INGELDORF
MONIQUE MATHIEU

Apotheker müssen dem ungewohnten Ansturm gerecht werden - Ein Beispiel aus Ingeldorf

Eine der Berufsgruppen, die im Kampf gegen das COVID-19 am meisten gefordert ist, sind die Apotheker. Wir sprachen mit Denise Fischer-Thomas, vor deren Apotheke in Ingeldorf die Menschen dieser Tage Schlange stehen.

War es heute (Donnerstag) im Vergleich zu den Vortagen wieder ruhiger? Wann ist die „beste Zeit“, um sich seine Medikamente abzuholen?

Denise Fischer-Thomas Am Freitag und Samstag vergangener Woche war der Andrang sehr hoch. Aber es kommen auch jetzt immer noch sehr viele Menschen. Das Schlimmste steht uns, den Vorausberechnungen nach, ja noch bevor. Am überschaubarsten ist die Lage am Nachmittag, so gegen 15.00.

Machen Sie „livraison à domicile“?

Fischer-Thomas Gelegentlich schon, und vor allem dort, wo unsere Mitarbeiter ohnehin auf ihrem Nachhauseweg vorbeikommen.

Es gibt zurzeit noch kein Gegenmittel gegen das Corona-Virus. Was kaufen die Menschen denn? Verhält es sich ähnlich wie in den Supermärkten: viel Unnützes?

Fischer-Thomas Besonders gefragt sind Vitamin C, Paracetamol, Fieberthermometer, Kindermilch. Manchmal geben wir nicht die gewünschte Quantität heraus, da auch wir aus Gründen der Vernunft „rationalisieren“ müssen. Es ist aber auch die Zeit der Erkältungen, und viele Menschen kommen mit Rezepten für Antibiotika, Hustensaft und gegen Nasenlaufen. Hinzukommt, dass mit dem guten Wetter der Pollenflug einsetzt, und viele Kunden „ihre“ Medikamente brauchen.

Die ärztlichen Verordnungen sind oft nur für eine bestimmte Zeit und Quantität ausgestellt. Halten Sie sich hier an die Vorgaben?

Fischer-Thomas Wenn es um Medikamente geht, die ein chronisch kranker Patient schon länger einnimmt, beziehungsweise Wiederholungsrezepte, dann sehen wir nicht so genau hin, um ihm den nochmaligen Weg zur Apotheke binnen kurzer Zeit zu ersparen. Es verhält sich auch so, dass die CNS zurzeit Rezepte akzeptiert, die vom Arzt per Email versendet und vom Patienten zuhause ausgedruckt wurden. Da Missbrauch möglich wäre, lassen wir bei der Herausgabe dieser Rezepte besondere Vorsicht walten, speziell dann, wenn es sich um Beruhigungsmittel handelt.

Können Sie allen Nachfragen gerecht werden? Haben Sie alles vorrätig?

Fischer-Thomas Auch in normalen Zeiten ist nicht immer jedes Medikament sofort verfügbar, sondern muss bestellt werden. Das ist zurzeit nicht anders. Aber 95 Prozent aller Nachfragen können wir problemlos erledigen. Ich muss zugeben: Auch wir Apotheker machen zurzeit höhere Bestellungen als üblich.

Kann man in Ihrer Apotheke Desinfektionsgel kaufen?

Fischer-Thomas Uns wurde gerade ein kleiner Vorrat geliefert - ich denke aber, er wird binnen kurzer Zeit aufgebraucht sein. Neue Bestellungen laufen.

Wie viele Mitarbeiter zählt die Apotheke? Sind alle auf ihrem Posten oder gibt es Ausfälle, zum Beispiel wegen „Congé pour raisons familiales“?

Fischer-Thomas Wir sind 14 - neun Apotheker/innen und fünf Hilfskräfte. Zwei Mitarbeiterinnen hatten „Mammecongé“ beantragt, und fielen diese Woche zeitweilig aus. Nächste Woche werden wir aber wieder vollzählig sein. Mittlerweile besagt eine Verordnung, dass wenn ein Elternteil im Gesundheitsbereich arbeitet, der Urlaub zur Betreuung der jüngeren Kinder vom anderen Elternteil in Anspruch genommen werden muss.

Wie viele Stunden haben Sie selber in den vergangenen Tagen gearbeitet?

Fischer-Thomas Das war unterschiedlich: zwischen sechs Stunden am Mittwoch und zwölf an den anderen Tagen. Am letzten Sonntag haben wir viel Zeit auf die Ausarbeitung eines Plans verwendet, wie wir uns selber vor Ansteckung schützen können.

Das heißt?

Fischer-Thomas Wir haben unsere Theke in den Eingangsbereich verlegt, so dass sich niemand mehr im Apothekeninneren aufhalten muss. Dazu haben wir eine Plexiglasvitrine mit Schaltern eingerichtet. Eines unserer größten Probleme war, dass die Baumärkte in Luxemburg bereits am Montag geschlossen hatten.

Wir konnten uns die benötigten Materialien glücklicherweise noch in Trier besorgen. In der Nacht von Montag auf Dienstag haben wir unsere Schutzwand dann eingerichtet. Außerdem haben wir Klebeband angebracht, um den nötigen Abstand zwischen uns und zwischen den Kunden zu gewährleisten.

Gibt es noch andere Schutzmaßnahmen für das Personal?

Fischer-Thomas Das Gesundheitsministerium hat pro Apotheke, ob groß oder klein, 100 Gesichtsmasken zur Verfügung gestellt, die wir in der Villa Louvigny in der Hauptstadt abholen mussten. Allerdings schützen diese Masken nur davor, jemand anderes anzustecken. In den nächsten Tagen sollen wir weitere Masken abholen können. Alle Masken sind dem Personal der Apotheke vorbehalten, das mussten wir unterzeichnen. Wir legen sie unter anderem dann an, wenn wir mit jemandem näher in Kontakt kommen müssen, beispielsweise bei der Vermessung eines Knieschoners. Ich muss zugeben, etwas Angst vor Ansteckung habe ich schon. Wenn einer der Mitarbeiter oder ich selber erkranke, muss die Apotheke eventuell schließen. Das wäre dann „the worst case“.

Medikamente haben ein Verfallsdatum. Wenn jetzt sehr viele Medikamente gekauft werden, die keine Verwendung finden, ergibt sich daraus nicht ein chemischer Müllberg? Wobei die Medikamente bestenfalls bei der „Superdreckskëscht“ oder wiederum in der Apotheke, schlimmstenfalls in der Mülltonne landen?

Fischer-Thomas Das kann durchaus sein. Wenn sich zum Beispiel jemand vorsorglich Paracetamol gekauft hat, aber gesund bleibt, läuft dieses irgendwann ab. Leider kommt es auch in normalen Zeiten vor, dass Medikamente nicht so eingenommen werden, wie sie der Arzt verschreibt, und sie nach ihrem Verfallsdatum oder beim Tod des Patienten wieder bei uns abgegeben werden.