LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

80 Schüler entdecken die ICT Spring - neue Ausbildungsgänge im technischen Bereich

Rund zehn Schüler des Lycée Lënster schauten auf Bildungsminister Claude Meisch und dieser blickte auf den Mitarbeiter von Firis, der erklärte, wie das junge Unternehmen smarte und Internet of Things-Systeme erstellt. Ein paar Meter weiter steht eine Gruppe von jungen Männern am Stand der POST und erfährt von einer Mitarbeiterin, „dass wir Leute brauchen, die Lösungen bringen, installieren oder auch im Verkauf tätig sind.“

Die Szenen spielten sich gestern am zweiten und letzten Tag der ICT Spring-Messe auf dem Kirchberg ab. In das dortige European Convention Center hatte der Bildungsminister rund 80 Schüler aus fünf Lyzeen eingeladen. Einerseits ging es darum, sie mit technologischen und digitalen Entwicklungen vertraut zu machen und künftige Arbeitgeber kennen zu lernen. Dazu erhielten die Schüler in vier Gruppen eine Führung mit Gesprächen auf der Messe. Dank ihrer weißen, vom Ministerium gesponsorten Polo-Shirts waren sie gut erkennbar. Andererseits nutze Meisch die Gelegenheit, die neue Technikerausbildung vorzustellen.

Diese werden an fünf Gymnasien unterrichtet: Lycée des Arts et Métiers, Lycée Guillaume Kroll, Lycée technique d’Ettelbruck, Lënster Lycée und Lycée privé Emile Metz. Dabei geht es im Grunde um eine komplette Überarbeitung der Elektrotechnik, aber auch um eine intensive Zusammenarbeit mit den Unternehmen, die alle händeringend Nacgwuchs suchen. Ein schlanker, großer Schüler meint: „Früher wollte ich Zugführer werden. Aber jetzt macht mir meine Ausbildung viel Spaß und ich will hier weitermachen.“ Er ist sich schon sehr sicher, dass er einen Job findet. Vertreter der Berufskammern, die die Schülergruppen auf der Messe begleiten, können ihm dabei nur Recht geben.

Smart Technologies und fünf Bereiche

Der neue Bereich heißt „Smart Technologies“ und befasst sich mit Themen wie Robotik, Smart & Green Energy, Smart Home, Elektromobilität, dem Internet of Things oder Netzwerktechniken. Die Ausbildung umfasst die Klassen 4T bis 1T. „Projektgruppen sind dabei sehr wichtig“, erklärt Marc Wegener, der selbst in diesem Zweig am Lycée des Arts et Métiers unterrichtet. Die Klassen 4T und 3T haben ein gemeinsames Programm. In den Klassen 2T und 1T spezialisieren sich die Schüler. Dabei bieten die Schulen unterschiedliche Spezialisierungen an. Das Lycée des Arts et Metier konzentriert sich auf Infotronik, das Lycée technique d´Ettelbruck auf erneuerbare Energien, das Lycée Guillaume Kroll auf Robotik und Automatisierung, das Lënster Lycée auf Smart Energy und das Lycée privé Emile Metz auf E-Controls. Die Ausbildung findet auf Deutsch statt; am Lycée Guillaume Kroll auch auf Französisch. Partner sind die Handels- und die Handwerkskammer.

Obwohl die Nachfrage der Unternehmen, mit denen eine enge Zusammenarbeit besteht, sehr hoch ist, kämpft die Ausbildung immer noch mit den Vorurteilen der Eltern, wie ein Lehrer bedauert. Deshalb sitzen in manchen Klassen nur fünf Schüler. Mädchen sind bisher nur sehr wenige in der technischen Ausbildung zu finden.

Frank Roessig, Head of Digital Solutions for Finance bei Proximus, bedauert das. „Ich habe lange nach einer Mitarbeiterin für mein zwanzigköpfiges Team gesucht“, sagt er. „Jetzt bin ich sehr zufrieden.“ Er blickt auf Claudia Albanese, die nicht nur einen Doktor in Educational Leadership hat, sondern sich auch in Finanzen, Datenanalyse und Risikomanagement auskennt. „Ich habe beispielsweise an einer Software gearbeitet, die auffälliges Verhalten von Bankkunden analysiert.“ Neben ihr sitzt Julia Kogan von Biocatch aus Israel. „Wir sind mit der Frauenförderung in Israel sehr aktiv. Dort gibt es Organisationen wie die Cyber ladies, Security Diva oder Queen B. für Schülerinnen“, zählt sie auf. Mit ihrer Sicherheits-Software will sie auf der Messe Banken ansprechen.

Gang über die Messe

Meisch dreht sich auf dem Weg zu einem koreanischen Start-up zu den Schülern um. „Hier erfahren Sie, wie die Zukunft bestimmter Berufe aussehen wird, Sie verstehen, welche Talente und Fähigkeiten Sie in Ihrem zukünftigen Beruf entwickeln können“, sagte die Ministerin vor den Studenten. „Als Menschen wollen wir verstehen, wie diese Werkzeuge funktionieren, was zum Beispiel hinter der künstlichen Intelligenz steckt. Um uns nicht von Maschinen überholen zu lassen, müssen wir als eine Gesellschaft darüber nachdenken, wie wir uns gegenüber diesen technologischen Entwicklungen positionieren können. Um dies zu erreichen, müssen wir verstehen, wie sie funktionieren.“

Die Schüler nicken, viele sind ein bisschen eingeschüchtert, andere haben Mühe, den oft leisen Ausführungen zu folgen. Aber eines haben sie alle begriffen: Die Ausbildung, die sie machen, hat Zukunft. Sie sind gefragt.

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