MICHELBUCH

Biobauer Jean-Louis Colling über sein Metier und die Gefahren der konventionellen Landwirtschaft

Die Landwirtschaft wurde dem heutigen Biobauern Jean-Louis Colling nicht in die Wiege gelegt. Bis 2000 verdiente er sein Geld als Banker in einem luxemburgischen Finanzinstitut; dann hat er den Karelshaff seiner Schwiegereltern neben der Ortschaft Colmar-Berg übernommen und das Hofgut in einen Biobetrieb verwandelt.

Sklaven der Konzerne

Colling betreibt die Biolandwirtschaft aus Überzeugung; in seinen Augen ist die konventionelle Landwirtschaft keine Option für die Zukunft. Die Nachwehen der letztgenannten spüre man unmittelbar: „Sie schleichen sich heran und sind daher umso gefährlicher“. Pestizide und synthetische Dünger, mit denen, O-Ton Colling, die Böden belastet werden und schlussendlich „die Meere, unser Grundwasser und somit auch das Trinkwasser gedüngt werden“- wurden nach dem zweiten Weltkrieg von den Bauern als Segen begrüßt, als kleine Helfer , die ihnen den mühsamen Arbeitsalltag angenehmer gestalteten und die Erträge steigerten. Damals war sich niemand der Konsequenzen bewusst.

Heute seien die konventionellen Bauern moderne Sklaven, Marionetten globaler Chemiekonzerne. Man komme, so Colling, einfach nicht mehr an der Frage nach der Landwirtschaft der Zukunft vorbei. Die konventionelle Landwirtschaft basiere beispielsweise massiv auf dem Erdöl sowie dem Abbau von Phosphor und Kali. Ein Zukunftsszenario ohne Erdöl wäre für ihn gleichbedeutend mit dem Ende der konventionellen Landwirtschaft, die überhaupt nur noch dank der synthetischen Düngemittel funktioniert. „Über Jahre hinweg wurden schwach-resistente Pflanzen gezüchtet; bei sehr vielen Ackerlandflächen handelt es sich sozusagen um „leblose“ Böden, in denen die Pflanzen lediglich verankert sind.“ Die lebensnotwendigen Stoffe bekommen die Pflanzen über den Tropf verabreicht.

Der Landwirt sieht sich keineswegs als Guru der Biolandwirtschaft, möchte die von ihm betriebene Form der Landwirtschaft nicht schön reden. „Man darf nicht vergessen zu erwähnen, dass auch die Biolandwirtschaft Eingriffe in die Natur vornimmt.“ Sie versuche jedoch, im Gegensatz zur konventionellen, im Einklang mit der Natur zu funktionieren. „Ich vertrete die Meinung, dass die Biolandwirtschaft sich in eine sehr positive Richtung bewegt.“ Immer mehr Konsumenten interessieren sich für Lebensmittel aus biologischen Betrieben: „Viele werden sich allmählich der Gegensätze bewusst, die zwischen der konventionellen und biologischen Landwirtschaft herrschen.“

Steuer rumreißen

Bioprodukte haben allerdings ihren Preis. Ein Hähnchen, das im Supermarkt für vier Euro den Besitzer wechselt, käme, so der überzeugte Biobauer mit Sicherheit nicht von einem Bio-Gut. Jean-Louis Colling wünscht sich mehr Aufklärungsarbeit an den Schulen: Den Konsumenten soll von klein auf das Funktionieren der Lebensmittelproduktion erklärt werden. „Es ist wichtig, den Kindern zu vermitteln, wie die Natur überhaupt funktioniert“. Denn für Colling sieht die Zukunft alles andere als rosig aus. Es sei denn, wir würden die Kurve kriegen, sprich unsere gesamte Lebensmittelproduktion massiv in Frage stellen. Wir steuern auf eine Betonwand zu, viel Zeit, das Steuer rumzureißen bleibt nicht mehr. PAV