BERLIN
JENNY TOBIEN (DPA)/LJ

Ein Nobelpreis und viele Todesfälle - Das Musikjahr 2016

Wenn es Gott wirklich gibt, stellt der sich da oben aber gerade ne geile Band zusammen...“, schreibt Komikerin Carolin Kebekus bereits im Frühjahr auf Facebook. 2016 ist ein schwarzes Jahr für die Musikwelt, Weltstars wie David Bowie, Prince, Leonard Cohen, George Michael und Rick Parfitt sterben. Aber es gibt auch positive Überraschungen und spannende Neuentdeckungen. Ein Rückblick:

Abschied von Ikonen

Trauer um vier Ikonen aus vier Jahrzehnten, die maßgeblich die Musikwelt beeinflussten. Mit Cohen (geb. 1934), Bowie (1947), Prince (1958) und George Michael (1963) verabschieden sich vier überragende Künstler. Am 10. Januar, wenige Tage nach Erscheinen seines letzten Albums „Blackstar“, stirbt Bowie an einer Krebs-Erkrankung. Das britische Pop-Chamäleon, das in den 1970er Jahren eine wichtige Schaffensphase in West-Berlin verbrachte, wurde mit „Space Oddity“, „Heroes“ oder „Let’s Dance“ zum Weltstar.

„Was David Bowie für weiße Kids war, die sich anders und unpassend in dieser Welt fühlen, war Prince für schwarze Jugendliche“, schreibt die „Los Angeles Times“ dreieinhalb Monate später. Prince stirbt am 21. April mit 57 Jahren an einer Überdosis Schmerzmittel. Der begnadete US-Sänger („Purple Rain“, „Kiss“) zählte neben Madonna und Michael Jackson zu den Mega-Stars der 1980er Jahre. Seine Mixtur aus Funk, Pop, Blues und Rock, das explosive Gitarrenspiel, die sinnliche wie hochflexible Soul-Stimme bleiben.

Am 7. November verliert die Musikwelt dann einen ihrer größten Poeten. Altmeister Leonard Cohen stirbt an den Folgen eines Sturzes. Der Kanadier wurde durch Songs wie „Hallelujah“, „Suzanne“ oder „So long Marianne“ weltberühmt. Die „New York Times“ würdigt den 82-Jährigen als „einen der bedeutendsten Songschreiber unserer Zeit“. Und der „Rolling Stone“ urteilt: „Nur Bob Dylan hat einen tiefgreifenderen Einfluss auf seine Generation gehabt.“

Völlig überraschend und ausgerechnet zu Weihnachten starb der Sänger des Klassikers „Last Christmas“ am Sonntag mit 53 Jahren. George Michael galt mit seinem modischen Mut und innovativen Videoclips auch als Stil-Ikone.

Dylans Schweigen

Dass Dylan der wichtigste Songwriter der Rockgeschichte ist, wird 2016 von alleroberster Stelle bestätigt. Der 75-Jährige erhält für seine „poetischen Neuschöpfungen in der amerikanischen Songtradition“ den Literaturnobelpreis. Er schreibe „Poesie fürs Ohr“, hieß es. In seiner jahrzehntelangen Karriere wurde der Sänger („Blowin‘ In The Wind“, „Mr. Tambourine Man“, „Like A Rolling Stone“) schon mit dem Oscar, dem Pulitzer-Preis und der US-Freiheitsmedaille gewürdigt. Dylan schweigt lange. Dann sagt er, dass er „diese Ehre“ schätze. Der Verleihung in Stockholm könne er dennoch nicht beiwohnen - wegen „anderer Verpflichtungen“.

Queen des Sommers

Sie liebe Bob Dylans Musik, aber auch die Einflüsse von Tracy Chapman und Nina Simone seien wichtig für sie. Das sagt die Französin Imany, deren Stimme spätestens seit diesem Sommer vielen bekannt sein dürfte. Mit 37 Jahren ist ihr gelungen, wovon viele Musiker ein Leben lang träumen: Clubgänger auf der ganzen Welt tanzen zu ihrem Song „Don’t Be So Shy“ im Remix vom russischen DJ-Duo Filatov & Karas die Nächte durch. Die GfK Entertainment kürt den Song sogar zum Sommerhit des Jahres.

Kanadischer Erfolg

Rap und Pop aus Kanada sind heiß begehrt: Beim weltgrößten Streamingdienst Spotify ist Rapper Drake der meist abgerufene Künstler des Jahres, auf Platz zwei folgt Landsmann Justin Bieber. Der beliebteste Song - weltweit - ist Drakes „One Dance“. Auch bei den American Music Awards Ende November räumen die zwei Kanadier jeweils vier Trophäen ab. Bieber wird unter anderem zum besten Pop/Rock-Sänger gekürt, Drake gewinnt etwa in der Sparte Rap als bester Künstler.

Neue Stimme

Die Kölner Band AnnenMayKantereit („Oft gefragt“, „Pocahontas“) legt in diesem Jahr eine besondere Karriere hin. Die einstigen Straßenmusiker werden in Deutschland erst in höchsten Tönen gelobt und später von manchen Kollegen belächelt. Was bleibt ist nichtsdestotrotz eine große Fangemeinde, die raue, markante Stimme von Sänger Henning May sowie das Album „Alles nix Konkretes“.