LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Lehrergewerkschaft SNE fordert schnelle Hilfe für Kinder mit spezifischen Bedürfnissen

Die Lehrergewerkschaft SNE hat gestern ihre Forderung nach einer „Task Force“ in allen Grundschulen des Landes wiederholt und fordert darüber hinaus allgemein eine schnellere Intervention in Schulen bei Schülern mit spezifischen Bedürfnissen. „Die Situation in unseren Schulen wird immer komplexer und schwieriger“, sagte Patrick Remakel, Präsident des „Syndicat national des enseignants“ (SNE)
gestern bei der Vorstellung des neuen Forderungskatalogs der Gewerkschaft. In allen Grundschulen solle es deshalb Hilfsstrukturen mit Erziehern, Krankenpflegern oder Sozialarbeitern geben, die sich um Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten kümmern. Weiter fordert die Gewerkschaft eine „substanzielle“ Erhöhung der auf den Umgang mit Kindern mit spezifischen Bedürfnissen spezialisierten Lehrer (I-EBS) und ausreichend Personal in den „équipes de soutien des élèves à besoin éducatifs particulies et spécifiques“ (ESEB). Dass es innerhalb der ESEB-Mannschaften immer wieder zu personellen Wechseln komme, sei nicht im Interesse des Kindes.

Das Bildungsministerium kennt die Forderungen des SNE zum größten Teil und hat laut Angaben Remakels reagiert, indem beispielsweise mehr Personal eingestellt wurde. Doch gibt es laut Remakel eine „große Diskrepanz“ zwischen dem Feedback aus dem Ministerium und vor Ort. Die Unterstützung kommt demnach kaum in den Schulen an.

Kritik an langwierigen Prozeduren

Schnellere Prozeduren im Interesse des Kindes sind ebenfalls ein bekanntes Anliegen des SNE. Die Zusammenarbeit zwischen Schulen, Regionaldirektionen, Kompetenzzentren, sozio-edukativen Zentren und den ESEB-Teams müsse „schneller, besser und effizienter“ werden. Die Kompetenzzentren dürften sich derweil nicht auf eine „Coaching“-Rolle für Lehrer beschränken. Sie „müssen temporär Kinder mit spezifischen Bedürfnissen, mit Verhaltensschwierigkeiten oder mit Lernschwierigkeiten aufnehmen können, und das dann, wenn eine Beschulung in den regulären Klassen (...) nicht mehr möglich ist“.

Um die Attraktivität des Lehrerberufs zu steigern, fordert das SNE unter anderem eine Anpassung der Zulassungskriterien der Studenten in den Erziehungswissenschaften an der Universität Luxemburg. Statt 100 oder 120 müsste die Uni jedes Jahr rund 150 bis 200 Studenten aufnehmen, um sich dem reellen Bedarf von 250 bis 300 Lehrern anzunähern. Ein hohes Qualifizierungsniveau müsste allerdings weiter gewährleistet sein, so Remakel.

Die Lehrergewerkschaft fordert ebenfalls eine Reform der Orientierungsprozedur am Ende des letzten Grundschulzyklus. Statt einer gemeinsamen Entscheidung von Eltern und Lehrern „muss die Orientierungsentscheidung von der pädagogischen Mannschaft getroffen werden“. Dass laut Statistiken des Ministeriums fast alle Orientierungsentscheidungen (98,2 Prozent in 2018) im beidseitigen Einverständnis getroffen werden, täusche darüber hinweg, dass sich viele Lehrer der Ansicht der Eltern anschließen, auch wenn sie anderer Meinung sind. Zudem zögerten Lehrer, im Falle einer Nicht-Einigung vor einer Orientierungskommission vorstellig werden zu müssen, um dort gegen die Eltern und ihr Kind zu plädieren. Befürchtet werde eine „Rufschädigung“, wenn die Kommission am Ende doch den Eltern Recht geben sollte, so Remakel. Stattdessen schlägt die Gewerkschaft ein „examen de recours“ vor, dem sich der Schüler stellen müsste.

„einfach digital“: „Alleingang“ von Minister Meisch

Kritisch äußerte sich Remakel ebenfalls zum Coding-Programm „einfach digital“ (wir berichteten). Es handele sich dabei um einen „Alleingang“ von Bildungsminister Claude Meisch (DP), so die Unterorganisation der Staatsbeamtengewerkschaft CGFP, über den sie nur „häppchenweise“ über die Medien erfahren habe. In diesem Zusammenhang stellt sich das SNE etliche Fragen, ob es etwa eine verpflichtende Weiterbildung dazu geben wird, ob alle Schulen über die notwendige informatische Infrastruktur verfügen oder ob Programmieren künftig ein integraler Bestandteil der Lehrer-Grundausbildung wird.

Keinen Durchbruch hat die Gewerkschaft bislang mit ihrer Forderung nach einer Verringerung der administrativen Aufgaben des Lehrpersonals erzielt. Zwar hat das Ministerium eine Arbeitsgruppe eingesetzt, in der auch die Gewerkschaften mit am Tisch sitzen. „Da sind wir noch nicht sehr weit vorangekommen“, so Remakel, der einen „Paradigmenwechsel“ fordert.