LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Erinnerungswochen für die jüdische Bevölkerung

Shoah oder Holocaust oder die Vernichtung der europäischen Juden. Viele Jahre her und als Verbrechen so monströs, dass man es sowieso nicht fassen kann. Ganz anders wird die Sache, wenn man das freundliche runde Gesicht von Erna Hilb auf einem alten schwarzweiß Foto sieht und liest, dass die 1915 geborene junge Frau aus einer Remicher Familie mit nicht einmal 26 Jahren ins Ghetto von Lodz deportiert wurde und dort umkam. Wie, weiß niemand.

Lange wurde die Ausgrenzung und Vernichtung der jüdischen Mitbürger unter der deutschen Besatzung verdrängt und vergessen. Erst mit der aufkommenden Diskussion über Kollaboration der luxemburgischen Behörden gegenüber den Nationalsozialisten ist das Thema wieder ins Licht der Öffentlichkeit gerückt.

An der Mosel haben jetzt die beiden Gemeinden Bad Mondorf und Remich gemeinsam den Weg der Aufarbeitung der lokalen Geschichte der Shoah und des Untergangs ihrer jüdischen Gemeinden eingeschlagen. Mondorf hat immerhin noch ein deutliches Zeichen seiner überaus interessanten jüdischen Geschichte – die kleine Synagoge in der Rue de Moulin.

Bei der Vorstellung des gemeinsamen Projektes „Mémoires communes – verfollegt, verdrängt, vergiess“ mit dem die beiden Städtchen vom 30. September bis zum 7. November an die Geschichte „ihrer“ Mitbürger erinnern wollen, beschrieb der Mondorfer Bürgermeister Lex Delles die Synagoge als „kleinen Raum mit großen Erinnerungen“.

Für das anspruchsvolle Veranstaltungs- und Ausstellungsprogramm haben die beiden Gemeinden, die „Geschichtsfrënn Réimech“, die israelitische Kultusgemeinde, das Resistenzmuseum und die „MemoShoah asbl“ intensiv zusammengearbeitet.

Besondere Aufmerksamkeit dürfte am 6. November die Verlegung von elf „Stolpersteinen“ durch Günther Demnig in Mondorf auf sich ziehen.

www.memoirescommunes.lu