LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

„Beauty and the Beast“: Gelungene Verfilmung des Disney-Klassikers

Die Erwartungen an die Verfilmung des Zeichentrick-Klassikers aus dem Hause Disney waren hoch: „Beauty and the Beast“ mit Emma Watson als Belle und Dan Stevens als Biest startete vergangene Woche auf der großen Leinwand und verzaubert seither die Kinobesucher weltweit. Die Neuverfilmung wartet im Allgemeinen mit einer großen Starbesetzung auf, darunter auch noch Luke Evans (Gaston), Kevin Kline (Maurice), Josh Gad (LeFou), Ewan McGregor (Lumière), Stanley Tucci (Cadenza), Gugu Mbatha-Raw (Babette), Audra McDonald (Garderobe), Ian McKellen (Von Unruh) und Emma Thompson (Madame Pottine). Regisseur Bill Condon („Twilight“) hält sich weitestgehend an die Originalversion aus dem Jahr 1991, subtile Unterschiede zwischen dem Real- und dem Animationsfilm gibt es trotzdem.

Kleine Abweichungen vom Original

Kommentar

Zu schwul

Strenge Sittenwächter (und homophobe Personen) hatten wegen der Verfilmung des Disney-Klassikers „Die Schöne und das Biest“ für etwas unnötigen Wirbel gesorgt. Warum? Zu schwule Szenen (!), was natürlich nicht in einen unschuldigen Kinderfilm passt und schon gar nicht in die Kinos mancher Länder, in denen Homosexualität immer noch eine strafbare Sittenwidrigkeit ist. Hinter LeFous Bewunderung für Gaston scheint tatsächlich mehr zu stecken. Und am Ende tanzen sogar zwei Männer (ein Sekündchen lang) miteinander. Total harmlos und definitiv nichts Besonderes. Russland setzte die Altersfreigabe dennoch auf 16 Jahre herauf, Malaysia wollte sogar, dass die entsprechenden Szenen herausgekürzt werden und legte den Kinostart erstmal auf Eis. Auch im US-Bundesstaat Alabama wollte man den Film so nicht zeigen. Der konservative russische Politiker Witali Milonow war der Meinung, „dass unter dem Vorwand des Märchens eine offensichtliche und schamlose Sünde gezeigt wird“. Ernsthaft? Lächerlich! Und traurig.
Wer den Film gesehen hat, kann über solche Aussagen nur den Kopf schütteln. Es ist erschreckend, dass eine Szene, die nach einem Wimpernschlag schon wieder vorbei ist, so viele, teils hässliche Diskussionen und Kommentare bewirkt. Dabei ist es sogar lobenswert, dass sich Disney dazu entschlossen hat, nun auch - wenngleich nur kurz gestreift - andere Lebensformen in seinen Produktionen zuzulassen und somit als gleichberechtigt zu akzeptieren. (Simone Molitor)

In einem pompösen Prolog wird der Ursprung des Fluchs erzählt. Die Filmversion beginnt mit einer rauschenden Ballnacht, während der alle Schlossbewohner und der arrogante Prinz noch in ihrer menschlichen Gestalt zu sehen sind. Schließlich kommt es zur verhängnisvollen Begegnung mit einer Hexe, die den Schlossherrn in ein hässliches Biest und seine Gefolgschaft in Kerzenleuchter, Uhr, Teekanne und so weiter verwandelt. Der Bann kann nur gebrochen werden, wenn sich eine Frau trotz seines furchteinflößenden Aussehens in ihn verliebt. Ewig Zeit bleibt nicht. Gelingt es nicht, steht den Dienern ein düsteres Schicksal bevor: Sie würden ihre menschlichen Eigenschaften verlieren und zu leblosen Objekten werden. In der animierten Vorlage wird die Vorgeschichte zwar auch erzählt, mit fast dem gleichen Text übrigens, dafür aber über Standbilder in bunten Fenstern. Auch das Ende wäre im Falle des Falles nicht ganz so dramatisch.

Zwei Außenseiter treffen aufeinander

Die hübsche Belle tanzt aus der Reihe. Statt sich etwas aus schönen Kleidern oder Männern zu machen, steckt sie die Nase lieber in Bücher und entflieht so der einengenden Dorfwelt zumindest in ihrer Fantasie. Von den anderen Dorfbewohnern wird sie kritisch beäugt. Eigenartig sei sie, eine Außenseiterin, da sind sich alle einig. Mit dem Leben, das ihr bevorsteht, will sich Belle nicht abfinden, zu selbstbewusst oder gar emanzipiert ist sie. Eine Hochzeit mit dem dumm-dreisten Ex-Soldaten Gaston (Evans) kommt deshalb nicht in Frage, obwohl dieser von seinem Gefährten LeFou (Gad), der wohl selbst etwas in ihn verliebt ist, als perfekter Mann besungen wird. Souverän lässt Belle den narzisstischen Schönling zum wiederholten Mal abblitzen.

Als ihr Vater Maurice (Kline) verschwindet, landet Belle auf der Suche nach ihm in dem verwunschenen Schloss, wird vom Biest in Gewahrsam genommen und von der Belegschaft ins Herz geschlossen. Schließlich lernt sie das nette innere Wesen des Schlossherrn kennen und verliebt sich. Bei der wohl berühmtesten Szene des Films darf man ruhig dahinschmelzen: Belle tanzt im märchenhaften Prinzessinnenkleid im Ballsaal mit dem Biest zu „Beauty and the Beast“ (gesungen von Emma Thompson).

Neue und erweiterte Songs

Was die Musik anbelangt, so hält sich Regisseur Condon ebenfalls stark an die Zeichentrick-Vorlage und greift alle Songs des Disney-Klassikers auf, wenngleich einige davon um ein paar Textzeilen ergänzt wurden. Darüber hinaus finden sich drei komplett neue Lieder von Originalkomponist Alan Menken und Texter Tim Rice in der Neuauflage. In „How Does A Moment Last Forever“ singt zunächst Kevin Kline als Maurice über Belles Vergangenheit, im späteren Verlauf des Films greift dann Emma Watson als Belle den Song noch einmal auf. In „Days In The Sun“ erinnern sich die Schlossbewohner an eine frühere glücklichere Zeit. Schließlich trauert das Biest in der neuen, wunderschönen Ballade „Evermore“ (gesungen von Dan Stevens) Belle mit gebrochenem Herzen hinterher.

Lobenswerte Leistungen

Im Abspann singen übrigens Céline Dion „How Does A Moment Last Forever“, Ariana Grande und John Legend „Beauty and the Beast“ und Josh Groban „Evermore“. Die Gesangeinlagen der Darsteller - wie natürlich ihre schauspielerischen Leistungen im Allgemeinen - gilt es an dieser Stelle jedoch ausdrücklich zu loben.

„Beauty and the Beast“ enthält die volle Ladung Disney-Romantik. Noch dazu setzt der Regisseur auf Humor, der seine Wirkung nicht verfehlt, nimmt sich außerdem Zeit, die einzelnen Charaktere zu entwickeln, setzt die Geschichte fantasievoll in Szene, und schöpft die neuen technischen Möglichkeiten voll aus, um die lebendigen Objekte perfekt in den Realfilm zu integrieren. Eine bessere Belle als die brillante Emma Watson kann man sich indes fast nicht vorstellen. Fazit: Die Verfilmung des Disney-Klassikers ist zweifelsohne gelungen.