REMICH
LJ
Steckbrief Remich

Luxemburgische Riviera

Remich ist mit 529 Hektar Fläche die räumlich kleinste Gemeinde Luxemburgs und dennoch einer der Top-Anziehungspunkte für Tagestourismus an der Mosel. Der verstorbene ehemalige Bürgermeister Jeannot Belling sprach immer von der „Luxemburgischen Riviera“. Laut Syvicol hat das Städtchen 3.587 Einwohner. Auf der Wählerliste für die Kommunalwahlen stehen 1.678 Luxemburger und 178 nicht-luxemburgische Bürger von Remich. Was insgesamt 1.856 stimmberechtigte Wähler ausmacht.
Aktuell wird Remich von einem grün-schwarzen Schöffenrat mit Bürgermeister Henri Kox an der Spitze geführt. Kox sitzt auch für Déi Gréng im Parlament. Der Rat setzt sich aus vier Parteien zusammen Déi Gréng (4), CSV (4), DP (2), LSAP (1). Zu dieser Wahl treten auch die „Piraten“ mit einer Liste an.

Auf das Hauptproblem der Stadt Remich stößt man schon bei der Anreise zum Interview. Gegen 17.30 ist kurz hinter dem Ortsschild oben auf dem Berg Schluss mit lustig. Wer jetzt bis zur Moselbrücke will, hat eine längere Schleichfahrt vor sich. Wie wenig später im Gespräch mit den beiden Spitzenkandidaten der DP Remich zu erfahren ist, gibt es schon seit vielen Jahren Ideen für eine Umgehungsstraße. Sie sei bitter nötig, um die Lebensqualität derjenigen Remicher zu sichern, die entlang der Hauptverkehrsachse wohnen. Nicht zu vergessen die Anlieger an den Schleichwegen, etwa an Friedhof und Kirche vorbei, die schon lange keine Schleichwege mehr sind, sondern sich zu veritablen Bypässen entwickelt haben.

Jacques Sitz, Spitzenkandidat der DP in Remich, pensionierter Informatik-Ingenieur und Ratsmitglied, kennt zwar die Verkehrsstudie, die der Schöffenrat in Auftrag gegeben hat, aber diese befasste sich nicht mit den entscheidenden Problemen, sondern plädierte - ökologisch überaus korrekt - für Tempo 30 auf der Weinstraße.

Es sei außerdem nichts davon zu merken, dass die Lücke in der Saarautobahn bei Hellingen längst geschlossen wurde - Denn eigentlich sollte die rue Enz, Remichs Tankstellen-Allee, danach für schwere Lastwagen gesperrt werden. Nichts ist passiert. Stattdessen seien zahlreiche schwere Traktoren dazugekommen, die das Agrarcenter in Perl-Besch auf der deutschen Moselseite via Remich anfahren. Wie bei vielen anderen Dingen sei auch in Sachen Verkehr und Transport in den letzten sechs Jahren in Remich schlicht nichts passiert, sagt Sitz.

Die Co-Spitzenkandidatin Sonia Marzona-Sanna, Krankenschwester in der Gerontologie, strahlt Optimismus und gute Laune aus „Wir haben eine tolle Liste aufgebaut! Wir haben aber auch schon früh damit angefangen!“ Man merkt, die DP-Remich will wieder mitgestalten.

Leerstände werden zur Last

Die gute Laune hält bei Sonia Marzona auch noch an, als unser Gespräch auf ein drängendes Problem von Remich kommt. „Wir brauchen dringend eine Aufwertung der Geschäftswelt!“ Deutlichstes Symptom für die lokale Krise ist die „Maacher Gaass“ - früher einmal die Haupteinkaufsstraße von Remich - ist sie heute, was Läden und Geschäfte angeht, so gut wie leer. Die DP plädiert dafür, die schmale Straße mit hübschen alten Häusern durch bauliche Maßnahmen wie Sonnensegel oder ein durchgehendes Glasdach attraktiv zu gestalten und dafür zu sorgen, dass die Ladenlokale genutzt werden. Die DP denkt dabei auch an Räume für junge Start-up Unternehmen. „Wir dürfen die Geschäfte nicht leer stehen lassen“ meint Sonia Marzona. „Die Remicher müssen hier wieder einkaufen können. Remich darf nicht nur an den Wochenenden belebt sein, wenn die Touristen kommen.“ Eine Wiederbelebung der Geschäfte steht allerdings ein Plan der Remicher Grünen, die den Bürgermeister stellen, im Weg: Die Grünen wollen alle Parkplätze im Stadtkern abschaffen. Für die Remicher DP ein absolutes Unding.

