LUXEMBURG
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„Bee Secure“ und Polizei veröffentlichen neuen Ratgeber gegen Cybermobbing

Ist ein über Facebook weitergeführter Konflikt mit einem Klassenkameraden noch normale Streiterei unter Gleichaltrigen oder schon Cybermobbing? Liegt in der Tat Mobbing vor, sind die Grenzen zwischen der Schikane in der Schule und einer Diffamierung über die Sozialen Medien oft fließend. Was in der Schule etwa seinen Anfang nimmt, geht nach dem Unterricht digital weiter oder umgekehrt. Schon in einer Studie aus dem Jahr 2013 gaben 4,4 Prozent der befragten Schüler an, häufig Cybermobbing zu erleben, etwa elf Prozent waren ein- bis dreimal pro Jahr davon betroffen. Wiederum gaben fünf Prozent der befragten Schüler an, andere auf diese Art häufig fertigzumachen.

Damit Jugendliche weder zu Tätern noch zu Opfern werden, haben Polizei und „Bee Secure“ einen neuen „Cybermobbing-Ratgeber“ erstellt. Er hat vor allem zum Ziel, über rechtliche Möglichkeiten sowie psychologische Hilfsangebote zu informieren.

Drei Tipps zur Selbsthilfe

Der Ratgeber gibt auch einige Tipps zur Selbsthilfe. In erster Linie macht er Jugendlichen klar, dass sie keine Schuld daran tragen, wenn andere sie belästigen, bloßstellen, diffamieren, demütigen oder gar bedrohen. Wer akut betroffen ist, sollte schnell aktiv werden, damit der oder die Täter es schwerer haben, weiterzumachen. „Bee Secure“ rät zuerst dazu, dem Cybermobbing auszuweichen. Dies ist möglich, indem der Kontakt blockiert wird, sodass der Täter keine weiteren Nachrichten schicken kann. Wer Kopien, Screenshots oder Fotos macht, kann die Tat später leichter nachweisen. Hilfreich ist auch, den Täter beim Seitenbetreiber zu melden, das Passwort zu ändern - falls der Verdacht besteht, dass der Täter Zugriff auf die Konten hat- und keine direkten Antworten zu schreiben. Mit Letzterem wird der Täter also ignoriert und seine Aktionen laufen ins Leere, wodurch er möglicherweise schnell das Interesse verliert.

Hat man diese ersten Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, sollte man sich laut „Bee Secure“ erst einmal um sich selbst kümmern und sich fragen, wie es einem nach diesem negativen Erlebnis geht. Die Reaktionen können seelischer und körperlicher Art sein: Angst, ein Gefühl der Hilflosigkeit, der Wut oder des Alleinseins, Albträume oder Schlaflosigkeit, aber auch Kopf- oder Magenschmerzen können auftreten. „Alle Menschen sind wertvoll und wichtig - auch du, egal wie sich deine Lebenssituation im Moment darstellt“, tröstet der Ratgeber an dieser Stelle. Um sich wieder besser zu fühlen, können Betroffene zum Beispiel auch Tagebuch schreiben und sich Ärger, Wut, Angst und Enttäuschung ausführlich und in Ruhe von der Seele schreiben. Auch Sport kann in dieser Situation gut tun.

Aber das Wichtigste ist und bleibt ein Gespräch mit jemandem, dem man vertraut. Es ist die beste Gelegenheit, um Unterstützung und Verständnis zu bekommen, außerdem wollen Eltern, Freunde und Verwandte auch in solchen Fällen beistehen. Und wären sie umgekehrt in einer solchen Situation, würde der Betroffene ja schließlich auch davon erfahren und ihnen helfen wollen. Für ein solches Gespräch nimmt man sich am besten Zeit und sucht sich einen ruhigen Ort. Schon alleine, dass jemand zuhört, hilft Betroffenen. In diesem Zusammenhang gibt es auch die Möglichkeit, sich an eine telefonische und anonyme Beratungsstelle zu wenden.

App und Tutorials geben Ratschläge

Eine Erste Hilfe gegen Cybermobbing kann auch eine ganz spezielle App bieten. In kurzen Videoclips geben zwei Comicfiguren konkrete Verhaltenstipps für diese Situation, sprechen Mut zu und zeigen erste Schritte gegen Cybermobbing auf. Die App bietet auch rechtliche Hintergrundinformationen und Links zu Beratungsstellen. Darüber hinaus wird in den Tutorials gezeigt, wie beleidigende Kommentare auf Social-Media-Plattformen gemeldet, blockiert oder gelöscht werden können.

Das Gute an der Anwendung: Die App ist nicht nur für Jugendliche gemacht, sondern auch von Jugendlichen. Denn programmiert und entwickelt wurde sie ursprünglich von jungen Leuten des „Klicksafe Youth Panels“ aus Deutschland. Die Adaption für das Großherzogtum haben Jugendliche des „Bee Secure Youth Panels“ und des „Lycée Michel Rodange“ vorgenommen. Die App ist auf Luxemburgisch, Französisch, Deutsch und Englisch erhältlich.

Der Ratgeber hat übrigens auch Tipps parat für Eltern, deren Kind andere mobbt. Da Kinder oder Jugendliche, die andere belästigen, sich oft nicht bewusst sind, wie stark sie ihr Opfer verletzen, ist es wichtig, sie mit den Folgen ihrer Aktionen zu konfrontieren. Eltern können Mobbern helfen, Verantwortung zu übernehmen und zu verstehen, dass ihr toller Pausenspaß für das Opfer extrem verletzend ist und seine Freude am Alltag stark beeinträchtigen kann. Nicht zuletzt muss Tätern auch klar gemacht werden, das Cybermobbing nicht nur moralisch inakzeptabel ist, sondern auch einen Straftatbestand darstellen kann.


Weitere Informationen sowie Zugang zum Ratgeber und Link

zur Selbsthilfe-App finden sich unter www.bee-secure.lu