LUXEMBURG
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„La revedere Moldova*, Moie Lëtzebuerg!“: die Moldauerin Daniela Loghin über ihr Leben

Wie fühlt es sich eigentlich für einen Ausländer an, nach Luxemburg zu ziehen und sich hier ein Leben aufzubauen? Worin liegen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem Heimatland und Luxemburg? Und wo ist eigentlich „Zuhause“? Im Interview geht Daniela Loghin, eine gebürtige Moldauerin, auf diese Fragen ein und erklärt, wie sie den Integrationsprozess in Luxemburg erlebt.

Lëtzebuerger Journal

Wer bist Du?

Daniela Loghin Mein Name ist Daniela und ich bin 26 Jahre alt. Ich bin in Moldawien geboren, wo ich lange gelebt und meinen ersten Bachelor in der Buchhaltung gemacht habe. Die andere Hälfte meines Lebens habe ich in Italien verbracht, wo ich meinen zweiten Bachelor in Literatur und Fremdsprachen machte. Ich fühle mich also so, als hätte ich meine Wurzeln in beiden Ländern. Heute bin ich in Luxemburg für meinen Master in der Mehrsprachigkeit.

Ich war noch nie in Moldawien. Wie ist es, dort aufzuwachsen?

Daniela Moldawien ist dafür bekannt, mit das ärmste Land Europas zu sein, was auch stimmt: Die ökonomische Situation ist ziemlich kompliziert. Auf der anderen Seite gibt es dort sehr aufgeschlossene und gastfreundliche Menschen. Die Moldauer sind auch dafür bekannt, dass sie es lieben, Gäste zu empfangen, und sie setzen alles daran, dass diese sich wohl und willkommen fühlen. Was ich heute vermisse, wenn ich an Moldawien denke, ist die Landwirtschaft. Du findest dort viel selbst gepflanztes Obst und Gemüse und die Menschen halten ihre eigenen Tiere. Es ist ein wirklich schönes Land, aber es ist auch schwierig, sich dort ein Leben aufzubauen. Das führt dazu, dass das Land einen sehr hohen Prozentsatz an Einwohnern hat, die früher oder später das Land verlassen. Schuld ist die politische und wirtschaftliche Situation, aber auch die große Korruption.

Welche drei Wörter würdest Du benutzen, um Moldawien zu beschreiben?

Daniela „Sonnig!“ Wir haben zum Glück sehr viel Sonne. Dann „grün“: Wir haben viele Wälder und schöne Natur. Und dann könnte ich „korrupt“ sagen, das möchte ich allerdings nicht (lacht). Ich entscheide mich für „einladend“, da wirklich viele Touristen erstaunt sind, wie sehr die Moldauer sich über Besucher freuen.

Da Du in so vielen Ländern schon gelebt hast, würde mich interessieren, was das Wort „Zuhause“ für Dich bedeutet?

Daniela Zuhause ist da, wo die Menschen, die ich liebe, sind. Wenn meine Familie also aus Moldawien umziehen würde, würde ich wahrscheinlich nicht mehr in dieses Land gehen, da ich keinen Grund dazu hätte. Wenn sie umziehen, würde also auch mein Zuhause umziehen. Heute ist „Zuhause“ auch da, wo mein Mann ist, also hier in Luxemburg.

Warum Luxemburg?

Daniela Schöne Frage! Ich bin im September 2017 nach Luxemburg gekommen, drei Tage danach habe ich mein Masterstudium hier angefangen. Ich habe mich damals für Luxemburg entschieden, weil ich überhaupt nichts über dieses Land wusste. Wenn man im Ausland studieren möchte, denkt man zuerst an Deutschland, Frankreich oder Belgien.

Als ich jedoch im Internet über Studiengänge recherchierte, sah ich eine Empfehlung für die luxemburgische Uni, und ich dachte: warum nicht? Ich wusste zwar nicht genau, wo Luxemburg liegt, aber nach einigen Recherchen fand ich Interessantes über das Land raus. Als mein Mann dann auch hier an der Universität angenommen wurde, war für uns klar, dass wir es versuchen möchten.

Wie würdest Du Luxemburg beschreiben?

Daniela Wenn Moldawien sonnig ist, ist Luxemburg verregnet (lacht). Als ich hier das erste Mal aus dem Flugzeug gestiegen bin, in meinem Sommerkleid aus Italien, wurde ich sofort mit schrecklichem Regen und Wind begrüßt. Dank dieser Erfahrung empfinde ich das Land wahrscheinlich als sehr regnerisch, auch wenn das natürlich nicht immer der Fall ist. Dann würde ich „multikulti“ sagen: Luxemburg ist das mehrsprachigste und multikulturellste Land, das ich kenne. Das ist so interessant, vor allem weil es so klein ist. Ein anderes Wort für Luxemburg ist „reich“, obwohl ich weiß, dass dies ein Klischee ist. Dennoch ist mir der Unterschied zwischen Luxemburg und Italien oder Moldawien sofort aufgefallen. Schlussendlich würde ich auch sagen, dass Luxemburg friedlich und entspannt ist. Du findest hier kein Chaos oder zu große Menschenmengen.

Du hast uns ein Objekt mitgebracht, welches für Dich persönlich für Luxemburg steht...

Daniela Genau. Ich habe eine Glückwunschkarte mitgebracht, die mein Mann und ich zu unserer Hochzeit bekommen haben. Die Karte wurde von den Mitarbeitern meines Mannes geschrieben. Sie steht für mich sehr für die Mehrsprachigkeit in Luxemburg, da jeder die Karte in seiner Erstsprache geschrieben hat. Auf der Postkarte befinden sich sehr viele unterschiedliche Sprachen: Farsi, Deutsch, Isländisch, Niederländisch, Spanisch, Ukrainisch, Italienisch, Französisch und sogar eine, die ich gar nicht kenne. Die Karte repräsentiert für mich Luxemburg und seine Vielfältigkeit, die ich sehr mag.

Könntest Du Dir vorstellen, weiterhin in Luxemburg zu leben?

Daniela Das kann ich mir sehr gut vorstellen, alleine schon weil es hier so friedlich und sicher ist. Ich habe irgendwo gelesen, dass Luxemburg zu den sichersten Städten der Welt zählt, und für mich ist das ein sehr wichtiges Argument, um hierzubleiben. Zudem fühlt man sich hier nicht wie ein Ausländer, da gefühlt jeder ausländische Wurzeln hat. In diesem Land finden sich Menschen wieder, die aus der ganzen Welt kommen. Der Integrationsprozess findet ziemlich schnell statt, man fühlt sich sofort wohl und aufgehoben, eben weil man als Ausländer nicht so auffällt. Ich finde das sehr schön. Wenn Luxemburg mich also weiterhin möchte, würde ich mich sehr freuen, künftig auch hier leben zu können.

*„La revedere Moldova“ bedeutet „Tschüss Moldawien“