LUXEMBURG
KARIN BASENACH

An diesem Freitag, dem 15. März, findet der Weltverbrauchertag statt. Zurück geht er auf John F. Kennedy, der am 15. März 1962 vor dem amerikanischen Kongress drei grundlegende Verbraucherrechte proklamierte. In Europa war der Verbraucherschutz in den Verträgen von Rom von 1958 noch nicht eigens erwähnt. Erst 1992 wurde er über den Vertrag von Maastricht  förmlich festgeschrieben. Welchen Zweck erfüllt er heute?

„Der Weltverbrauchertag gilt als internationaler Aktionstag, an dem Verbraucherorganisationen auf die Rechte der Verbraucher aufmerksam machen. Aber brauchen wir das überhaupt? Kennen die Verbraucher in unserer heutigen sogenannten Informationsgesellschaft mit digital leicht zugänglichen Informationen nicht bereits bestens Ihre Rechte? Diese Frage ist - jedenfalls unserer Erfahrung im Europäischen Verbraucherzentrum nach – wenn auch nicht mit einem kategorischen ,Nein‘, dann jedenfalls doch mit einem ,Nein, nicht ausreichend‘ zu beantworten. Von vielen Schülern, hunderten von Studierenden und zahlreichen Verbraucherinnen und Verbrauchern, an die wir einen multiple-choice-Test mit sieben Fragen zu grundlegenden europäischen Verbraucherrechten über die letzten zwei Jahre verteilt haben, waren nicht einmal zehn Prozent in der Lage, alle Fragen richtig zu beantworten. 

Die VerbraucherInnen sollten ihre Rechte besser kennen. Verbraucherschutzorganisationen und alle, die sich im weitesten Sinne mit Verbraucherschutz beschäftigen, sollten sich aufgerufen fühlen, EU-weit Verbrauchern zu vermitteln, dass sie nicht nur starke Rechte als Verbraucher haben, sondern auch eine starke Rolle in der ,big-business-world‘ spielen. Womit wir beim nächsten Punkt wären. Verbraucher sollten sich in Kenntnis ihrer Rechte ihrer Stärke bewusst sein und sie sollten ihre Rechte nutzen! Denn auch hierauf kommt es an. Wir müssen dafür sorgen, dass Verbraucher Vertrauen haben, Vertrauen, dass ihre Rechte respektiert werden und ihre Bedürfnisse berücksichtigt werden. Wir müssen den Verbrauchern Garantien geben und dies Hand in Hand mit einem Ausbau des Verbraucherrechts EU-weit und national. Wenn wir das schaffen, sind wir auch weg vom Bild des schutzbedürftigen Verbrauchers, und wir vermitteln stattdessen das Bild eines Verbrauchers als starker gleichwertiger Partner in einer Welt gigantischer und weniger gigantischer Unternehmen.

,Geht nicht! Idealistisch!‘, werden Sie sagen. Mag sein. Daher nur das Beispiel von vier Verbrauchern, die sich an unser Europäisches Verbraucherzentrum gewandt hatten, und die es vorgemacht haben. Über ihre Rechte aufgeklärt, haben sie die ,big player‘ Lufthansa und Ryanair wegen verletzter Fluggastrechte in Luxemburg vor Gericht zitiert. Beide Airlines sind verurteilt worden. Die Verbraucher haben diese Gerichtsverfahren ,für geringfügige Forderungen‘ keinen Euro gekostet, da in Luxemburg bei Gericht kostenfrei und ein Anwalt nicht nötig. Die Fluggesellschaften hingegen hatten nicht nur die Entschädigungen zu zahlen, sondern sind sicherlich auch auf hohen Kosten für die beauftragten Anwälte sitzen geblieben. Gute Beispiele, wie wir finden, um zu zeigen, dass Verbraucher keineswegs schutzbedürftig und machtlos sind!

Wenn sich das gut für Sie anhört und Sie vielleicht neugierig geworden sind, was denn alles so Ihre Rechte sind, dann nutzen Sie den Weltverbrauchertag und kommen Sie am 15. März ins Europahaus in Luxemburg-Stadt, wo wir Ihnen in Gegenwart unserer neuen Verbraucherschutzministerin  zuhören und Ihre Fragen beantworten.“