen gebrochen. Sein linkes Ohrläppchen hatte man ihm halb abgerissen, sodass der Hautlappen im Krankenhaus wieder angenäht werden musste.

Am nächsten Tag fuhren die Täter mit ihrem Opfer in die Treuhandgesellschaft, wo die anderen Juweliere warteten. Ali A. und der Sicherheitschef Sofian hielten zunächst acht Personen (darunter eine Frau) in der „Millebaacher Stroos“ in den Räumen der Treuhandgesellschaft als Geiseln fest. Bewaffnet und mit dem Geschäftsmann als Geisel erzwangen die Täter dort von einigen Personen die Herausgabe von Luxusuhren. Dann wurden die Personen allesamt im Untergeschoss in einen Heizungskeller eingesperrt, mit Krawatten gefesselt, der Mund wurde mit Klebeband zugeklebt. Die Gangster zogen einer 43-jährigen Geisel, Gilles F., ebenfalls eine Weste mit Sprengstoff an. Wahrscheinlich drohten sie, das Haus in die Luft zu sprengen und damit sich und die Geiseln zu töten. Der Ermittler erklärte aber, dass nie definitiv geklärt werden konnte, ob der Sprengstoff echt war oder nicht.

Die Gangster stahlen dem Geschäftsmann 140.000 Euro, einen Porsche, einen BMW, eine Kamera, Kleider und Schmuck. An verschiedenen Banken hoben sie mit diversen gestohlenen Bankomat- und Kreditkarten Geld ab. Dabei erbeuteten sie rund 12.000 Euro. Zwei Gangster hatten Messer und Waffen (Pistole mit Schalldämpfer) bei sich. Sie flüchteten mit dem Entführungsopfer Gilles F. nach Paris. Am 14. Dezember 2012 wurde der Mann gegen 1.00 in Paris freigelassen.

Der Prozess wird heute fortgesetzt.