LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Das Zentrum gegen Radikalisierung will vor allem präventiv wirken

Die Seite „respect.lu“ befindet sich noch im Aufbau und auch das Zentrum gegen Radikalisierung an sich steht noch in seinen Anfängen. Allerdings haben seit der Inbetriebnahme schon zahlreiche Akteure aus dem sozialen Sektor angeklopft. „Es gibt ein großes Interesse, mit uns zusammenzuarbeiten“, sagt Projektleiterin Karin Weyer. 15 Kooperationsanfragen gab es bislang, von Jugendhäusern etwa, aus dem Bildungsbereich oder von anderen Organisationen. Alles Multiplikatoren für die Arbeit des Zentrums, das darüber aufklären will, was man unter gewalttätiger Radikalisierung versteht und woran man sie erkennen kann. „Wir sind auf die Kooperation mit den Akteuren vor Ort angewiesen“, sagt Weyer.

Radikale Positionen Teil der Geschichte

„Unser Angebot gilt für alle Formen der Radikalisierung, die zu Gewalt führen“, führt sie aus. Sie betont aber, dass Radikalismus an sich nicht unbedingt ein Problem sei. „In der Geschichte wurden immer wieder radikale Positionen in einer Gesellschaft vertreten“, fügt sie hinzu. Problematisch werde es dann, wenn Gewalt angewendet oder auch verherrlicht werde. „Hatespeech“, rechts- oder linksextreme Gewalt wie auch islamistische Radikalisierung - das alles sind Themen, mit denen sich das Zentrum befassen will. Die Frage nach dem Bedarf für ein solches Zentrum in Luxemburg stellt sich für Weyer angesichts weltweiter Tendenzen zur Radikalisierung eigentlich nicht.

In anderen Ländern gab es bereits Anlaufstellen

Ende Juli 2016 hatte der Regierungsrat beschlossen, nach dem Vorbild verschiedener europäischer Länder ein Präventions- und Beratungszentrum gegen Terrorismus und gewalttätigen Extremismus ins Leben zu rufen. Im Mai dieses Jahres wurde nun die „SOS Radicalisation“ asbl gegründet. Finanziert wird das Zentrum aus vier Psychologen und einem Sekretär über eine Konvention mit dem Familienministerium.

Wenn das Zentrum gegen Radikalisierung in erster Linie präventiv wirken will, bietet es auch Unterstützung für Familien und das Umfeld von Menschen an, die Gefahr laufen, sich zu radikalisieren. Derzeit gibt es einen solchen Fall, mit dem sich das Team befasst. Wenn die erste Kontaktaufnahme in der Regel telefonisch oder elektronisch erfolgt, bietet das Zentrum auch die Möglichkeit für Gespräche in ihren Räumlichkeiten an. Ein erstes Gespräch - bei dem zwei Psychologen zugegen sind - soll dann klären, wie gefährlich die Situation ist.

Allerdings kommt es immer auf die jeweilige Situation an. Würde sich beispielsweise eine Familie melden, die sich Sorgen um ihren Sohn macht, würde das Zentrum eher im Hintergrund agieren und die Eltern begleiten. Denn wichtig sei es, die Bindung aufrechtzuerhalten, betont Weyer. Eine Konfrontation könnte in einer solchen Situation eher kontraproduktiv sein. „Es kommt immer ganz auf die Situation an“, sagt Karin Weyer.

In einer späteren Phase sollen auch Menschen Unterstützung finden können, die aus radikalisierten Zusammenhängen aussteigen wollen. „Wir sind dabei, uns die Kompetenzen und das Konzept für eine solche Situation zu erarbeiten“, sagt Weyer.

„Wir müssen uns noch bekannter machen“

In nächster Zeit will das Zentrum aber zunächst seine Sichtbarkeit stärken. „Wir müssen uns noch bekannter machen“, sagt Weyer. Im Herbst will das Zentrum ebenfalls weitere Kontakte knüpfen. So will sich das Zentrum gegen Radikalisierung etwa an die verschiedenen Glaubensgemeinschaften richten. Auch den Kontakt mit „Bee Secure“ erwähnt Weyer.


Erreichbar ist das Zentrum gegen Radikalisierung unter der Tel. 20 60 62 (wochentags während den Bürostunden), per Mail unter respect@respect.lu und auf Facebook.

Mehr Informationen unter respect.lu