Verschlafener Hochwasserschutz

Pläne für einen effektiven Hochwasserschutz gibt es schon seit etlichen Jahren. Sie wurden schon vom langjährigen DP-Bürgermeister Jeannot Belling in Auftrag gegeben und liegen fix und fertig in der Schublade. Da liegen sie seit Jahren. Der einzige Pluspunkt der Verzögerung sind die in der Zwischenzeit gestiegenen Staatszuschüsse, was aber keineswegs ein Verdienst des zögerlichen grün-schwarzen Schöffenrats ist. Für Jacques Sitz handelt es sich beim fehlenden Hochwasserschutz um ein nicht gehaltenes Wahlversprechen der Majorität von der Wahl 2011.

Stattdessen habe man mit dem „Schiff“ am Moselufer ein Empfangszentrum für Touristen gebaut, dessen Endkosten immer noch nicht bekannt sind - geplant waren 3,7 Millionen Euro. Natürlich erfolgt wenige Tage vor der Kommunalwahl eine offizielle Vorstellung des noch unfertigen Gebäudes.

Grüne Mängel

Ausgerechnet in Sachen Trink- und Abwasser hat der grüne Bürgermeister seine Hausaufgaben nicht gemacht, so die einhellige Meinung der beiden liberalen Spitzenkandidaten. Zwar wurde Remich an die Kläranlage in Besch (D) angeschlossen, aber das vorhandene Abwassernetz reicht nur für den Normalbetrieb - schon bei starkem Regen ist das Kanalnetz überlastet, mit entsprechenden Folgen.

Die Gründe sind vergleichsweise banal: Es gibt kein getrenntes Kanalsystem für Schmutz- und Regenwasser, sondern nur das alte Mischsystem. Vor allem fehlen Regenrückhaltebecken, die im Rahmen des Anschlusses an die Kläranlage schon längst hätten realisiert werden müssen. Kaum anders ist es mit dem Trinkwassernetz, das dringend saniert werden muss.

In Remich fehlt es immer noch an vielen Dingen. Sei es ein Altlastenkataster oder ein Verzeichnis der Baulücken. Ganz zu schweigen von einem Baugebiet, und selbst die seit Jahrzehnten geplante Bebauung des „Gewännchen“ kommt nicht voran. Außerdem sollte auch in Sachen Schule Schluss mit der teuren Flickschusterei sein und endlich eine Zentralschule für alle Kinder gebaut werden.

„Es ist an der Zeit Tabus zu hinterfragen!“, heißt es. Was ist damit gemeint? Für Jacques Sitz und Sonia Marzona fehlt es vor allem an Bürgerinformationen. Gibt es welche, erreichen Einladungen die Bürger kaum. Selbst zur Vorstellung der Verkehrsstudie kamen nur etwa 30 Zuhörer. Grundsätzlich heißt es von Seiten der DP, dass Schöffen- und Gemeinderat immer im Hintergrund stehen und stattdessen der Bürgermeister stets im Vordergrund.

Undemokratisches Verhalten

Sitz beklagt, dass die Opposition im Gemeinderat nicht in Projekte eingebunden wird. Entgegen der gesetzlichen Vorschriften würden die notwenigen Unterlagen und Dossiers nur selten komplett zur Einsicht vorliegen. Das Ergebnis sei klar, meint Sitz, als Partei habe man oft nicht reagieren oder zu einer Entscheidungsfindung kommen können - schlicht mangels Information.

Ein anderes Problem ist besonders pikant: Remich hat seit sechs Jahren keinen Gemeindesekretär mehr! Mitarbeiter der Gemeinde haben die Position des Verwaltungschefs „geschäftsführend“ ausfüllen müssen. Nun soll der Gemeinderat wenige Tage vor den Kommunalwahlen einen neuen Gemeindesekretär, genauer gesagt einen Redakteur, der die Fortbildung zum Gemeindesekretär absolvieren soll, berufen. Es sei alles andere als guter Stil, diese Entscheidung nicht dem nächsten Gemeinderat zu überlassen, moniert Jacques Sitz.

Voller Optimismus

Für Jacques Sitz gilt vor allem eines: „Es muss Schluss mit dem Stillstand in Remich sein“. Sonia Marzona sieht dem 8. Oktober ganz zuversichtlich entgegen: „Der Neustart der DP Remich ist jetzt schon gelungen, aber nach den Wahlen kommt viel Arbeit auf uns zu!“